1055: Ich töte niemand

Alles rund um die einzelnen Tatort-Folgen
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Wachtmeister
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Re: 1055: Ich töte niemand

Beitragvon Wachtmeister » Di 17. Apr 2018, 21:09

Roter Affe hat geschrieben:
Wachtmeister hat geschrieben: Zu Anfang werden die Ermittler aus ihrem Privatleben gerissen, weil Leichen gefunden wurden. Das wirkt bei weitem realistischer als die Nähe zum Verbrechen.

War das denn so? Die Feier war ja abends es floss reichlich Alkohol, manch einer war anderweitig beschäftigt, dann bei dem Haus und auf der Fahrt bei der Voß sein Leid des Berufes klagt war es doch morgen.

Wenn die alle von der Feier aus aufgebrochen wären hätten doch auch alle einigermaßen gleichzeitig am Tatort eintreffen müssen, aber dem war nicht so.

Das war etwas holperig finde ich.

Der Polizeipräsident erhielt einen Anruf, weshalb er mehrmals um Ruhe bat. Die Feier war damit zu Ende.
Zuvor war die Feier schon deutlich fortgeschritten, also mitten in der Nacht oder am frühen Morgen. Daß einige nicht direkt zum Tatort fuhren, sondern vielleicht noch kurz nach Hause, tut nichts zur Sache.
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Deichgraf
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Re: 1055: Ich töte niemand

Beitragvon Deichgraf » Mi 18. Apr 2018, 09:20

Vielen Dank für die Erklärung Knipperdolling :)

Ich würde aber evtl. noch 2 Punkte ergänzen, der Kleiderschrank hat die nicht aus Panik, sondern aus Blindem Hass und Wut erschlagen, sonst hätte er ja nicht so oft unnötig weiter mit der Stange verdroschen. (waren ja glaub ich laut Gerichtsmediziner schon nach dem ersten Schlag tot )
Bei Panik hätte er ja auch einfach abhauen können.
Des weiteren, natürlich für den normalen Moslem ist ein Ehrenmord sicher nicht ok, wohl aber für Salafisten mit Ihrer Scharia ein muss, oder ?!
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Re: 1055: Ich töte niemand

Beitragvon Knipperdolling » Mi 18. Apr 2018, 12:06

Deichgraf hat geschrieben:Ich würde aber evtl. noch 2 Punkte ergänzen, der Kleiderschrank hat die nicht aus Panik, sondern aus Blindem Hass und Wut erschlagen, sonst hätte er ja nicht so oft unnötig weiter mit der Stange verdroschen. (waren ja glaub ich laut Gerichtsmediziner schon nach dem ersten Schlag tot )
Bei Panik hätte er ja auch einfach abhauen können.
Des weiteren, natürlich für den normalen Moslem ist ein Ehrenmord sicher nicht ok, wohl aber für Salafisten mit Ihrer Scharia ein muss, oder ?!


a) War ein Zitat, mit der Panik, wenn ich mich recht erinnere, haben also die Ermittler so gesagt. Zumindest wollte er ja nicht die Pflegeeltern umbringen, womöglich wollte er sogar überhaupt niemanden umbringen, sondern dem Musterstudenten eine ordentliche Abreibung verpassen (so zumindest klang das in dieser Szene, als die vom Haus des Polizisten abgerückt sind und die Kinder mitgefahren sind). OK, wenn man dabei mit so einer Stahlstange anrückt, nimmt man den Tod des Opfers natürlich mindestens in Kauf. Auf jeden Fall aber waren die Eltern nicht seine Zielpersonen, was die Panik-Theorie zumindest etwas unterstützt. Dass sein blinder Hass dann noch zu dieser Übertötung geführt hat, mag sein.
b) Ich wahrlich kein Islam-Experte, aber mit Scharia hatte das, glaube ich, nix zu tun. Das war doch eher eine klassische Blutrache, also Selbstjustiz, bzw. lt. Wikipedia eine "archaische Gewohnheitsrecht-Ordnung", verbreitet "auf der ganzen Welt". Oder hatte dieser Schneider sich auf irgendwas Religiöses bezogen? Habe ich dann jedenfalls nicht mitbekommen.
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Purzelito
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Re: 1055: Ich töte niemand

Beitragvon Purzelito » Mi 18. Apr 2018, 16:57

Knipperdolling hat geschrieben:b) Ich wahrlich kein Islam-Experte, aber mit Scharia hatte das, glaube ich, nix zu tun. Das war doch eher eine klassische Blutrache, also Selbstjustiz, bzw. lt. Wikipedia eine "archaische Gewohnheitsrecht-Ordnung", verbreitet "auf der ganzen Welt". Oder hatte dieser Schneider sich auf irgendwas Religiöses bezogen? Habe ich dann jedenfalls nicht mitbekommen.

Sie waren gute Menschen. Sie waren deine Eltern.

Ich töte niemand.

Ich bin an deiner Seite.

Achtet auf euch.

Mehr wurde über die Sache nicht gesprochen zwischen dem Schneider und Ahmad. Mehr war nicht nötig. Vielmehr war Ahmad gleich nach den ersten zwei Sätzen des Schneiders klar, was man von ihm erwartete. Sein Einwand war nicht relevant für die Konvention, für das islamische Recht. Zur Ausführung kam jemand mit einer im Plüschtier geschmuggelten Waffe nebst Munition ins Haus. Die letzten beiden Sätze des Schneiders waren Marschbefehl und Segen auf dem Weg zur Tat.

Genau diese ehernen, unausgesprochenen, unumstösslichen Gesetze und Normen sind es, von denen der Schneider sagte, dass sie die Deutschen nie verstehen würden. Aus gutem Grund, denn es fehlt an der Kenntnis des Koran und des islamischen Rechts.

Natürlich sind diese Verhaltenskodizes Teil des Koran. Im Tatort wurde wohl der Qisās behandelt. Qisās bezeichnet im islamischen Recht (Scharia) das Prinzip der Wiedervergeltung. Sie kann bei Tötung eines Menschen angewendet werden. Der nächste Angehörige des Opfers, dem die Entscheidung über die Verfahrensweise mit dem Täter obliegt, kann einer - und nur einer - der folgenden drei Handlungsoptionen nachgehen: erstens die Tötung des Täters verlangen, zweitens eine Entschädigungszahlung also "Blutgeld" einfordern und drittens dem Täter vergeben. Die Ausführung dessen unterliegt in islamischen Ländern einer dazu ermächtigten Behörde.

Ein Muslim, dem in einem Land, das nicht nach islamischem Gesetz regiert wird, Unrecht geschieht, darf keine Selbstjustiz ausüben.

Die Wiedervergeltung hat nichts zu tun mit dem Ehrenmord im Islam (Familienangehöriger tötet eigene Angehörige) oder mit der Satisfaktion (Ehrenstreitigkeit waffentragender Stände).

Sintostyle, bitte verbessern, falls ich Unsinn schreibe.
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Re: 1055: Ich töte niemand

Beitragvon sintostyle » Do 19. Apr 2018, 03:50

Purzelito hat geschrieben:
Knipperdolling hat geschrieben:b) Ich wahrlich kein Islam-Experte, aber mit Scharia hatte das, glaube ich, nix zu tun. Das war doch eher eine klassische Blutrache, also Selbstjustiz, bzw. lt. Wikipedia eine "archaische Gewohnheitsrecht-Ordnung", verbreitet "auf der ganzen Welt". Oder hatte dieser Schneider sich auf irgendwas Religiöses bezogen? Habe ich dann jedenfalls nicht mitbekommen.

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Mehr wurde über die Sache nicht gesprochen zwischen dem Schneider und Ahmad. Mehr war nicht nötig. Vielmehr war Ahmad gleich nach den ersten zwei Sätzen des Schneiders klar, was man von ihm erwartete. Sein Einwand war nicht relevant für die Konvention, für das islamische Recht. Zur Ausführung kam jemand mit einer im Plüschtier geschmuggelten Waffe nebst Munition ins Haus. Die letzten beiden Sätze des Schneiders waren Marschbefehl und Segen auf dem Weg zur Tat.

Genau diese ehernen, unausgesprochenen, unumstösslichen Gesetze und Normen sind es, von denen der Schneider sagte, dass sie die Deutschen nie verstehen würden. Aus gutem Grund, denn es fehlt an der Kenntnis des Koran und des islamischen Rechts.

Natürlich sind diese Verhaltenskodizes Teil des Koran. Im Tatort wurde wohl der Qisās behandelt. Qisās bezeichnet im islamischen Recht (Scharia) das Prinzip der Wiedervergeltung. Sie kann bei Tötung eines Menschen angewendet werden. Der nächste Angehörige des Opfers, dem die Entscheidung über die Verfahrensweise mit dem Täter obliegt, kann einer - und nur einer - der folgenden drei Handlungsoptionen nachgehen: erstens die Tötung des Täters verlangen, zweitens eine Entschädigungszahlung also "Blutgeld" einfordern und drittens dem Täter vergeben. Die Ausführung dessen unterliegt in islamischen Ländern einer dazu ermächtigten Behörde.

Ein Muslim, dem in einem Land, das nicht nach islamischem Gesetz regiert wird, Unrecht geschieht, darf keine Selbstjustiz ausüben.

Die Wiedervergeltung hat nichts zu tun mit dem Ehrenmord im Islam (Familienangehöriger tötet eigene Angehörige) oder mit der Satisfaktion (Ehrenstreitigkeit waffentragender Stände).

Sintostyle, bitte verbessern, falls ich Unsinn schreibe.
Man muss zwischen dem Koran und den Ahadith differenzieren, die das Töten von Menschen definitiv nicht vorsehen (ausser in Notwehr) und dem von Menschenhand gemachten "Gesetz". Die sogenannte Scharia ist mehr als nur ein Rechtssystem sondern bezeichnet den Weg die Religion zu leben. Das 5malige Gebet, das Fasten etc.. sind ebenso Teil der Scharia wie andere Dinge.
Theoretisch und theologisch gibt es im Islam keine Rechtsbehörde die bindend für alle Gläubigen etwas bestimmt. Denn es gibt keine Institutionen wie Kirchen, Bischöfe o.ä., da es zwischen jedem Gläubigen und dem Allmächtigen keinen Mittler gibt, womit jeder Mensch selber für seine Taten verantwortlich ist.
Das ist explizit das Problem:
Dass die Religion für Dinge instrumentalisiert wird, wofür sie nichts kann und es keine Grundlage gibt.
Leider ist das Bild durch einige Länder und Idioten so geprägt. Wenn Saudi-Arabien islamisch wäre, wäre es nicht so wie es ist. Denn es gibt viele Dinge, die dort als "Scharia" gelten nicht in der Religion.

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Re: 1055: Ich töte niemand

Beitragvon Purzelito » Do 19. Apr 2018, 06:17

Danke für deine Ausführungen, Sintostyle.
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Re: 1055: Ich töte niemand

Beitragvon Deichgraf » Do 19. Apr 2018, 07:06

sintostyle hat geschrieben:Theoretisch und theologisch gibt es im Islam keine Rechtsbehörde die bindend für alle Gläubigen etwas bestimmt. Denn es gibt keine Institutionen wie Kirchen, Bischöfe o.ä., da es zwischen jedem Gläubigen und dem Allmächtigen keinen Mittler gibt, womit jeder Mensch selber für seine Taten verantwortlich ist.


Hmm wenn Du jetzt gesagt hättest Ihr habt keinen Papst, der stellvertretend auf der Erde z.B. für alle Katholiken verantwortlich ist, so hätte ich Dir Recht gegeben, denn sowas habt Ihr leider nicht, was ja auch unmöglich wäre, da Ihr ja auch verschiedene Ausrichtung des Islams habt, Schiiten, Salafisten usw. die hauen sich ja auch noch teilweise gegenseitig die Köppe ein.

Was Ihr aber sehr wohl habt, sind Moscheen und Imane, und da spanne ich den Bogen wieder zum Tatort, der Libysche Schneider hat sich aufgeführt wie ein Iman, solche Irren gibt es leider viel zu viel, die den Leuten Blödsinn in den Moscheen eintrichtern, da wäre eine oberste Kontrollbehörde, wie z.B der Papst sehr wichtig.
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Re: 1055: Ich töte niemand

Beitragvon Purzelito » Do 19. Apr 2018, 12:58

Deichgraf hat geschrieben:...da wäre eine oberste Kontrollbehörde, wie z.B der Papst sehr wichtig.

Warum, Deichgraf? Ich halte von diesem widersprüchlichen Bodenpersonal nicht viel. Die Evangelischen kommen auch ohne Chefideologen aus und sind keine grösseren Übeltäter als andere. Wenn sich jeder an die 10 Gebote halten würde, wäre alles in bester Ordnung. Und wer es mit dem Himmlischen nicht so hat, für den ist immer noch Kant eine gute Adresse. Es wird leider immer Ideologen auf dieser Welt geben, die meinen, die reine Lehre unter die Menschen bringen zu müssen. Im übrigen ist die röm.-kath. Kirche nur ein Teil des Christentums. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich auch hier Gruppierungen abgespalten, Hardliner genauso wie Gemässigte. So wenig wie es "den Islam" gibt, gibt es "das eine Christentum".
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Re: 1055: Ich töte niemand

Beitragvon KarinElisabeth » Do 19. Apr 2018, 14:27

Lieber Purzelito, was war an der Handlung abstrus?

Ich verwendete das Verb abstrus, um meinem Gefühl Ausdruck zu verleihen, dass ich die Geschichte als „verworren“ und „diffus“ empfand. Teilweise als so abwegig und wirr, dass ich sie nicht oder nur schwer nachvollziehen konnte, geschweige denn verstanden habe. Mein persönlicher Eindruck, und wie gesagt, nach ca. 45 Minuten und kurzer Abwesenheit habe ich auch nicht mehr richtig aufgepasst......
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Re: 1055: Ich töte niemand

Beitragvon Purzelito » Do 19. Apr 2018, 16:27

KarinElisabeth hat geschrieben:Lieber Purzelito, was war an der Handlung abstrus?
... und wie gesagt, nach ca. 45 Minuten und kurzer Abwesenheit habe ich auch nicht mehr richtig aufgepasst......

Hallo KarinElisabeth, daran wirds gelegen haben. Zu Beginn gab es wirklich sehr viele Einzelsequenzen. Dir fehlen die entscheidenden 45 Minuten, in denen die Handlung aufgedröselt wurde.

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