1055: Ich töte niemand

Alles rund um die einzelnen Tatort-Folgen
KarinElisabeth
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Re: 1055: Ich töte niemand

Beitragvon KarinElisabeth » Mo 16. Apr 2018, 17:38

Nach meinem Staunen wie über den ersten hier im Forum getexteten Beitrag und die benutzte Fäkalsprache habe ich doch glatt mein eigenes Meinungsbild zum Tatort vergessen, zu posten.....

Also: Hochachtung denen, die bis zum Ende durchgehalten haben.

Vorher hätte der Hinweis genutzt:
Kein Gang zur Toilette oder Kühlschrank, sonst bist Du verloren im Handlungsachterbahnwirrwarr. Noch verlorener mehr wie die Sehenden, die wo durchhielten und nicht vorher eingeschlafen waren.

Erinnerte mich irgendwie an etwas älteren Tapetenkleister. Nach fünfundvierzig Minuten habe ich aufgehört, über die Zusammenhänge nachzudenken, zu abstrus das Ganze. Tapetenkleister kann man wenigstens mit Wasser aus der Zähflüssigkeit befreien, hier hätte mir nur viel Alkohol geholfen, der zu Beginn mit Schnittchen des Tatort serviert wurde.

Ein bis zwei Punkte, aber runde nach unten ab. Der Punkt für Patti Smith und Ihr kultiges "Because the night belongs to lovers"!
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Purzelito
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Re: 1055: Ich töte niemand

Beitragvon Purzelito » Mo 16. Apr 2018, 20:05

KarinElisabeth, was ist abstrus an der Geschichte? Drei Jugendliche aus rechts gerichtetem Elternhaus prügeln einen Pizzaboten rollstuhlreif, ein junger libyscher Student beobachtet die Tat und sagt vor Gericht als Zeuge aus. Daraufhin will sich der rechte Mob den Zeugen vorknöpfen, findet aber nur die vermeintlichen Eltern vor, an denen sich dann die aufgestaute Wut entlädt.

Frank Leitner, der Kollege aus dem Betrugsdezernat, musste sterben, weil er den jungen libyschen Zeugen vor seiner eigenen rechten Familie schützen wollte.

Das wars dann auch schon.
Knipperdolling
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Re: 1055: Ich töte niemand

Beitragvon Knipperdolling » Mo 16. Apr 2018, 22:06

Purzelito hat geschrieben:Daraufhin will sich der rechte Mob den Zeugen vorknöpfen, findet aber nur die vermeintlichen Eltern vor, an denen sich dann die aufgestaute Wut entlädt..


Wobei zumindest gesagt wurde, dass es nicht aufgestaute Wut war, sondern Panik. Die wollten dem eine Abreibung verpassen, zum Haus ist dann nur der Oberschläger gegangen, und als der unerwartet auf die Zieh-Eltern traf, ist er durchgedreht. So hatte ich es zumindest verstanden, ohne jetzt allzu kleinkariert werden zu wollen.

Ich fand's auch gar nicht so verworren und die Motivlagen eigentlich ganz schön herausgearbeitet. Und leider auch durchaus glaubwürdig.

Bei mir werden's wohl sieben bis acht Pünktlein werden.
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Roter Affe
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Re: 1055: Ich töte niemand

Beitragvon Roter Affe » Mo 16. Apr 2018, 22:26

Knipperdolling hat geschrieben:Ich fand's auch gar nicht so verworren und die Motivlagen eigentlich ganz schön herausgearbeitet. Und leider auch durchaus glaubwürdig.
Bei mir werden's wohl sieben bis acht Pünktlein werden.

DIe 8 habe ich auch vergeben, und erschreckend gut und real fand ich wie eben aus dem "guten" Studenten dann ein Mörder "gemacht" wurde, denn Anfangs sagte er ja den Titel der Folge "Ich töte niemand"!
Grüßla aus dem Tatortreifen Franken!

Roter Affe
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Deichgraf
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Re: 1055: Ich töte niemand

Beitragvon Deichgraf » Di 17. Apr 2018, 07:52

Purzelito hat geschrieben:Das wars dann auch schon.


Nicht ganz, was war das mit dem Lybischen Schneider, der den Studenten im Keller versteckt hielt, vermutlich damit er vor dem rechten Mob in Sicherheit ist, soweit ok.... aber warum schickt er den Studenten und den anderen dann los auf Rache Tour, steht das so im Koran, das man das tun muss ?
Oder wollte der Student selber Rache( hatte aber schon den eindruck, das er Indoktriniert wurde ), passt ja irgendwie überhaupt nicht zu dem was am Anfang über Ihn gesagt wurde, Muster Student, sehr beliebt und voll Integriert etc.
Und was war mit den Kindern von Leitner, waren die mit dabei bei dem Pizzaboten Überfall, oder mit dabei als der Kleiderschrank die vermeintlichen Eltern des Studenten killte ? Warum sonst sollten die ne Aussage bei der Polizei machen ?!
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Re: 1055: Ich töte niemand

Beitragvon heletz » Di 17. Apr 2018, 08:19

Roter Affe hat geschrieben:...

Das war etwas holperig finde ich.


Du bist ja lustig! Das war nicht holperig, das war Schwachsinn!

Entweder hatten die Bereitschaft --> Dann aber wird kein Tropfen Alk getrunken!
Oder sie hatten keine Bereitschaft. --> Dann sagt man als Chef am Telephon: Ja, sorry, wir sind hier grad alle hackedicht und somit dienstunfähig! Wir dürfen nicht kommen!"

Ok, dann hätte es keinen Dadord gegeben und das Diem aus Bamberch hätte es gemacht.

Aber so wie die hackevoll zum Dadord gefahren sind, besteht die Gefahr, etwas zu übersehen, Beweise zu vernichten etc. Kurzuum: ein gefundene Fressen für einen Verteidiger. Würde kein Profi machen.

Und was wollte Frau Ringelhahn im Haus des Ermordeten? Ob mit "ihrem" Schlüssel (also dem, den sie von ihrem ermordeten Geliebten einst bekam - was aber auch Blödsinn wäre, da ja die Ehefrau angeblich nichts wissen sollte, da trifft man sich nicht im Haus) oder dem beim ermordeten gefundenen, spielt zunächst keine Rolle.

Das ist Einbruch und hat mehrere Konsequenzen (was sie als Profi ganz genau weiß):
1. Sie wird aus dem Polizeidienst entfernt
2. Sie verliert ihre Pensionsansprüche
3. Womöglich gefundene "Erkenntnisse" sind prozeßual überhaupt nicht verwertbar

Ja, ja, ich weiß: Bei der Party sollte der Absturz von Lustigkeit zu Unlustigkeit und bei dem Besuch im Haus, bei dem glücklicherweise die Tochter die Kopfhörer aufhatte) die Sentimentalität der Ermittlerin unter Beweis gestellt werden.

Aber sou geht's ned!

Das Verhör, das Voss da so scharf durchführt, ist nah an der Folter. Kann man so etwas jetzt bitte endlich mal lassen? Das sind pubertäre Buch-/Regieeinfälle!

Auch diese "Ergebnisse" wären nicht verwertbar!

Ansonsten war der Plot eigentlich nicht schlecht: Beide Täter handeln aus demselben Motiv: Ehre.
Bzw. der Mißverstandenen Ehre.
Die Behauptung: "Davon versteht Ihr in Deutschland nichts!" stimmt nicht, denn diese Ehrpusseligkeit hatten wir vor nicht allzulanger Zeit auch ("Mein Herr! Sie haben mich fixiert! Auf Pistolen oder auf Säbel?").

Ein Deutscher, der einen Mord begeht, weil ihn seine Frau verlassen hat, begeht ebenso einen "Ehrenmord" wie ein Afghane oder ein "Lübier" (das Land heißt "Libyen", nicht "Lübien"!).
Da ist kein Unterschied.

Die braune Stickigkeit und Miefigkeit war nirgends besser mit Händen zu greifen als im Haus bei Theodor Pflüger - Hansjürgen Hürrig. Da haben Kostümbild, Bildregie und Regie ganze Arbeit geleistet!

Frau Strauss ist eine gute Schauspielerin, aber ubiquitär zu sein, hat noch nie genutzt.

Das gilt auch für den ganzen Film: wenn man zuviel will, bekommt man gar nichts. Reduktion rules!

Ansonsten darf man 7 von 10 Punkten schon geben.

.
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Re: 1055: Ich töte niemand

Beitragvon sintostyle » Di 17. Apr 2018, 09:34

Deichgraf hat geschrieben:...aber warum schickt er den Studenten und den anderen dann los auf Rache Tour, steht das so im Koran, das man das tun muss ?


Nein, das steht nicht im Koran.
Als gläubiger Muslim kann ich euch diese Angst nehmen. Auch "Ehrenmorde" nicht...


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Re: 1055: Ich töte niemand

Beitragvon sintostyle » Di 17. Apr 2018, 09:40

heletz hat geschrieben:
Ansonsten war der Plot eigentlich nicht schlecht: Beide Täter handeln aus demselben Motiv: Ehre.
Bzw. der Mißverstandenen Ehre.
Die Behauptung: "Davon versteht Ihr in Deutschland nichts!" stimmt nicht, denn diese Ehrpusseligkeit hatten wir vor nicht allzulanger Zeit auch ("Mein Herr! Sie haben mich fixiert! Auf Pistolen oder auf Säbel?").

Ein Deutscher, der einen Mord begeht, weil ihn seine Frau verlassen hat, begeht ebenso einen "Ehrenmord" wie ein Afghane oder ein "Lübier" (das Land heißt "Libyen", nicht "Lübien"!).
Da ist kein Unterschied.



Exakt.
Danke dir für diese Worte.

Leider wird bei einem Muslim dies immer auf die Religion bezogen, obwohl es keine theologische Erklärung oder Rechtfertigung für sowas gibt.

Die Beeinflussung der Öffentlichkeit diesbezüglich hat Hagen Rether mal ziemlich deutlich auf den Punkt gebracht.

Bei Muslimen sagt man Ehrenmord, bei anderen "Familiendrama".




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Re: 1055: Ich töte niemand

Beitragvon heletz » Di 17. Apr 2018, 10:03

sintostyle hat geschrieben:
heletz hat geschrieben:
Ansonsten war der Plot eigentlich nicht schlecht: Beide Täter handeln aus demselben Motiv: Ehre.
Bzw. der Mißverstandenen Ehre.
Die Behauptung: "Davon versteht Ihr in Deutschland nichts!" stimmt nicht, denn diese Ehrpusseligkeit hatten wir vor nicht allzulanger Zeit auch ("Mein Herr! Sie haben mich fixiert! Auf Pistolen oder auf Säbel?").

Ein Deutscher, der einen Mord begeht, weil ihn seine Frau verlassen hat, begeht ebenso einen "Ehrenmord" wie ein Afghane oder ein "Lübier" (das Land heißt "Libyen", nicht "Lübien"!).
Da ist kein Unterschied.



Exakt.
Danke dir für diese Worte.

Leider wird bei einem Muslim dies immer auf die Religion bezogen, obwohl es keine theologische Erklärung oder Rechtfertigung für sowas gibt.

Die Beeinflussung der Öffentlichkeit diesbezüglich hat Hagen Rether mal ziemlich deutlich auf den Punkt gebracht.

Bei Muslimen sagt man Ehrenmord, bei anderen "Familiendrama".




...


Bitte sehr!

Wie der Film angelegt ist, trägt leider nur zur Verunklarung des Sachverhalts bei.

In beiden Fällen schicken ältere Anstifter jüngere "Idealisten" los, um einen Mord aus angeblich verletzter Ehre zu begehen.

Daß die Tochter des deutschen Nazis dann lieber ihren Mann in den Tod schickt, weil er die "Ehre" ihrer Familie beschmutzt hat, kommt dann noch hinzu.

Das hätte man etwas klarer herausarbeiten können.
Jedenfalls habe ich den Eindruck, wenn ich die Kommentare in den asozialen Medien so lese.
(Klar, mit der Moralinkeule soll man auch wieder nicht kommen, der Grat ist schmal, das ist schon auch richtig.)

.
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Re: 1055: Ich töte niemand

Beitragvon Knipperdolling » Di 17. Apr 2018, 19:27

Deichgraf hat geschrieben:
Purzelito hat geschrieben:Das wars dann auch schon.


Nicht ganz, was war das mit dem Lybischen Schneider, der den Studenten im Keller versteckt hielt, vermutlich damit er vor dem rechten Mob in Sicherheit ist, soweit ok.... aber warum schickt er den Studenten und den anderen dann los auf Rache Tour, steht das so im Koran, das man das tun muss ?
Oder wollte der Student selber Rache( hatte aber schon den eindruck, das er Indoktriniert wurde ), passt ja irgendwie überhaupt nicht zu dem was am Anfang über Ihn gesagt wurde, Muster Student, sehr beliebt und voll Integriert etc.
Und was war mit den Kindern von Leitner, waren die mit dabei bei dem Pizzaboten Überfall, oder mit dabei als der Kleiderschrank die vermeintlichen Eltern des Studenten killte ? Warum sonst sollten die ne Aussage bei der Polizei machen ?!


Ich habe es so verstanden:
Der Musterstudent wurde ja von der Polizeiwache sogar aufgefordert unterzutauchen, weil da womöglich jemand Rache nehmen könnte nach dem Gerichtsurteil. Dazu hat er dieses einsame Haus auserkoren und das offenbar seinen Pflegeeltern mitgeteilt, die da waren, um ihn zu unterstützen (oder eh da waren, keine Ahnung, da habe ich nicht so aufgepasst). Als der deutsche Rächer dort auftauchte, haben die Alten aufgemacht. Der hatte nicht mit jemand anders gerechnet und ist in Panik geraten und hat sie erschlagen. Der Musterstudent hat das beobachtet oder die Leichen danach gefunden (wurde, meine ich, in einer Rückblende kurz gezeigt) und hat sich dann im Keller beim Schneider verkrochen. Der hat ihn dann nach und nach indoktriniert, dass er das aus Ehrengründen mit Blutrache sühnen muss, das waren diese immer wieder gezeigten düsteren Kellerszenen mit den Untertiteln. Und dann ist sein Widerstand nach und nach zusammengebrochen. Das scheint mir im Ganzen recht plausibel. Da braucht es keinen Koran für, Mord aus Rache für Mord ist ja so ungewöhnlich nicht und sozusagen interkulturell, auch wenn der Schneider es dann doch verethnisiert, indem er behauptet, die Deutschen verstünden es nicht (was ja erkennbar Quatsch ist, denn der Ursprungsmord war im Grunde ja auch schlicht aus Rache, nur halt von deutscher Seite).

Die Leitner-Kinder waren mit dabei, als der Kleiderschrank zum Töten loszog. Wollten sie ja explizit, auch die Tochter. Wurde auch in einer Rückblende gezeigt, der Vater wollte sie noch hindern, der Sohn spuckt ihm vor Verachtung vor die Füße. Dann sind sie aber während des Mords im Auto geblieben (wurde gesagt), wussten aber natürlich, wer es war, haben den Mörder also gedeckt. Der Vater konnte das mit seinem Gewissen nicht mehr vereinbaren (daher die deprimierte Stimmung bei dem Geburtstagstänzchen) und wollte deshalb mit seiner Ex, Komissarin Ringelhahn, drüber reden, aber da hatte seine Nazibraut ihm schon was in den Geburtstagscocktail gemischt. Sie hat ihn eh verachtet, weil er bei der deutschnationalen Sache nicht mittun wollte, aber als er dann noch die eigene Brut verpfeifen wollte, hat sie ihn halt umgebracht.

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