720: Kassensturz (Der Zweite)

Alles rund um die einzelnen Tatort-Folgen
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JoeWi
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Re: 720: Kassensturz (Der Zweite)

Beitragvon JoeWi » Mo 2. Feb 2009, 22:51

Bubach hat geschrieben:Ich fand die ganze Thematik etwas übertrieben. So mies geht es bestimmt in keinem Großdiscounter zu. Die können sich gar nicht leisten. Siehe Lidl.


Glaub mir, es geht da mit unter so krass zu. Ich kenne einige Leute in die Discountern bzw. ihrem Drogerieebenbild Schlecker arbeiten.
Auch meine Kontakte als Betriebsrat zu Kollegen in der Einzelshandelbranche bestätigen das.
Es mag erschreckend sein, aber der Tatort hat die Realität schon sehr deutlich aufgezeigt.
pansenmann
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Re: 720: Kassensturz (Der Zweite)

Beitragvon pansenmann » Di 3. Feb 2009, 00:28

Gutes Thema, zugegeben, aber: lahme Dialoge mit Aufsagecharakter und überzogene Ohnesorgtheatergags - geschuldet einer unsinnigen Medienpartnerschaft mit dem Ballermannradio, sowas von schlimm.... Im Gegensatz zu "Nowak" und den anderen Diskounter-Schauspielern haben sich wirklich alle Stamm-Mimen selber untertroffen, ein klassischer Fall von den-Zenit-überschritten, vielleicht sollte das ganze Gespann mal die Rollen tauschen, damit frischer Wind in das paralysierte Spiel kommt.
Unglaublich, was für Qualitätsunterschiede beim Tatort möglich sind, es ist wirklich eine Leistungsschau in Punkto Regietalent und Risikobereitschaft der Sendeanstalten.
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Steve Warson
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Re: 720: Kassensturz (Der Zweite)

Beitragvon Steve Warson » Di 3. Feb 2009, 09:35

Der zweite "Odenthal"-Tatort nacheinander, der einem länger als nur am Sonntagabend im Gedächtnis bleibt. Ich fand ihn von der Inszenierung und vom Thema sehr packend. Die Nebenstory mit dem SWR3-Gewinnspiel kam mir auch zunächst albern vor; der Hinweis hier im Forum, daß dieser Handlungsstrang aufzeigen sollte, wie gravierend die Unterschiede der Arbeitsbedingungen der "Billy"-Angestellten und der Angestellten im Polizeipräsidium sind, ist jedoch nicht von der Hand zu weisen - unter dem Gesichtspunkt ist dieser Nebenstrang dann schon ein wichtiger Bestandteil des Films.

Ulrike Folkerts gefällt mir mit den längeren Haaren sehr gut - für mich eine sehr attraktive Frau! Wichtiger ist allerdings, daß auch ihre schauspielerische Leistung sehr gut war - aber das ist sie m.E. eigentlich immer.
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saarländer
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Re: 720: Kassensturz (Der Zweite)

Beitragvon saarländer » Di 3. Feb 2009, 09:45

Steve Warson hat geschrieben: der Hinweis hier im Forum, daß dieser Handlungsstrang aufzeigen sollte, wie gravierend die Unterschiede der Arbeitsbedingungen der "Billy"-Angestellten und der Angestellten im Polizeipräsidium sind


das ist doch reine Spekulation!!!!!
Ich persönlich glaube dies nicht; nicht nur aus einem Mailkontakt mit dem Drehbuchautor zu diesem Nebenstrang heraus, wo nichts derartiges von ihm artikuliert worden, sondern weil es im Film doch sonst auch angesprochen worden wäre. Unabhängig empfände ich dies allerdings als relativ sinnleer. Was wäre die Konsequenz: Aufruf, sich bei der Polizei zu bewerben?
In vielen anderen Bereichen gibt es bessere Arbeitsbedigungen, und es war nicht Ziel des TATORTs die besseren Arbeitsbedingungen zu thematisieren, sondern die schlechten im Niedrigpreissegment.
Frau Kellers Nebenstrang war "nur" Unterhaltung, Komik, Kontrast,....
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Re: 720: Kassensturz (Der Zweite)

Beitragvon Knipperdolling » Di 3. Feb 2009, 09:58

Mir hat der Film auch sehr gut gefallen, vor allem aufgrund der (für einen Krimi) relativ unverbrauchten Thematik, der herausragenden schauspielerischen Leistung von Novak/Stahlberg und wg. einiger Nettigkeiten am Rande.
Wenn man die Nachrichtenlage einigermaßen aufmerksam verfolgt, wundern einen die hier gezeigten Praktiken im Ganzen ja nicht, weshalb ich das Glaubwürdigkeitsproblem nicht sehe. Und das ist m. E. auch das, was so ein Film leisten kann und sollte: Solche Dinge ins Bewusstsein (zurück) zu rufen bzw. das abstrakte Wissen über solche Vorgänge durch die schauspielerische Darstellung nachfühlbar zu machen.

Bulle hat geschrieben:Alles richtig, was hier geschrieben wird, aber an unserem Wirtschaftssystem, das Millionen Menschen mit Hilfe von Hartz IV erpressbar und gefügig macht, wird auch dieser Tatort nichts ändern. Davon sind die Discounter nur eine Facette. Zusammen mit Anne Will, auch von der ARD-Unterhaltungsredaktion, ist dieser Fernsehabend damit im Grunde genommen auch nicht besser als früher Schreinemakers. Man spürt einen kleinen Stich in der Magengegend, nimmt noch einen Schluck Bier und macht am nächsten Tag weiter wie vorher.


Was wäre denn die Alternative? Zur Revolution aufrufen? Und wäre das wirkungsvoller?
Was so ein Film m. E. leisten kann, ist das Bewusstsein für eine Thematik zu schärfen und damit gleichzeitig die Entscheidungsträger durchaus unter Druck zu setzen. Die Empörung der potenziellen Kunden ist nämlich in so einem System letztlich auch nur ein Wirtschaftsfaktor, und der kann durchaus wichtig werden. Lässt sich doch prima am Beispiel McDonald's beobachten: Nicht, dass der Laden heute nun unbedingt paradiesische Zustände bereit hält, aber wer diese mit denen vor 20 Jahren vergleicht (auffällig z. B. am Thema Verpackung, s. auch "ganz unten"), der wird nicht von der Hand weisen können, dass öffentlicher Druck und ein zunehmend schlechter werdendes Image einiges bewirken kann. Und deswegen finde ich, dass so ein Film durchaus eine wichtige Rolle haben kann (natürlich: nur ein Baustein von vielen).

DVDbrenntnicht hat geschrieben:mir gefällt es gar nicht, wenn der Tatort zum Stichwortgeber für Frau Will degradiert wird.


Das dürfte ja wohl eher andersrum laufen, ich glaube kaum, dass die Redaktion von Anne Will vor anderthalb Jahren gesagt hat: Wir wollen nächstes Jahr mal eine Sendung zum Thema "böse Discounter" machen, dreht doch mal einen Tatort dazu. Und obwohl ich die Will-Sendung nicht gesehen habe, finde ich es eher gut, wenn das Thema weiter besprochen wird - im oben beschriebenen Sinne nämlich macht es den Film wirkungsvoller, außerdem kann es seine Glaubwürdigkeit unterstützen.

Ansonsten: Besonders gut gefallen hat mir, dass sowohl die Rolle der Konsumenten deutlich thematisiert wurde - denn sonst wäre es eher billige Schwarzweißmalerei gewesen. Im gleichen Sinne gut fand ich, zu betonen, dass diese "GL" letztlich auch nur Opfer des Systems sind, wie die Mutter des Selbstmörders treffend wie resignierend ausführte.

Etwas überzogen und nervig fand ich die Becker-Nebenhandlung, wobei mich der hier im Forum geäußerte Aspekt, dies könnte möglicherweise sogar eine gewollte Gegenüberstellung der Arbeitsbedingungen sein, doch sehr eingenommen hat. Wenn das Absicht war, war es mutig. (Und das Argument, so etwas dürfe es nicht geben und würde disziplinarrechtlich geahndet, ist ja nun eine Binse: klar, aber als würden nicht auf allen möglichen Ebenen des Arbeitslebens "eigentlich" nicht geduldete Dinge laufen und von allen mitgetragen). Insgesamt bin ich in diesem Punkt nicht sicher: Wenn's Absicht war, war es brillant (allerdings hätte man es dann doch etwas deutlicher unterstreichen sollen), ansonsten eher etwas albern. Aber nun, ja zumindest ziehe ich es dann nicht zum Punktabzug heran und vergebe 8 Punkte.

Mindestens einer jedenfalls, nämlich:
Knipperdolling


Etwas, was sich auf einen entfernten Beitrag bezog rauseditiert. -CKwon
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Steve Warson
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Re: 720: Kassensturz (Der Zweite)

Beitragvon Steve Warson » Di 3. Feb 2009, 11:00

saarländer hat geschrieben:das ist doch reine Spekulation!!!!!


Ein Ausrufezeichen genügt! ;)

Klar ist es Spekulation - ich schrieb aber "es ist nicht von der Hand zu weisen" also: Ich halte es durchaus für möglich. Sinnleer finde ich es auch nicht - eher finde ich diesen Nebenstrang sinnleer, wenn er gerade NICHT so gemeint war. Aber wenn der Drehbuchschreiber es nicht so gewollt hat, soll's mir auch recht sein, der Kontrast kommt dennoch zum Ausdruck. Die Konsequenz? Sicher nicht der Aufruf, sich bei der Polizei zu bewerben :? ,sondern eher, die Gegensätze deutlich zu machen. Die einen werden gepreßt, bedroht, gedemütigt, die anderen können während ihrer Arbeitszeit ihren Freizeitvergnügungen nachgehen. Das gilt aber sicher nicht nur für die Polizei.
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Re: 720: Kassensturz (Der Zweite)

Beitragvon (Tat)ortimOsten » Di 3. Feb 2009, 11:14

Mensch, Frau Folkerts hat Farbe bekommen. Nicht nur was ihren Mantel angeht, sondern auch ihre Figur blüht langsam auf und sie kann auch ganz ohne Tränen vergießen glänzen. Ein gutes Omen war das fürs 20. Jahr.

Zum Film selbst wurde alles gesagt, sehr gut recherchiert, realistisch dargestellt, top besetzt und eine Frau Keller, die halt so ist wie sie ist. (Lockerte für mein Geschmack aber den TO auf)
Allerdings war für mich der Mittäter nach der Hälfte des Filmes klar, was bei mir zu Spannungsflauten führte.

Schließlich vergebe ich für einen guten Tatort: 7,5 Punkte. Wenn Frau Odenthal mit dieser Höhenluft weitermacht, dann sind die nächsten 20 Jahre gesichert. :D

Ach übrigens die nächsten Themen der Sendung "Anne Will":
08.02.: Thema: "Ehrenmord - Kampf der Kulturen"
15.02.: Thema: "Beruf Hauptkommissar - Keine Freizeit ohne Mord und Todschlag
22.02.: Thema: "Horroreinrichtung Internat - Warum tun Eltern ihren Kindern das an?

Na dann, wünschen wir viele hohe Einschaltquoten. Und
Bis bald!
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Re: 720: Kassensturz (Der Zweite)

Beitragvon Gnädinger » Di 3. Feb 2009, 12:43

saarländer hat geschrieben:das ist doch reine Spekulation!!!!!


Ob Spekualtion oder nicht, die Nebenhandlung hätte der interessierte Zuschauer so deuten können, auch wenn es vom Drehbuch her dann dennoch nur als lustige Nebenhandlung gedacht war.

Ev. ergeben ja manchmal unbeabsichtigt die verschiedenen Nebenhandlungen einem Film zusätzliche Dimensionen, die der Drehbuchautor/die Drehbuchautorin beim Schreiben gar nicht so beabsichtigt hatte.

Gruss Gnädinger
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saarländer
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Re: 720: Kassensturz (Der Zweite)

Beitragvon saarländer » Di 3. Feb 2009, 13:22

Oooch Leute, wie gesagt, der Drehbuchautor und der Regisseur haben sich so eben nicht geäußert. Das ist Fakt, keine Spekulation.

Wäre es so angedacht gewesen, hätte es die Filmsprache auch besser aufgelöst, es thematisiert und angesprochen. Hat er aber nicht. Das Hauptthema waren ein anderes.

Und wurden die besseren Arbeitsbedingungen bei der Polizei wirklich gezeigt? Welche sollen das denn sein? Dass man nebenbei an einem Radioquiz teilnehmen kann? Sehr aussagekräftig.

Oder waren die von Peter Becker gemeint? Wie lässt sich dies noch mit dem Kommentar von Odenthal vereinbaren, als sie ihm am Müllcontainer begegnet - spricht dies für die ach so tollen, hier von Euch immer noch abstrakt gehaltenen Arbeitsbedingungen bei der Polizei ?

Ja, dann viel Spaß bei der weiteren Interpretation und Überbewertung dieses Nebenstranges. Klar ist vieles denkbar. Man muss es sich nur entsprechend zurechtlegen. Wie so oft in solchen Diskussionen führt diese leidenschaftliche Fokussierung nur vom Hauptthema weg und schon hat man ein Grund, sich nicht mit dem Wesentlichen zu beschäftigen und darüber nachzudenken, weil man sich so schön in Nebensächlichkeiten verheddern kann.
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Re: 720: Kassensturz (Der Zweite)

Beitragvon Schwammerl » Di 3. Feb 2009, 13:49

(Tat)ortimOsten hat geschrieben:Mensch, Frau Folkerts hat Farbe bekommen. Nicht nur was ihren Mantel angeht, sondern auch ihre Figur blüht langsam auf und sie kann auch ganz ohne Tränen vergießen glänzen. Ein gutes Omen war das fürs 20. Jahr.

7,5[/color] Punkte. Wenn Frau Odenthal mit dieser Höhenluft weitermacht, dann sind die nächsten 20 Jahre gesichert. :D



Wusste ichs doch, dass unser junger Held ein wahrer Frauenkenner ist ...

Mensch, Junge - bin ich froh, dass es damals, als ich so jung war wie du und so viel überschießende Energie wie du und eine gefühlte Über- und Weitsicht besessen habe wie du, noch kein Internet gab.

Sonst hätte ich vielleicht auch über Menschen, Tiere, Sensationen ... ähnlich geurteilt wie du - und damit von mir Dinge preisgegeben, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie preisgebe.

Und ich würde mich heutzutage vor lauter Schamesröte nicht aus dem Haus trauen, weil ich weiß, was ich möglicherweise verbraten hätte - und dass das (auf guten Seiten - und ich schätze "Fundus" und "Forum" als sehr stabil ein) noch Jahrzehnte stehen bleiben wird und jederzeit für alle nachvollziehbar sein wird ...

Ja, jetzt kannst gleich schimpfen wie ein junger Rohrspatz - aber eins sag ich dir:
Ich weiß, was ich hier schreibe, ich weiß, wie ich hier aufgrund dieses Postings eingeschätzt werden kann - und ich weiß auch, was "junge Hupfer wie du", deren revolutionäre Zellen in diesem Augenblick heftig aufbegehren, am liebsten antworten würden.

Aber eins kann ich dir sagen:
Verkneifs dir einfach.

Weißt ja: Selbstwahrnehmung ist nicht gleich Fremdwahrnehmung ...

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