678: Satisfaktion

Alles rund um die einzelnen Tatort-Folgen
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Kohli77
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Re: 678: Satisfaktion

Beitragvon Kohli77 » Fr 21. Nov 2014, 14:55

Also, eines vorab: Ich bin nicht "linkslastig", vielleicht hat mir Winston_C daher in diesem Thema eine Erklärung dafür geliefert, dass der Münster-Tatort nicht zu meinen Lieblings-Teams gehört (obwohl ich ihn trotzdem meistens gerne ansehe). 8-)

Mit Burschenschaften kann ich aber gar nichts anfangen. Und mit dieser Folge auch nicht viel. Börnes Blasiertheit nervte und Thiel agierte stellenweise richtig peinlich, keine ordentliche Ermittlungsarbeit. Und das mit dem unehelichen Kind war auch nur auf dem Busch geklopft, da lagen keinerlei Indizien vor (oder habe ich etwas übersehen?). :?

Die Vaddern-Einlage war dafür diesmal besser und Thiels Angst um ihn war überzeugend gespielt. Auch das Netzwerk aus kleinen Gefälligkeiten war interessant dargestellt. :)

Fazit: 3 Punkte nach Münster!
Es grüßt
- Der Kohli -

Meine 500. Tatort-Wertung: "148: Peggy hat Angst" mit Kriminalhauptkommissarin Hanne Wiegand.
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Deichgraf
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Re: 678: Satisfaktion

Beitragvon Deichgraf » So 20. Aug 2017, 13:52

Heute ist es wieder soweit, das eine 10 Jahre Alte T&B Folge wiederholt wird, ich kann mich kaum noch daran erinnern, und bin gespannt.
Beati Pauperes Spiritu
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Purzelito
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Re: 678: Satisfaktion

Beitragvon Purzelito » Mo 21. Aug 2017, 15:06

Da es an der Uni in Münster 30 Studentenverbindungen gibt und man des öfteren in der Tageszeitung davon etwas mitbekommt, empfand ich diesen Tatort damals wie heute als dauerhaft aktuell. Unter den 30 Verbindungen (2 Damenverbindungen, 2 gemischte Verbindungen, 26 Männerbünde) gibt es 3 fakultativ/freiwilig und 5 pflichtschlagende Verbindungen. Der Rest immerhin ist nichtschlagend. Das Thema des Tatorts ist somit alles andere als weit hergeholt und wird meines Erachtens bis ins Detail gut dargestellt. Dass eine solche Verbindung für ein ganzes Leben eingegangen wird - einschliesslich der Seilschaften und sonstigen Konsequenzen – ist anzunehmen. Falsch verstandene Loyalität bis hin zur Bestechung, Akademikerdünkel, Postengeschacher, minderes Unrechtsbewusstsein, Kooperation und Partizipation.

Boerne schien in seinem studentischen Vorleben die Klaviatur des Corps zu beherrschen bis hin zu blutigen Mensuren unter illegalen Bedingungen. Ich glaube allerdings, dass er sich nicht aus nostalgischen Gründen zurück in den Kreis begab, sondern dass die Ermittlung und seine Spürnase ihn auf den Paukboden zurück trieben und ihn mit den Wölfen heulen liess. Thiel durchschaute das zunächst nicht, anders als der alte Stielicke (Paraderolle für Michael Degen), der prompt von Boerne Loyalität einforderte und ihn sogar dazu veranlassen wollte, Münster in Richtung Berliner Charite zu verlassen. Das Verhalten von Thiel kann ich nachvollziehen. Die vermeintlich arrogante Behandlung Boernes und die Herablassung der Corpsmitglieder konterte er mit Schnoddrigkeit und Sarkasmus („ungeschützter Säbelverkehr“).

Grandios im Stile von Hercule Poirot ist die mit Totenschädel inszenierte Tafelrunde aller Beteiligten zur Aufklärung des Verbrechens. Kuckuckskind fordert eine Kontrahage des Gehörnten heraus, das folgende Duell endet zunächst mit einem Schuss in den Kiefer, dann unehrenhaft aber tödlich mit einem nachgeladenen Schuss in den Kopf.

Dieser Münsteraner Tatort hatte klassische Elemente, eine Top-Ausstattung, pointierten Witz, einige schöne Kameraperspektiven – mit anderen Worten unterhaltsam.
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Wachtmeister
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Re: 678: Satisfaktion

Beitragvon Wachtmeister » Mo 21. Aug 2017, 18:49

Nachdem ich vor Jahren schon einmal eine Wiederholung gesehen hatte, muß ich jetzt sagen: Das Beste an dieser Folge ist die Kamera. Denn es sind mir vor allem Bilder in Erinnerung geblieben, während ich den Handlungsablauf zwischenzeitlich völlig vergaß.
Die Inszenierung kommt mir jetzt ziemlich betulich vor. Es fehlt der Schwung. Zumindest die Dramatisierung der Ereignisse um Boerne zum Ende hin, die das Buch liefert, hätte effektvoller dargestellt werden müssen. Der Versuch, durch Schnitte einen schnellen wiederholten Szenenwechsel zu Thiels Ermittlungen herzustellen und damit ein Gefühl von Dramatik zu erzeugen, ist gescheitert. Es hat nicht funktioniert, weil die beiden Handlungsabläufe sich nicht aufeinander zu bewegen.
Die Trägheit in dieser Folge hängt m. E. mit dem Bemühen zusammen, das Corpswesen nicht zu plump und zu karikierend darzustellen. Das ist gelungen, hatte aber eben seinen Preis. Man wollte in der Milieuschilderung halbwegs realistisch sein, während ansonsten, wie üblich bei den Münsteranern, auf die Wirklichkeit außerhalb des Fernsehens nicht viel Rücksicht genommen wird. (Alberich übernimmt nebenbei noch Aufgaben der KTU.)
Das Thema studentische Verbindungen paßt durchaus in die Studentenstadt Münster, daß Boerne etwas damit zu tun hat, paßt zu den Tatorten aus Münster. Der Fund alter Leichen kommt dort auch häufiger vor (und gehört zu den von mir bevorzugten Elementen von Krimis). Thiel hat seine Reibereien mit Boerne und mit seinem Vater. Vom Ansatz her ist es eine Folge für die Tatort-Münster-Fans. Aber es wurde zu wenig daraus gemacht. Beispielsweise hätte man den Kontrast zwischen der Loyalität, zu der sich die Bundesbrüder verpflichtet fühlen, und der Rivalität zwischen den beiden leiblichen Brüdern Stielicke verdeutlicht werden können.
Insgesamt ist der Film streckenweise interessant, aber nur mäßig unterhaltsam.

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