1054: Unter Kriegern

Alles rund um die einzelnen Tatort-Folgen
flor61
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Re: 1054: Unter Kriegern

Beitragvon flor61 » Mo 9. Apr 2018, 07:25

Naja, dieser TO war dann mal besser als der in der letzten Woche. Aber, was will er uns sagen? Achtung, mordende Kinder?

Wenigstens hat mich die Handlung beim Sender gehalten, das war dann schon mal ein Erfolg, der für diesen TO spricht. Es wurden auch interessante gesellschaftliche Punkte aufgezeigt, z.B, der mieserable Zustand an unseren Schulen oder der Umgang von Vorgesetzten mit ihrem wertvollen Gut, Mitarbeiter. Und der IOC wurde auch stark angegriffen.

Aber, was war das für ein Fall? Was war das für eine Ehe? Was sind das für Eltern, die nicht nach ihrem Jungen suchen? Wieso merkt keiner, wie pädophil der Voss ist? Wenigstens wurde der Hooligan am Ende moralisch abgestraft, gut so.

Achja, die farbarmen Bilder passten gut zu dem Film.
witchy_woman
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Re: 1054: Unter Kriegern

Beitragvon witchy_woman » Mo 9. Apr 2018, 07:42

Purzelito hat geschrieben:Das war mal wieder ein excellenter Psychohorror aus Frankfurt vom Feinsten! Ohne jegliches Mitgefühl malträtieren sich die Protagonisten gegenseitig. Sie bewohnen eine Vorstadtvilla, die äusserlich wie ein modernes Fort Knox erscheint, aber drinnen seltsam spiessig wirkt. Man wird zunächst durch verschiedene Personen und Begebenheiten auf falsche Fährten gelockt. Da ist ein Glatzkopf, der den Kommissariatschef mit einem Kopfstoss niederstreckt. Von dieser Angelegenheit erwartet man irgendwie die ganze Zeit Aufklärung und wird enttäuscht. Da ist der ehemalige Hooligan, der, durch eine Therapie geläutert, eine Chance als Hausmeister in einem Sportleistungszentrum erhält. Übrigens eine tolle Rolle für Stefan Konarske, der in Dortmund nie so richtig zeigen konnte, was er drauf hat. Da ist der eiskalte Banker, ein Vergewaltiger, der kleinen Jungen nicht widerstehen kann, sein geschwängertes Opfer heiratet, Frau und Sohn terrorisiert und unter plötzlichen Panikattacken leidet. Des Weiteren gibt sich die Ehefrau sowohl Mord- als auch Suizidträumereien hin. Jeder ist ein Monster und doch kann am Ende, wenn der Zuschauer in das Zeichenheft des Sohnes blicken darf, dieser Ausgeburt der Hölle niemand das Wasser reichen. Zwar hat man frühzeitig erahnt, dass Felix etwas mit dem Tod von Malte zu tun haben könnte. Dass aber dieses teuflische Kind sich als als dreifacher Mörder entpuppt, ist ein ziemlich krasses Ende dieses starken Falls. Grauenvolles Xylophongeklimper hat aber ein wenig genervt.


Das Einzige, was nicht so in diesen Film gepaßt hat war tatsächlich die Anfangsszene, deren Auflösung "so nebenher" geschah und ganz unspektakulär zuende ging. Alles andere fand ich großes Kino (da unterschreibe ich auch die Aussagen von Sherlock).
Stefan Konarske hatte hier tatsächlich eine Paraderolle und war für mich von Anfang an als Täter auszuschließen. Der Junge Felix war mir dagegen von Anfang an verdächtig, spätestens als er dem Mädchen Louisa nachstellte und ihren Zeitplan notierte wurde er mir unheimlich. An dem war nichts Kindliches mehr-Jannekes Versuch, ihn zu einem Geständnis zu bringen, scheitert am Ende. Ob er bei den (vermutlichen?) Großeltern (die Adoptiveltern seines Vaters???) gut aufgehoben ist?
Die Panikattacken des Vaters werden durch das Kindheitstrauma erklärt- am Schluß darf er sogar Gefühl zeigen. Die Mutter heiratet ihren Vergewaltiger in der naiven Annahme, durch den Lebensstandard entschädigt zu werden. Glücklich ist sie nur bei ihrem Pferd.
Die Ermittler waren angenehm, fast untergeordnet in diesem Fall. Trotzdem irgendwie fast nebenbei die private Geschichte weitererzählt mit der Übergangslösung im Wohnwagenpark und der Wohnungssuche, das gemeinsame abendliche Beisammensein...hat mir irgendwie gefallen. Auch Fanny mit ihrer kleinen Rolle sehr charmant. Das war bei dieser bitteren Familiengeschichte mein kleiner Wohlfühlfaktor in diesem Film.
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Re: 1054: Unter Kriegern

Beitragvon piranja » Mo 9. Apr 2018, 09:23

Ich fand ihn auch absolut spitzenmäßig.
Das einzige, das mich sehr wunderte, war die extreme Reaktion von Voss, als er seine Frau tot auffand.
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Re: 1054: Unter Kriegern

Beitragvon heletz » Mo 9. Apr 2018, 09:34

Ja, spitzenmäßig.

Spitzenmäßig auch die Tatasche, daß man ein Kind, das mutmaßlich drei Menschen ermordet hat, weiterhin frei rumlaufen läßt...

Was mit so einem Kind geschieht, wäre wirklich eine Diskussion wert gewesen.

Aber der Film drückt sich um vieles herum.

.
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Re: 1054: Unter Kriegern

Beitragvon sintostyle » Mo 9. Apr 2018, 13:35

heletz hat geschrieben:Ja, spitzenmäßig.

Spitzenmäßig auch die Tatasche, daß man ein Kind, das mutmaßlich drei Menschen ermordet hat, weiterhin frei rumlaufen läßt...

Was mit so einem Kind geschieht, wäre wirklich eine Diskussion wert gewesen.

Aber der Film drückt sich um vieles herum.

.
Naja, es gab keine Beweise, nur Vermutungen. Und selbst wenn, wäre er mit 12 nicht strafmündig.


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Re: 1054: Unter Kriegern

Beitragvon Purzelito » Mo 9. Apr 2018, 14:39

Die allgemein gestellte Frage, was uns diese Folge sagen sollte, verstehe ich nicht. Für mich war es offensichtlich eine Parabel auf unsere empathielose und auf Hochleistung getrimmte Gesellschaft. Soziale Kälte, Rücksichtslosigkeit und Hass dringen bis in die kleinste Zelle der Gesellschaft, nämlich die Familie. Möglicherweise ist das schon immer so gewesen, doch in der heutigen Mediengesellschaft werden Missstände allgegenwärtig gemacht und der Mensch erfährt mehr als ihm lieb ist oder mehr, als er zu verkraften imstande ist.

Der Film drückt sich um nichts herum. Er benennt messerscharf und überspitzt, was in unserer heutigen (Gefühls-) Welt los ist. Gerade wird wieder diskutiert, die Altersgrenze für die Strafmündigkeit von Kindern herab zu setzen. Dass Felix von den Grosseltern abgeholt wird, bedeutet keinerlei Sicherheit für seine Umwelt. Wenn man sich seine akribischen hasserfüllten Aufzeichnungen ansieht, weiss man, dass er weitermachen wird. Da bleibt nur zu hoffen, dass er im Erwachsenenalter festgesetzt wird, vorausgesetzt, dass man diesem perfiden Bürschchen etwas wird nachweisen können.

@heletz, man kann diesem Kind nicht das mindeste nachweisen. Ich denke, das weisst du. Möglicherweise könnte man an der Sylter Leiche DNA nachweisen, aber nach so vielen Jahren ist auch das eher unwahrscheinlich.
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Re: 1054: Unter Kriegern

Beitragvon sintostyle » Mo 9. Apr 2018, 15:02

Purzelito hat geschrieben:Die allgemein gestellte Frage, was uns diese Folge sagen sollte, verstehe ich nicht. Für mich war es offensichtlich eine Parabel auf unsere empathielose und auf Hochleistung getrimmte Gesellschaft. Soziale Kälte, Rücksichtslosigkeit und Hass dringen bis in die kleinste Zelle der Gesellschaft, nämlich die Familie. Möglicherweise ist das schon immer so gewesen, doch in der heutigen Mediengesellschaft werden Missstände allgegenwärtig gemacht und der Mensch erfährt mehr als ihm lieb ist oder mehr, als er zu verkraften imstande ist.

Der Film drückt sich um nichts herum. Er benennt messerscharf und überspitzt, was in unserer heutigen (Gefühls-) Welt los ist. Gerade wird wieder diskutiert, die Altersgrenze für die Strafmündigkeit von Kindern herab zu setzen. Dass Felix von den Grosseltern abgeholt wird, bedeutet keinerlei Sicherheit für seine Umwelt. Wenn man sich seine akribischen hasserfüllten Aufzeichnungen ansieht, weiss man, dass er weitermachen wird. Da bleibt nur zu hoffen, dass er im Erwachsenenalter festgesetzt wird, vorausgesetzt, dass man diesem perfiden Bürschchen etwas wird nachweisen können.

@heletz, man kann diesem Kind nicht das mindeste nachweisen. Ich denke, das weisst du. Möglicherweise könnte man an der Sylter Leiche DNA nachweisen, aber nach so vielen Jahren ist auch das eher unwahrscheinlich.
Kann mich dir nur in allem anschliessen

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Re: 1054: Unter Kriegern

Beitragvon Bulldogge » Mo 9. Apr 2018, 15:04

piranja hat geschrieben:Ich fand ihn auch absolut spitzenmäßig.
Das einzige, das mich sehr wunderte, war die extreme Reaktion von Voss, als er seine Frau tot auffand.


Ja, das wirkte so wie er sie sonst behandelt halt total unglaubwürdig.
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Re: 1054: Unter Kriegern

Beitragvon Purzelito » Mo 9. Apr 2018, 16:22

Bulldogge hat geschrieben:
piranja hat geschrieben:Ich fand ihn auch absolut spitzenmäßig.
Das einzige, das mich sehr wunderte, war die extreme Reaktion von Voss, als er seine Frau tot auffand.

Ja, das wirkte so wie er sie sonst behandelt halt total unglaubwürdig.

Auch diese Reaktion war typisch für sein Ego. Es war das reine Selbstmitleid. Er wusste in dem Moment anhand des illustrierten Bildes, dass sein Sohn der Mörder von Malte jnd der Mutter war, dass er sich für seinen Sohn durch ein Geständnis opfern musste, dass seine Karriere zu Ende war, dass quasi nichts mehr bleiben würde. Das Bild hat er ja noch schnell vom Tatort entfernt, um jeglichen Verdacht von seinem Sohn abwenden zu können.
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Re: 1054: Unter Kriegern

Beitragvon Bulldogge » Di 10. Apr 2018, 00:21

Aber er hätte sich doch gar nicht für seinen Sohn opfern müssen, da dieser noch nicht strafmündig ist.

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