1030: Hardcore

Alles rund um die einzelnen Tatort-Folgen
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Purzelito
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Re: 1030: Hardcore

Beitragvon Purzelito » So 8. Okt 2017, 21:32

Einiges hätte ich erwartet, aber dass es so dermassen trivial am Thema vorbeigehen würde nicht. Wird man dem Thema Pornoindustrie und deren Internetauswüchsen mit einer Grüsse-aus-der-Lederhose-Kommödienklamotte gerecht, mit King Arthur und Beethoven aufgepeppt? Das Beste daran war noch der Schluss. Offenbarte er doch den einen Skrupellosen, der weitermacht und ansonsten nur Verlierer. Seltsamerweise gehörten die Frauen nicht dazu. Im Gegenteil, sie machten ihren Job gerne, freiwillig, ohne psychischen Abstieg, Drogen oder sonstigen Druck. Alles ganz easy und toll. Ja, wo samma denn? Wer glaubt denn das? Ein zutiefst männlich verstellter Weichzeichnerblick auf das Elend dieser Branche. Ich will jetzt auch gar nicht moralisieren und die Euphorie bremsen, doch ein wenig Ernst und Anstoss zur Nachdenklichkeit über die Benutzung von Frauen und deren wirklicher Lage hätte notgetan.
siegfried1
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Re: 1030: Hardcore

Beitragvon siegfried1 » So 8. Okt 2017, 21:42

Purzelito hat geschrieben:Einiges hätte ich erwartet, aber dass es so dermassen trivial am Thema vorbeigehen würde nicht. Wird man dem Thema Pornoindustrie und deren Internetauswüchsen mit einer Grüsse-aus-der-Lederhose-Kommödienklamotte gerecht, mit King Arthur und Beethoven aufgepeppt? Das Beste daran war noch der Schluss. Offenbarte er doch den einen Skrupellosen, der weitermacht und ansonsten nur Verlierer. Seltsamerweise gehörten die Frauen nicht dazu. Im Gegenteil, sie machten ihren Job gerne, freiwillig, ohne psychischen Abstieg, Drogen oder sonstigen Druck. Alles ganz easy und toll. Ja, wo samma denn? Wer glaubt denn das? Ein zutiefst männlich verstellter Weichzeichnerblick auf das Elend dieser Branche. Ich will jetzt auch gar nicht moralisieren und die Euphorie bremsen, doch ein wenig Ernst und Anstoss zur Nachdenklichkeit über die Benutzung von Frauen und deren wirklicher Lage hätte notgetan.


@ Hallo Purzelito

Auch heute wieder muss ich Dir 100 % Recht geben. Ich sehe es genauso wie Du, nur hast Du es nur besser formuliert, was mir alles an diesem
Tatort nicht gefiel. Es fehlte den Blick hinter die Kulissen dieser Geschäftsbranche, die auf dem absteigenden Ast befindet, wie die einen
das richtig bemerkt haben, denn dank Internet bekommt man heute alles gratis und franko aufs Tablet. :!:
Rheinbrück
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Re: 1030: Hardcore

Beitragvon Rheinbrück » So 8. Okt 2017, 21:58

siegfried1 hat geschrieben:
Der Comedy-Highlight oder der Comedy-Tatort kommt noch dieses Jahr aus Münster...


Ich war ja auch von den ersten Münsteranern begeistert, aber dann kam das "Wunder von Wolbeck" vor der Kulisse von Niederaussem, Zeitverschwendungen wie "Schwanensee" und nicht zuletzt Selbstkopien ohne Ende. Aber vielleicht bin ich schlicht jemand, der das Mimenspiel von B & L mehr schätzt (war heute wieder sehr überzeugend) als Formathumor, oder überhaupt: Comedy!

siegfried1 hat geschrieben: "...und wird wie zuvor alle anderen schlagen.


Ich gestehe, darauf jetzt keine direkte Antwort zu finden.
siegfried1
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Re: 1030: Hardcore

Beitragvon siegfried1 » So 8. Okt 2017, 22:20

Rheinbrück hat geschrieben:
siegfried1 hat geschrieben:
Der Comedy-Highlight oder der Comedy-Tatort kommt noch dieses Jahr aus Münster...


Ich war ja auch von den ersten Münsteranern begeistert, aber dann kam das "Wunder von Wolbeck" vor der Kulisse von Niederaussem, Zeitverschwendungen wie "Schwanensee" und nicht zuletzt Selbstkopien ohne Ende. Aber vielleicht bin ich schlicht jemand, der das Mimenspiel von B & L mehr schätzt (war heute wieder sehr überzeugend) als Formathumor, oder überhaupt: Comedy!

siegfried1 hat geschrieben: "...und wird wie zuvor alle anderen schlagen.


Ich gestehe, darauf jetzt keine direkte Antwort zu finden.


@ Hallo Rheinbrück

Es gibt in Münster wie sonst überall gute und schlechte Tatorte, auch sage ich dass es auch schlechte Tatorte in Münster gibt, neben Deinen angesprochenen Tatorten fand ich Summ, summ, summ einen von den schlechteren Münster-Tatorte. :?
Es kommt immer darauf an, wer die Drehbücher schreibt. Wenn das Buch zum Tatort schlecht ist, können es auch qualifizierte Schauspieler nicht mehr retten.
Aber auch wenn der Fall an für sich nicht spektakulär ist, ist das Gezänke zwischen Boerne und Thiel immer wieder unterhaltsam. ;)
Das ist bei Batic und Leitmaier nicht mehr der Fall.

Wenn man die alten Herren Batic und Leitmayer ansieht, ist der Schalk zwischen ihnen verlorengegangen, besonders wenn man diese vergleicht mit den alten Folgen wo sie noch jünger waren.
Aber wir werden sehen, ob das Team aus Münster seiner Rolle gerecht wird oder nicht.
Rheinbrück
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Re: 1030: Hardcore

Beitragvon Rheinbrück » So 8. Okt 2017, 22:51

siegfried1 hat geschrieben:@ Hallo Rheinbrück

Es gibt in Münster wie sonst überall gute und schlechte Tatorte, auch sage ich dass es auch schlechte Tatorte in Münster gibt, neben Deinen angesprochenen Tatorten fand ich Summ, summ, summ einen von den schlechteren Münster-Tatorte. :?
Es kommt immer darauf an, wer die Drehbücher schreibt. Wenn das Buch zum Tatort schlecht ist, können es auch qualifizierte Schauspieler nicht mehr retten.
Aber auch wenn der Fall an für sich nicht spektakulär ist, ist das Gezänke zwischen Boerne und Thiel immer wieder unterhaltsam. ;)
Das ist bei Batic und Leitmaier nicht mehr der Fall.

Wenn man die alten Herren Batic und Leitmayer ansieht, ist der Schalk zwischen ihnen verlorengegangen, besonders wenn man diese vergleicht mit den alten Folgen wo sie noch jünger waren.
Aber wir werden sehen, ob das Team aus Münster seiner Rolle gerecht wird oder nicht.


Siegfried, danke für die Antwort. Ich neige ja gelegentlich zu Überspitzungen und darf bei der Gelegenheit auch zugeben, daß der heutige Münchner den Erwartungen nicht entsprach (Ja, ich mache den immer gleichen Fehler, die Vorauskritiken zu lesen!).

Ich mag halt das Münchner Altherrenduo, ihre Darsteller und bin wenig erstaunt, daß sich in der Rangliste kein anderes Team unter den ersten Zwanzig so oft tummelt.

Und ich werde den nächsten Münsteraner sicher auch sehen und möglich auch wieder ein guten Abend mit ihnen haben.

Grüße aus der Nähe zu Münster
heletz
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Re: 1030: Hardcore

Beitragvon heletz » Mo 9. Okt 2017, 07:02

feedbackerin hat geschrieben:... Es geht um die gesellschaftliche Etablierung von Rollenbildern in der Sexualität in diesem Film.Es geht um die Rezeptionsreife von Kindern bei einem Krimi, wie Tatort, der ab12 Jahre freigegeben ist, was bedeutet, dass das 12-jährige Kind in dem Bewusstsein diesen Film schaut, dass das Thema des Films unsere Gesellschaft widerspiegelt. Und es geht darum, dass eine dramaturgisch, fiktive Geschichte nichts mit schulischer Aufklärung zu tun hat, sondern mit unbewusster Prägung.


Ja, schön, aber was ist Dein Vorschlag?

Unbestritten geht es in dem Film auch um Emanzipation und die Rolle der Geschlechter bzw. Diskriminierung.

Vermutlich sind viele 12-jährige da schon ziemlich weit.
Im Portal "Youporn" ist die Schwelle doch so hoch, daß man am Beginn klicken muß "Ich bin schon 18 Jahre alt" und erst dann darf man gucken ...

In der Realität verbergen die Männer ihr Gesicht ("Ich stehe in der Öffentlichkeit und kann mich hier nicht zeigen!"), die Frauen sollen aber (schon zur Luststeigerung) gefälligst ihr Gesicht zeigen. Niederknien ist auch gut (wie am Anfang gezeigt), so zeigt sie sich als unterwürfig!

Wenn Männer zugeben, an einem Gang-Bang oder Bukkake-Event teilgenommen zu haben, genießen sie eine gewisse Bewunderung („Also, ich würde mich das nicht trauen!“), aber wenn Frauen gerne und mit Lust von sich aus anonymen hemmungslosen Sex suchen (und eben keine Bindung wie man ihnen altväterlich immer noch unterstellt), dann sind sie eine „Schlampe“, die keiner heiraten will.

Wo sich der Mörder doch so bemüht hat, seiner Frau durch eine spießige Wohnung, regelmäßiges Einkommen und ein Kind die Lust auszutreiben!
Geht ja mal gar nicht, daß die dann immer noch Bock auf anonymen Sex mit möglichst unbekannten Böcken hat!

Ganz heftig ist natürlich die Sache mit der Arbeitsstelle der Getöteten: Das ist ganz klar eine Frage an uns alle, das merkt man auch der Kameraführung an. Akzeptieren wir eine Frau, die an einer oder mehreren Nächten hemmungslos ihrer sexuellen Lust nachgeht, als Erzieherin unserer Kinder? Darf die das? Oder verdirbt die unsere Kinder schon durch ihre Anwesenheit? Ist eine sexuell aktive Frau automatisch eine Gefahr für Kinder?

Und wenn der Herr Oberstaatsanwalt wenigstens eine Tochter gehabt hätte, die zum Sex gezwungen worden wäre, damit hätte er leben können. Aber seine Tochter aus dem guten Hause und freiwillig hemmungslosen Sex …? Nee … da lügt er dann lieber seine Frau an.

Das erinnert mich an den Fall, der sich vor ein paar Jahren, ich glaube in Neuendettelsau, ereignete. Eine Erzieherin in einem kirchlichen Behindertenheim drehte einige Pornos, ein Kollege entdeckte sie und zeige sie bei der Leitung an, worauf ihr gekündigt wurde. Sie habe gegen gegen christliche/weltanschauliche Grundsätze verstoßen. Das ging durch einige Instanzen, aber weil bei Kirchen eben Sonderrecht gilt, hatte die Kündigung Bestand. Von dem Mitarbeiter, der sich den Porno sicher nicht aus wissenschaftlichem Interesse angesehen hatte, hörte man nichts. Dieser hat ja mindestens gegen ein bis mehrere christliche Gebote verstoßen.

Dies sind nur so einige Gedanken.

Frage: Bis zu welchem Alter sollen wir Kinder von der Realität abhalten? Bis 12? Bis 13? Oder doch eher bis 19? Wo ist Deiner Meinung nach die Grenze?
.
hyetometer
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Re: 1030: Hardcore

Beitragvon hyetometer » Mo 9. Okt 2017, 08:19

Frage: Bis zu welchem Alter sollen wir Kinder von der Realität abhalten? Bis 12? Bis 13? Oder doch eher bis 19? Wo ist Deiner Meinung nach die Grenze?


Bis sie verstehen, dass es eben nicht der Realität entspricht! Es mag Frauen geben, die auf die gezeigte Weise ihre sexuellen Phantasien ausleben, aber das ist bestimmt nicht der übliche Weg zur Pornodarstellerin. Eher spielt da Geldnot eine Rolle, oder ein Versprechen, dieser eine Dreh sei nur der Einstieg in die seriöse Filmbranche. Wenn sie beim ersten Dreh dann einen Rückzieher machen will, wird ein bisschen nachgeholfen mit Drogen ... usw. (Das habe ich nicht irgendwo gelesen, sondern so ist es bei einer Freundin einer Bekannten gelaufen.)

Die nymphomanische Frau, die mit ihrem biederen Ehemann nicht zufrieden ist, sucht nicht gleich diesen Weg. Aber den Konsumenten soll das ja vorgegaukelt werden, sonst hätten sie, falls sie nicht sadistisch veranlagt sind, ja keinen Spaß dran.

Also das war m. E. das erste 'Missverständnis' bei dieser Folge, wenn es denn überhaupt ein 'Missverständnis' war!
Das zweite war der Abspann mit der Horde nackter Komparsen. Warum engagiert die ARD dann noch mehr 'Darsteller', wenn sie etwas kritisch darstellen will. Also war das keine Kritik an der Pornoindustrie?

Ich habe den Film nicht verstanden, fand auch nichts lustig oder spannend. Einzig, dass es eine Folge aus München war, hat mich motiviert, bis zum Ende zu gucken.

Was soll die Aussage gewesen sein? Dass Pornos zur Gesellschaft gehören? Ist wohl so, aber dass die Darstellerinnen alle so viel Gefallen an ihrer Arbeit finden? Da hilft auch nicht der Kommentar von Batic zu seiner Arbeit.
heletz
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Re: 1030: Hardcore

Beitragvon heletz » Mo 9. Okt 2017, 08:23

hyetometer hat geschrieben:...
Es mag Frauen geben, die auf die gezeigte Weise ihre sexuellen Phantasien ausleben, aber das ist bestimmt nicht der übliche Weg zur Pornodarstellerin. Eher spielt da Geldnot eine Rolle...


Das weißt Du woher?

.
siegfried1
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Re: 1030: Hardcore

Beitragvon siegfried1 » Mo 9. Okt 2017, 12:43

hyetometer hat geschrieben:

Also das war m. E. das erste 'Missverständnis' bei dieser Folge, wenn es denn überhaupt ein 'Missverständnis' war!
Das zweite war der Abspann mit der Horde nackter Komparsen. Warum engagiert die ARD dann noch mehr 'Darsteller', wenn sie etwas kritisch darstellen will. Also war das keine Kritik an der Pornoindustrie?

Ich habe den Film nicht verstanden, fand auch nichts lustig oder spannend. Einzig, dass es eine Folge aus München war, hat mich motiviert, bis zum Ende zu gucken.

Was soll die Aussage gewesen sein? Dass Pornos zur Gesellschaft gehören? Ist wohl so, aber dass die Darstellerinnen alle so viel Gefallen an ihrer Arbeit finden? Da hilft auch nicht der Kommentar von Batic zu seiner Arbeit.


Hallo Hyetometer

Mir ging es genau so wie Dir, ich habe den Film als solches auch nicht ganz verstanden. Eine Kritik an die Pornoindustrie war es auf alle Fälle nicht, und Spannung hatte es erst recht nicht gegeben, und unter lustig stelle ich mir was anders vor.
Pornos gehören seit Jahrhunderten zur Gesellschaft, früher hat man es verdeckt, und heute ist alles frei zugänglich man muss nur ins Internet gehen.
feedbackerin
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Re: 1030: Hardcore

Beitragvon feedbackerin » Mo 9. Okt 2017, 13:12

Der Tatort kam halt nicht so platt daher. Es gab in diesem Film 4 Pornodarstellerinnen: ein junges Opfer, dem es offensichtlich sehr viel Spaß gemacht hat sich von 25 Männern bespritzen zu lassen... , eine junge Frau mit Kleinkind, die dem "freie" Triebgefühl verfallen war und es als Gegenpol zu ihrem "Spießerdasein" suchte, eine Möchtegern-Porno-Darstellerin, die soooo gerne eine davon wäre... und eine Professionelle, die nüchtern und kalt die Pornobranche verurteilte und abwertete... sie war aber auch die einzige, die nackt auftrat und einen "schlichten" Porno drehte. Bei den anderen Dreien ging es nicht um Job oder Geld, sondern um sexuellen Triebe und die Befriedigung beim Gangbang oder beim Bukakee oder was auch immer.

Also wird in dem Film unterschieden, zwischen er Branche "Porno", die da eher schlecht, erbärmlich und billig abgeschnitten hat und den Bedürfnissen der dargestellten Frauen, die ihre Sexualität anders ausleben möchten, wie die meisten Frauen (denke ich mal).

Jeder kann sich selbst ein Urteil bilden, sofern er unterscheiden kann und auch sich, seine Triebe und seine Rolle in der Gesellschaft ausgereift entwickelt sind.

Vorher steht zu befürchten, dass ein junger Mensch damit nicht reflektiert und distanziert umgehen kann.

Du fragst, wie alt die Jugendlichen sein sollen? ... 12 oder 19...?
Also ich weiß nur, dass die meisten Eltern es nicht begrüßen, wenn sich ihre 12-jährigen Töchter schminken, Hotpens tragen und Sex haben. ... und ich kann das verstehen. ...Aber vielleicht bin ich da ja etwas prüde und das ist heute dann doch Teil unserer "offenen" Gesellschaft?
Wenn Kinder diese Themen so serviert bekommen, wie in dem Tatort, sollten sie dann nicht auch reif für Sex sein, oder?

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