1053: Zeit der Frösche

Alles rund um die einzelnen Tatort-Folgen
flor61
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Re: 1053: Zeit der Frösche

Beitragvon flor61 » Mi 4. Apr 2018, 07:29

Was war das? Ganz kurz: Dieser Tatort war einfach nur Mist.

Gut, daß bei DMAX "Goldrausch in Australien" lief, sonst hätte ich diesen ARD-Abend nicht durchgehalten. Der Film war so primitiv zusammengeknüppelt, daß selbst ich in den Werbepausen, die ich zum Weiterschauen nutzte, nie den Anschluß verpasste. Und dann diese persönlichen, peinlichen Szenen der Heike Makatsch. Ist schon ein hartes Leben als Schauspielerin, wenn man, um als Künstler durchs Leben zu kommen, auf solche Filme angewiesen ist. Da half auch ihre Schauspielkunst nicht weiter.

Der einzige Lichtblick für mich war der junge Luis August Kurecki. Er hat aus meiner Sicht Dustin Hoffmanns Raymond in Rain Man übertroffen.

Ich sage "schade", denn das Tatort-Jahr fing vielverspechend an. Null Punkte für dieses Gesamtmissverständnis
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Carlo Menzinger
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Re: 1053: Zeit der Frösche

Beitragvon Carlo Menzinger » Mi 4. Apr 2018, 11:26

flor61 hat geschrieben:Was war das? Ganz kurz: Dieser Tatort war einfach nur Mist.

Gut, daß bei DMAX "Goldrausch in Australien" lief, sonst hätte ich diesen ARD-Abend nicht durchgehalten. Der Film war so primitiv zusammengeknüppelt, daß selbst ich in den Werbepausen, die ich zum Weiterschauen nutzte, nie den Anschluß verpasste. Und dann diese persönlichen, peinlichen Szenen der Heike Makatsch. Ist schon ein hartes Leben als Schauspielerin, wenn man, um als Künstler durchs Leben zu kommen, auf solche Filme angewiesen ist. Da half auch ihre Schauspielkunst nicht weiter.

Der einzige Lichtblick für mich war der junge Luis August Kurecki. Er hat aus meiner Sicht Dustin Hoffmanns Raymond in Rain Man übertroffen.

Ich sage "schade", denn das Tatort-Jahr fing vielverspechend an. Null Punkte für dieses Gesamtmissverständnis

Es scheint irgendwie deine Lieblingsbeschäftigung zu sein, Tatort-Folgen nicht einmal zur Hälfte (nur in den Werbepausen) zu schauen und diese dann aber mies zu bewerten. Ist mir jetzt schon wiederholt aufgefallen.
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Tatort_Celerina
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Re: 1053: Zeit der Frösche

Beitragvon Tatort_Celerina » Mi 4. Apr 2018, 13:09

flor61 hat geschrieben:Ist schon ein hartes Leben als Schauspielerin, wenn man [...] auf solche Filme angewiesen ist.


Meiner Meinung nach ist so eine Aussage überheblich. Woher willst du wissen, worauf Frau Makatsch angewiesen ist?

Ich finde, wenn jeman einen Tatort anhand von wenigen Ausschnitten während der Werbeunterbrechungen beurteilt, dann liegt ein...
flor61 hat geschrieben:Gesamtmissverständnis
...vor.

Ich persönlich finde den Film in der Nachbetrachtung durchaus gelungen. Es war vor allem eine sehr interessante Darstellung einer Kinderrolle, fernab von allen Klischees, denen man sonst begegnet, wenn man Kinder (auch im Tatort) in Krimis einbaut. Darüber hinaus hat der junge Schauspieler seine Rolle sehr professionell verkörpert. Ich habe ihm am Ende sogar sein Geständnis abgenommen. ...ohne zu ahnen, dass es dann doch ganz anders war.

Die Aufklärung, was in der Tatnacht passierte, war innovativ, wie der gesamte Handlungsstrang um den Jungen.

Berlinger und Rascher überzeugten mich. Es war ein bisschen zu viel des Privaten (Kleinkinderversorgung, Affäre mit dem Kindergärtner), aber die persönliche Einbeziehung in den tatsächlichen Fall störte mich nicht, dafür war sie zu glaubwürdig.

Von Rascher hätte ich gerne noch mehr gesehen. Er war vom Fall und seiner vermuteten Vorgeschichte betroffen, gar gezeichnet. Dies hätte man noch mehr ausspielen können, dafür dann vll. die Kleinkindbetreuung weglassen können.

Ich kann mir durchaus noch weitere Fälle mit den beiden (!) Ermittlern vorstellen. Gerne nicht erst in zwei Jahren!

Die Schlusseinstellung mit der weggehenden Frau lässt mich nicht mehr los... Was und wer war das bloß?
Mein 989. Tatort:
Tatort Nürnberg
Ich töte niemand
mit Kommissar Voss und Kommissarin Ringelhahn
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Wachtmeister
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Re: 1053: Zeit der Frösche

Beitragvon Wachtmeister » Mi 4. Apr 2018, 15:47

Was mich zuerst beeindruckte, waren Kamera, Licht, Bildregie und Schnitt. Das ist wirklich exzellent gelungen.
Das Zweite ist die Umsetzung einer Idee in einen Film. Die Handlung wird gezeigt und nicht erzählt. Die Punkte gehen an Autor und Regisseur.
Die Konstellation von Berlinger und Rascher ist angenehm unüblich. Gemeinsam ist beiden, daß sie von dem Fall berührt sind, aber aus unterschiedlichen Gründen. Es gibt kein Hierarchie- und Kompetenzgerangel.

Eher unangenehm fiel mir die Idee auf, daß Berlinger, bzw. ihre Familie in den Fall verwickelt ist. Das läßt Krimis, die in einer Großstadt spielen, immer unglaubwürdig erscheinen. Solche Ideen liegen eher im Interesse der Filmschaffenden. Das merkt man auch in diesem Fall. Für Makatsch entsteht so die Möglichkeit, der Figur der Berlinger eine Entwicklung innerhalb der Folge zu geben. Die Kommissarin ist anfangs im Gegensatz zu ihrem Kollegen professionell distanziert und verhört analytisch-rational. Im Laufe des Films wird sie involviert und beginnt einen Verdächtigen zu foltern.
Als Tante wird sie an ihrem Neffen gespiegelt, der noch stärker als sie Beziehungsstörungen zeigt. Etwas kitschig wirkte auf mich das Unterthema des Films: Menschen mit Beziehungsstörungen können am Ende doch von etwas berührt werden.

Die Probleme, ihren Polizeiberuf mit ihren Aufgaben als Mutter eines Kleinkindes zu vereinbaren, ist nicht neu, s. Ludwigshafen. Es wird damit zwar erklärt, warum sie so mürrisch und gestreßt wirkt, und das Ausspielen dieser Probleme nimmt auch nicht überhand, aber man sieht schnell, daß ein Fall gestrickt wurde, der zur Kommissarin paßt.
Der Erzieher und Möchte-gern-Lover ist, jedenfalls was diese Folge betrifft, vor allem dazu da, die Fragen zu stellen, deren Antworten den Zuschauern erklären, warum Berlinger nun in Mainz ist. Als die "horizontale Erzählweise" noch nicht Mode war, hätte es solche Fragen gar nicht gegeben. Für diesen Fall ist die Vergangenheit von Berlinger irrelevant.

Immerhin ist sehr gut es gelungen, aus dieser Idee das Beste zu machen. Der Fall wird konsequent durchgespielt. Kommissar Zufall konnte zu Hause bleiben.
Unter den Schauspielern gibt es keine Ausfälle. Auch die jugendlichen Darsteller haben professionell gespielt.

Insofern ist diese Folge durchaus sehenswert und eine der besseren der letzten Zeit.

Mir ist es schnurzepiepe, ob einzelne Tatort-Folgen "Special" oder "Event" genannt werden, ob Berlinger einmal im Jahr oder alle zwei Jahre auftaucht, ob sie immer am selben Ort ermittelt oder immer woanders (wie der frühere Wanderpokal). Hauptsache, sie wird nicht in eine dieser überlaufenen und von Leichen überschemmten Krimistädte versetzt.
Die Gruppe der seltenen Kommissarinnen und Kommissare hat den Vorteil, daß sie nicht mehrere Folgen gleichzeitig drehen muß. Alle Mitwirkenden sind auf einen Film konzentriert. Das macht sich in der Qualität bemerkbar.

Die Szene am Schluß, in der eine Frau nachts, nachdem sie sich ängstlich umgedreht hat, weiter auf einen spärlich beleuchteten Weg geht, ist sehr stark. Sie greift den Anfang auf, als es um die Ermittlung eines Serienmörders geht. Der läuft noch frei herum ...
Womöglich ist die Szene auch als Cliffhanger gedacht. Die Ergreifung eben dieses Täters könnte den nächsten Fall ergeben. Dazu würde passen, daß Rascher etwas geheimnisvoll geblieben ist. Da könnte Aufklärung kommen. Man kann beides so stehen lassen, aber man kann in der Tatortredaktion auch auf die Zuschauerreaktionen warten und entscheiden, ob man damit weitermacht.

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