Der rbb zeigt 14 historische und restaurierte Berlin-TATORTe

Ermittler im TV oder Sonstiges
Der Parkstudent
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Re: Der rbb zeigt 14 historische und restaurierte Berlin-TATORTe

Beitragvon Der Parkstudent » Di 20. Jun 2017, 19:44

Das hört sich alles sehr vielversprechend an. Ich werde mir sicher einige der besagten Folgen ansehen.

Gut finde ich auch, dass man für die Ausstrahlung nicht die ganz späten Termine gewählt hat. Denn eine Aufzeichnung wäre für mich im Moment etwas aufwändig.
Schimanskis Jacke
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Re: Der rbb zeigt 14 historische und restaurierte Berlin-TATORTe

Beitragvon Schimanskis Jacke » Fr 30. Jun 2017, 07:32

So, ersten Restaurierten gesehen. Mal ganz unabhängig davon, ob einem "Der Boss" gefällt oder nicht, bin ich positiv von der Qualität der Restaurierung überrascht. Großes Lob an die Beteiligten, die auf diese Weise die "alten Schätzchen" retten und erhalten, dafür ein fettes "Dankeschön". Das sollte zum Vorbild auch für andere Sendeanstalten dienen. Bitte weitermachen und vielleicht mal eine Veröffentlichung auf DVD in Betracht ziehen.
jochensge
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Re: Der rbb zeigt 14 historische und restaurierte Berlin-TATORTe

Beitragvon jochensge » Mi 19. Jul 2017, 22:29

Habe jetzt den 3. Tatort aus der Wiederholungsreihe geschaut (Tod im Transit) und ich kann hier bei der Bildqualität wirklich den Vorschreibern zustimmen. Ich hätte nicht gedacht, dass diese Qualität wirklich einfach nur vom Material kommt. Für mich sind alte Tatorts erstmal unabhängig vom Inhalt auch akzeptabel mit eher mittelmässiger Bildqualität. Das gehört ja auch irgendwie dazu, genau so inhaltliche Defizite, die aber nun mal in die entsprechende Zeit gehören.
Aber bei Tod im Transit merkt man so wirklich kaum, dass dieser Film über 40 Jahre alt ist. Es sind nur Requisiten wie Autos oder natürlich auch die Schauspieler, die in eine andere Zeit gehören. Das kann man gerne auch bei anderen Tatorten machen, denn für mich hatte das keinefalls einen negativen Einfluss auf den "Genuss" des Tatorts.

Der Inhalt der ältere Tatorte bleibt unabhängig davon aber für mich immer wieder "authentisch". Und zwar in dem Sinne, dass ich immer klar sagen würde, dass heute dieser Film nochmals genau so gedreht nie funktionieren könnte. Aber in der damaligen Zeit wirkt er einfach glaubhaft und überzeugend. Das gilt gerade bezüglich handwerklicher Mängel was die Polizeiarbeit betrifft (Haltung der Waffen, juristische Schwierigkeiten zB bei Durchsuchungen), die für mich bei aktuellen Tatorte wesentlich wichtiger sind als damals.
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Tatort_Celerina
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Re: Der rbb zeigt 14 historische und restaurierte Berlin-TATORTe

Beitragvon Tatort_Celerina » Do 20. Jul 2017, 08:13

Ich bin ebenfalls begeistert von der visuellen Qualität der Folgen. Es ist für mich ein technisches Wunder, wie man es schafft, altes Filmmaterial so aufzuarbeiten, dass man das Gefühl hat, er wäre letzte Woche erst gefilmt worden.

jochensge hat geschrieben: [...]inhaltliche Defizite, die aber nun mal in die entsprechende Zeit gehören. [...] Aber in der damaligen Zeit wirkt er einfach glaubhaft und überzeugend.
Ich stimme dir weitgehend zu, aber so mancher Klassiker wirkt auf mich aber auch heute noch glaubhafter, als einige Neuproduktionen. Gerade dann, wenn ein Verbrechen genau geplant wird und man die Schritte zur Vorbereitung des Verbrechens mitverfolgen darf, hat man das Gefühl, dass hier glaubhaft an alles gedacht wurde. Neuere Folgen, ich denke gerade an "Echolot" aus Bremen, sind mitunter weniger glaubhaft, weil in ihrem Grundthema zu utopisch - gerade dann, wenn Autoren eine tolle Idee für eine Aussage (Kritik an virtuellen Realitäten) haben und dann einen Kriminalfilm drumherum basteln möchten.
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Sonderlink
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Re: Der rbb zeigt 14 historische und restaurierte Berlin-TATORTe

Beitragvon Sonderlink » Mo 24. Jul 2017, 16:26

Tatort_Celerina hat geschrieben:Ich bin ebenfalls begeistert von der visuellen Qualität der Folgen. Es ist für mich ein technisches Wunder, wie man es schafft, altes Filmmaterial so aufzuarbeiten, dass man das Gefühl hat, er wäre letzte Woche erst gefilmt worden


Hallo und guten Tag. Ich finde die hervorragende Qualität (wenn man einmal von der Bild/Ton-Asynchronität bei „Transit ins Jenseits" absieht, da haben die Editoren gepennt) nachvollziehbar. Um es mit anderen Worten auszudrücken: Ich habe es gar nicht anders erwartet.
Warum ist das so?
Ich erlaube mir einen kleinen Ausflug in den Bereich der Filmtechnik und Filmrestauration und hoffe, es wird nicht all zu ermüdend.

Es ist kein technisches Wunder, wenn man bedenkt, dass die Sendekopie der Tatorte damals ein 2-Zoll-Magnetband (Quadruplex) war. Das klingt gewaltig, war aber verglichen mit althergebrachtem Filmmaterial unterste Schublade. Magnetbänder ließen sich für Sendezwecke leichter handhaben. Diese damals hochmodernen Doppelzöller wurden ab ca.1980 nach und nach aus dem Sendebetrieb herausgenommen und durch ihre technischen Nachfolger ersetzt. Infolge mehrerer analoger Kopien hintereinander auf neue Formate (im gut gemeinten Sinn der Datensicherung, Betacam SP wurde hier im Interview mit den rbb-Verantwortlichen genannt) wurde die Sendebandqualität für anstehende Wiederholungen immer schlechter.

Produktionsseitig wurde in den 70er Jahren 35mm-Filmmaterial (später aus Kostengründen 16mm) verwendet, von dem ein Dup-Negativ und mehrere Positivkopien gezogen wurden. Die Herstellung des fertigen Films (so genanntes Master-Negativ) erfolgte am Schneidetisch, ohne Computerunterstützung. 35mm Filmmaterial hat pro Bild eine nutzbare Bildfläche von 352 Quadratmillimetern und ist geeignet, eine scharfe Projektion auf eine 12 Meter breite Leinwand zu gewährleisten. Auch das 16mm Material bot eine mehr als ausreichende Bildqualität, da das Zielmedium ja das Fernsehen und nicht das Kino war.

Von der Positivkopie des Filmes wurde also eine MAZ angefertigt, d.h., eine Signalwandlung von einem optischen in ein elektronisches Bildsignal vorgenommen. Das stellte dann schon die dritte Generation dar, jede zusätzliche Kopie bedeutet einen weiteren Qualitätsverlust. Ein 35mm Filmnegativ hat etwa die vierfache technische Auflösung eines digitalen SD (Standard Definition) Videos. Die eigentlichen Qualitätsunterschiede liegen aber nicht in der Auflösung, sondern in der Gradation (optische Dichte,Tonwertumfang), was man vereinfacht mit Kontrast übersetzen kann. So muss man sich vorstellen, dass ein High Definition Videosignal - egal in welcher technischen Auflösung - nur 256 Graustufen erfasst, von Weiß bis schwarz. Mehr Werte werden aufgrund der eingeschränkten Datenübertragungsrate nicht abgespeichert, denn man hat nur etwa 6Megabyte/Sekunde zur Verfügung. Dementsprechend wenig Farbwerte werden behalten (z.B. in modernen MPEG4-Verfahren). Film, dessen Belichtung einem chemischen und keinem elektronischen Prozess unterliegt, gibt als analoges Speichermedium nahezu unendlich viele Grau- und Farbstufen wieder (eine Begrenzung liegt in der Körnung der Fotoemulsion). Aus diesem Grund möchte ich Sergio Leones "Once Upon A Time In The West" irgendwann noch einmal im Kino sehen, im Bildformat 2,5:1! Eine DVD kann das nicht im Entferntesten wiedergeben, auch die BluRay-Technologie scheitert kläglich.

Aber zurück zum Tatort:
Bei der Restaurierung wurden, wie ich das rbb-Interview interpretiere, die originalen, ungeschnittenen Filmnegative aus den Archiven geholt, also die Generation Eins, die beste vorhandene Qualität. Mit einem hochauflösenden Filmscanner wurde das Material digitalisiert, bearbeitet, und a) wieder auf Band exportiert b) als Datei - in welchem Format auch immer - gesichert. Dabei wurden Materialfehler und Schäden herausgerechnet und eine Farbkorrektur durchgeführt. Da wir heute den digitalen Sendenormen unterliegen, bekommen wir von der tatsächlichen Qualität der Berlin-Tatorte (besonders was die Farbauflösung angeht) wiederum wenig mit - ein Nachteil der Digitaltechnik - nicht schlimm, solange man es nicht bemerkt.

Filmrestaurierung ist immer ein Wettlauf gegen die Zeit, weil das Material kontinuierlich altert und bereits 30 Jahre lang gelagerte Negative vom Zahn der Zeit in Mitleidenschaft gezogen sind - jeder weitere mechanische Abspielvorgang schädigt die Filme zusätzlich.

Alles in allem wird das für den rbb eine sehr teure Liebhaberei gewesen sein, zugunsten von uns, den Fans!
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Re: Der rbb zeigt 14 historische und restaurierte Berlin-TATORTe

Beitragvon Joerg57 » Di 25. Jul 2017, 12:35

Sonderlink hat geschrieben:Ich erlaube mir einen kleinen Ausflug in den Bereich der Filmtechnik und Filmrestauration und hoffe, es wird nicht all zu ermüdend. [...]

Also, ich fand das hochinteressant und alles andere als ermüdend!

Vielen Dank für Deinen sehr informativen Beitrag!
Just my 2 Pence, Gruß, Joerg57
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Re: Der rbb zeigt 14 historische und restaurierte Berlin-TATORTe

Beitragvon Tatort_Celerina » Di 25. Jul 2017, 16:33

Sonderlink hat geschrieben:Bei der Restaurierung wurden, wie ich das rbb-Interview interpretiere, die originalen, ungeschnittenen Filmnegative aus den Archiven geholt...

Ungeschnittes Material? Das würde doch bedeuten, dass man die Filme neu hätte schneiden müssen, auch die Tonspur, die Hintergrundmusik, die Einblendungen des Vorspanns hätte man neu zusammenbasteln müssen... Ich habe technisch nicht im Ansatz so viel Ahnung wie du, Sonderlink (deshalb auch danke für deinen Beitrag), aber ich könnte mir eher vorstellen, dass man die "Generation 2", also den fertigen Film genommen hat und mit dem dann so verfuhr, wie du es beschrieben hast.

Sonderlink hat geschrieben:Alles in allem wird das für den rbb eine sehr teure Liebhaberei gewesen sein, zugunsten von uns, den Fans!
Und dafür sind wir dem rbb sehr dankbar!
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Re: Der rbb zeigt 14 historische und restaurierte Berlin-TATORTe

Beitragvon Sonderlink » Di 25. Jul 2017, 17:56

Tatort_Celerina hat geschrieben:...... ich könnte mir eher vorstellen, dass man die "Generation 2", also den fertigen Film genommen hat und mit dem dann so verfuhr, wie du es beschrieben hast.

Ja, so könnte es natürlich gewesen sein, dass man das Master-Negativ herangezogen hat, das wäre billiger. Vermutlich ist es auch so gelaufen, und du liegst richtig, Celerina. In dem Fall hätte man es dann nur mit zwei oder vielleicht drei Filmrollen zu tun gehabt.
Im Interview war von einem "sehr aufwändigen Prozess" die Rede: "Wir mussten anfangs erstmal das Filmmaterial zusammenstellen.........viel recherchieren, um die vielen verschiedenen Filmrollen zusammen zu haben. Diese sind unterschiedlich gelagert gewesen, an verschiedenen Orten........ Danach fing die Detailarbeit an mit den Negativbeständen und der Frage, wie liegt alles vor." Ich weiß es nicht; ich interpretiere die vielen verschiedenen Filmrollen (auf eine Arriflex-Filmrolle passen etwa 9 Minuten Film) so, dass sie komplett von Grund auf gearbeitet haben und das digitalisierte Material auch neu zusammengesetzt haben, nach Vorlage des Sendebandes. Wenn man das Quellmaterial als Datei im Schnittsystem vorliegen hat, ist der Schnitt keine große Sache mehr - es ist eben eine Frage des Aufwands, den man betreiben will. Der Ton wurde auf jeden Fall extra bearbeitetet, weil beim Vorliegen von Magnetton- oder Lichttonspuren kein Zeitversatz auftreten kann.
Es ist schon eine interessante Sache, wie man an so ein Projekt herangeht, und ich würde den Leuten dabei sehr gern mal über die Schulter schauen. In jedem Fall danke ich dir für dein freundliches Feedback (für deins natürlich auch, Jörg).
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Re: Der rbb zeigt 14 historische und restaurierte Berlin-TATORTe

Beitragvon Francois » Do 21. Sep 2017, 00:43

Sonderlink hat geschrieben:Alles in allem wird das für den rbb eine sehr teure Liebhaberei gewesen sein, zugunsten von uns, den Fans!


Ja, stimmt. Soll sehr teuer gewesen sein.
Aber der rbb hat wieder volle(re) Kassen, nachdem die GEZ-Gebühr zur Haushaltsabgabe wurde.
Und wenns denn ein Erfolg beim Publikum war, kann er sich ja noch weitere Restaurierungen vorstellen....
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Herr_Bu
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Re: Der rbb zeigt 14 historische und restaurierte Berlin-TATORTe

Beitragvon Herr_Bu » Sa 11. Nov 2017, 13:42

Hallo,
die Wiederholungsliste im Tatort-Fundus enthält für 18.12.2017 zwei ältere SFB-Tatorte (Ordnung ist das halbe Sterben; Tod macht erfinderisch). Sind dies schon die nächsten restaurierten Berliner Tatorte? Das würde ja bedeuten, dass der RBB mit seiner verdienstvollen und vorbildgebenden Restaurierungsarbeit weiter macht. Weiß jemand hierzu Näheres, ob dem so ist und ob möglicherweise noch weitere folgen?
Grüße Herr_Bu
Fabian Hinrichs: „Die Öffentlich-Rechtlichen sollten sich in ihren Programmentscheidungen nach einem anderen, einem wirklichen Qualitätsprinzip richten. Man sollte die Leute zur Mündigkeit erziehen, da bin ich wirklich Adorno-Schüler."

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