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Re: 1055: Ich töte niemand

Verfasst: So 15. Apr 2018, 20:50
von Carlo Menzinger
MrAwesome hat geschrieben:
Carlo Menzinger hat geschrieben:Wie bitte??!! Ich wäre dankbar, wenn jemand diesen rechten Forumsteilnehmer löschen könnte. Danke.


Leider wäre das genau das Falsche, denn genau dann macht man diese Leute zum Märtyrer und gibt deren wirren Phrasen zum Teil auch noch recht. Richtig wäre Ignoranz oder besser noch, Gegenargumentation.

Nein, sehe ich nicht so. Ignoranz bedeutet, man lässt so etwas einfach unwidersprochen stehen. Gegenargumentation bedeutet, man lässt sich da auf eine Diskussion ein, die aber eh nichts bringt, eher diese "wirren Phrasen" noch überbewertet oder ernst nimmt. Bei so etwas braucht man keine "Gegenargumente", die ergeben sich automatisch beim Lesen. Aber danke, dass hier so schnell darauf reagiert wurde!

Re: 1055: Ich töte niemand

Verfasst: So 15. Apr 2018, 21:01
von KiGaZw
Tag zusammen!

Ganz schlimm. Jeder Schminktipp-Youtubekanal hat bessere Kamera, bessere Regie, weniger Over-Acting, weniger Laien-Schauspiel, bessere Musik, Schnitt und ein besseres Drehbuch!

Da freut man sich ja direkt auf Till Schwaiger.

0/10

Re: 1055: Ich töte niemand

Verfasst: So 15. Apr 2018, 21:28
von Purzelito
Ungewöhnlicher, bis zum Schluss aber spannender Tatort. Der Zusammenschnitt der Szenen erforderte gesammelte Aufmerksamkeit. Die Thematik ist nicht neu. Recht(e)schaffene Vereinsmeier wollen Ordnung schaffen, projizieren das auf "die Ausländer" und überdrehen dabei. "Die Ausländer" wehren sich, indem sie ihr eigenes Ehrenrecht anwenden. Diese Unvereinbarkeit der Sicht auf die Dinge macht Angst.

Der Einbau einer persönlichen Betroffenheit der Kommissare mit dem Ziel, ihnen ungewöhnliche Emotionen im Fall zuzuweisen, nervt mittlerweile gewaltig. Neben dem Totalausraster von Ringelhahn am Ende hat mich dieses Mal besonders Voss mit seinen komischen Verhörmethoden abgestossen. Unrealistisch.

Ganz grossartig in ihrer Rolle Ursula Strauss! Der Wandel von einer trauernden Ehefrau zum rechten Eisblock - genial!

Re: 1055: Ich töte niemand

Verfasst: So 15. Apr 2018, 21:48
von Roter Affe
Ich tue mich noch schwer damit diese Folge einzuordnen, aber Purzelitos Beschreibung kommt meinem Empfinden sehr nah.

Ich fand es eine sehr gute Folge die mir auch Sorge bereitet ob es denn sowas im realen Leben auch gibt.

Ich denk ich werde sie nochmal ansehen müssen.

Re: 1055: Ich töte niemand

Verfasst: Mo 16. Apr 2018, 06:21
von witchy_woman
Ich fand ihn schnarchend langweilig, so leid es mir um die Schauspieler tut. An sich war die Geschichte gut und auch gruselig, so nach und nach wurde die Wahrheit hervorgeholt und es offenbarten sich schlimme Dinge, die man vorher nicht vermutet hätte. Es fiel mir trotzdem schwer, die Augen offen zu halten (ok, wir hatten die späte Sendezeit auf ONE gewählt)...woran lag es?
Sicherlich an der Düsternis, es war fast immer dunkel, selbst bei Tag. Die Dialoge waren zäh wie Kaugummi, kaum jemand gab vernünftige Antworten, Schweigen allerorten. Die Ausraster der Kommissare und des Chefs. Die seltsame Kameraperspektive, stets schräg von unten-wieso?
Einziger Lichtblick war die Kollegin Goldwasser.

Re: 1055: Ich töte niemand

Verfasst: Mo 16. Apr 2018, 08:52
von MrAwesome
Ich persönlich fand den Tatort gar nicht so schlecht, er vermittelte etwas Düsteres mit einem kleinen Touch von Art Noire, so war zumindest mein Empfinden. Zwar nicht durchgehend mit einem Spannungsbogen versehen, aber trotzdem sehbar und doch immer noch so interessant oder spannend, das man weitersehen wollte.

Re: 1055: Ich töte niemand

Verfasst: Mo 16. Apr 2018, 12:09
von Wachtmeister
Kernthema des Films ist die Eskalation von Gewalt und Verbrechen, die durch Ideologien befeuert werden. Das ist zunächst einmal nicht schlecht.

Die Hauptschwäche des Films liegt darin, daß es zu offensichtlich ist, daß diese Eskalation modellhaft durchgespielt werden soll. Das liegt an Buch und Regie. Die Biographie des Studenten Ahmad ist zu schön, um wahr zu sein. Im Nachhinein ist klar, daß ein möglichst großer Gegensatz aufgebaut werden sollte. Aber das macht die Sache unglaubwürdig und läuft der Absicht zuwider, etwas am Modell zu erklären. Das kommt bei denen, die nur Vorurteilsbestätigungsfilme ertragen, an wie das Stöckchen, über das man zu springen müssen meint.

Es wurde versucht, die Eskalation bis ins Ermittlerteam zu treiben. Es ist ja verständlich, daß die Personen der Ermittler nicht als die großen Vorbilder vom Typ Lieblingstante oder Wunschschwiegersohn gestrickt werden – auch wenn es manchen im Publikum gefallen würde. Es wäre nicht nur langweilig für Schauspieler, Autoren und Regisseure, es wäre der pädagogische Holzhammer. Die Verwicklung von Ringelhahn wirkt gleich auf den ersten Blick überzogen. Auf den zweiten Blick ist klar warum. Damit es einen Grund gibt, daß Ringelhahn am Ende ausrastet, mußte die frühere Beziehung zum Kollegen eingebaut werden. Dafür hätte es genügt, daß sie illegal in die Wohnung Leitners eindringt. Eine Sauberfrau war da schon nicht mehr. Die Entlarvung von Frau Leitner in einer Art Showdown hätte man auch anders durchspielen können. Die Person Frank Leitners, der unter falschen Verdacht geriet, in einem Wertekonflikt zwischen Familie und Verbrechensbekämpfung steckte, wäre deutlicher herausgekommen.
Es hat der Idee des Films geschadet, daß an einigen Stellen übertrieben wurde.

Die Schauspielerischen Leistungen sind durchwachsen. Das liegt wiederum am Buch. Es führt zum Beispiel bei Merki dazu, daß seine Darstellung des Polizeipräsidenten als Overacting erscheint.
Hinrichs muß sich als Felix Voß in Verhören verhalten, wie man ihn nicht kennt. Das Stammpersonal sollte nicht nur am Namen und Aussehen erkennbar sein, sondern auch am Verhalten. Weiterentwicklungen sind deshalb nicht ausgeschlossen, sollten aber motiviert sein.

Insgesamt sind die schauspielerischen Leistungen m. E. aber nicht so schlecht, wie manche meinen. Das gilt auch für die Nebenrollen. Surholt etwa weckt als redselige Friseuse den falschen Verdacht, sie wolle die Leitner aus bloßer Mißgunst in Schwierigkeiten bringen. Strauss zeigt am Ende die Arroganz der Leitner; dadurch erweist sich ihre Darstellung als trauernder Witwe im Nachhinein als Spiel im Spiel.

Auch das Buch hat einige Stärken. Zu Anfang werden die Ermittler aus ihrem Privatleben gerissen, weil Leichen gefunden wurden. Das wirkt bei weitem realistischer als die Nähe zum Verbrechen.
Auch für die Zuschauer mußte der Mörder ermittelt werden. Er stand nicht gleich am Anfang wie bestellt und nicht abgeholt in der Szenerie herum.
Der eigentliche Plot, das rohe Handlungsgefüge, hat das Niveau, das ich von einem Anderthalbstünder nach 20.00 Uhr erwarte. Es geht nicht nur um die Frage „wer war’s?“, sondern auch darum: „Was war da eigentlicht los?“ Die Aufdröselung der Hintergründe und Zusammenhänge war für mich durchaus fesselnd.

In gutem Sinne eigentümlich ist die Stimmung des Films, was an der Musik, am Schnitt und einigen unüblichen Kameraeinstellungen liegt.

Kurzum: Der Film ist nicht mißraten, hat eine interessante Grundidee, ist aber nicht ausgereift.

Re: 1055: Ich töte niemand

Verfasst: Mo 16. Apr 2018, 12:13
von Joerg57
Carlo Menzinger hat geschrieben:[...] Ignoranz bedeutet, man lässt so etwas einfach unwidersprochen stehen. Gegenargumentation bedeutet, man lässt sich da auf eine Diskussion ein, die aber eh nichts bringt, eher diese "wirren Phrasen" noch überbewertet oder ernst nimmt.[...]

Mir fällt dazu immer dieser [englische] Satz ein:
"Don't wrestle with pigs. You both get dirty and the pigs like it."

Re: 1055: Ich töte niemand

Verfasst: Mo 16. Apr 2018, 12:21
von Roter Affe
Wachtmeister hat geschrieben: Zu Anfang werden die Ermittler aus ihrem Privatleben gerissen, weil Leichen gefunden wurden. Das wirkt bei weitem realistischer als die Nähe zum Verbrechen.

War das denn so? Die Feier war ja abends es floss reichlich Alkohol, manch einer war anderweitig beschäftigt, dann bei dem Haus und auf der Fahrt bei der Voß sein Leid des Berufes klagt war es doch morgen.

Wenn die alle von der Feier aus aufgebrochen wären hätten doch auch alle einigermaßen gleichzeitig am Tatort eintreffen müssen, aber dem war nicht so.

Das war etwas holperig finde ich.

Re: 1055: Ich töte niemand

Verfasst: Mo 16. Apr 2018, 13:00
von sintostyle
witchy_woman hat geschrieben:Ich fand ihn schnarchend langweilig, so leid es mir um die Schauspieler tut. An sich war die Geschichte gut und auch gruselig, so nach und nach wurde die Wahrheit hervorgeholt und es offenbarten sich schlimme Dinge, die man vorher nicht vermutet hätte. Es fiel mir trotzdem schwer, die Augen offen zu halten (ok, wir hatten die späte Sendezeit auf ONE gewählt)...woran lag es?
Sicherlich an der Düsternis, es war fast immer dunkel, selbst bei Tag. Die Dialoge waren zäh wie Kaugummi, kaum jemand gab vernünftige Antworten, Schweigen allerorten. Die Ausraster der Kommissare und des Chefs. Die seltsame Kameraperspektive, stets schräg von unten-wieso?
Einziger Lichtblick war die Kollegin Goldwasser.
Ich kann mich dir nur anschließen. Ging mir ähnlich.

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