1051: Im toten Winkel

Alles rund um die einzelnen Tatort-Folgen
Benutzeravatar
sintostyle
Beiträge: 1379
Registriert: Mo 9. Apr 2007, 07:19
Wohnort: Offenburg

Re: 1051: Im toten Winkel

Beitragvon sintostyle » Mo 12. Mär 2018, 14:16

witchy_woman hat geschrieben:
Purzelito hat geschrieben:
Ferox21 hat geschrieben: Sein Vater hat ja offenbar den Deal mit der Pflegefirma gemacht. Seine Frau wird nicht versorgt, aber er bekommt dafür einen Anteil des Pflegegeldes, was aber nicht gereicht hat, so dass er seine Frau erstickt und sich am Ende selber umbringt. Der Sohn hat von alledem aber nie etwas mitbekommen, soweit es dargestellt wurde.

Nicht nur das. Er hat auch das ganze Familienvermögen für dubiose Behandlungsmethoden ausgegeben, die von den Institutionen nicht erstattet wurden. Alles in allem erscheint Claassen senior als ein sich selbst bemitleidender und am Ende in seiner Entscheidung kalt kalkulierender, vor Lürsen um Mitleid und Verständnis heischender, sich aus der Verantwortung stehlender Ehemann, der zum Mörder wird.


Ich finde, Du bist ein bißchen streng ;-)
Die "dubiosen" Behandlungsmethoden wurden nicht weiter detailliert beschrieben, aber jeder weiß, daß die Krankenkassen nur das Allernötigste bezahlen (wenn überhaupt).
Mir kam er eher wie ein liebender Ehemann und Vater vor, der sich (vielleicht aus Gewohnheit) von einer einmal getroffenen Entscheidung nicht mehr abbringen läßt, im Glauben, das Beste für alle zu tun (er denkt sogar an die Nachbarn!! Du meine Güte.). Er verrennt sich dabei aus meiner Sicht natürlich arg.
Exakt

Gesendet von meinem SM-G950F mit Tapatalk
Ich habe viel von meinem Geld für Alkohol, Weiber und schnelle Autos ausgegeben.... Den Rest habe ich einfach verprasst! (George Best)
Benutzeravatar
sintostyle
Beiträge: 1379
Registriert: Mo 9. Apr 2007, 07:19
Wohnort: Offenburg

Re: 1051: Im toten Winkel

Beitragvon sintostyle » Mo 12. Mär 2018, 14:18

witchy_woman hat geschrieben:Ach, nö..in Schutz nehmen war gar nicht so sehr meine Absicht. Eher der Versuch, das alles nachzuvollziehen. Ich sehe ihn halt nicht so als eiskalten Mörder, wie Du ihn darstellst, denn ich glaube schon, daß er damit haderte. Ich gebe Dir recht, mit der Ehefrau war das so sicher nicht geplant und durchgesprochen, dazu war sie bestimmt nicht mehr in der Lage. Wir können aber nicht wissen, ob es nicht bereits eine frühere, mündliche "Verabredung" gab für bestimmte Situationen, die er dann als verbindlich ansah. Daß sich jemand wehrt, wenn er/sie gewürgt wird, betrachte ich als normale menschliche Reaktion im Todeskampf.
Dieser Mann war wahrscheinlich ein eher autoritärer Vater, der den Sohn jetzt immer noch bevormundet und wohl auch von ihm enttäuscht ist (Ehe gescheitert, Frau und Kinder weg, fehlender Kontakt zu den Enkeln), ihn das auch spüren ließ/läßt, er wollte ihn "nicht noch mehr belasten". Da ist kein Vertrauen vorhanden. Ich glaube aber trotzdem nicht, daß er das in böser Absicht tut, denn er hinterläßt dem Sohn keinen Ballast. Er handelt in diesem Sinne "gutwillig". Ich finde solch ein Verhalten zweifelhaft, denn ich bin eher dafür, innerhalb einer Familie zusammenzuhalten und auch über Probleme zu reden, aber das hat bei denen anscheinend nicht funktioniert.

Ein Wort noch zu Inga und Helen. Das Thema hat ja geradezu herausgefordert zu einer Mutter-Tochter-Diskussion ;-) ich fand es ganz gut gemacht.
Irgendwie werde ich nach der ganzen Zeit mit Helen/Camilla Renschke nicht warm. Sie gibt sich so streng, selbst wenn sie mal lächelt hat sie noch diese Zornesfalten auf der Stirn. Ich habe die Schauspielerin auch nie in einer anderen Rolle gesehen, vielleicht sieht sie einfach so aus.



Volle Zustimmung... und zwar zu beiden Abschnitten

Gesendet von meinem SM-G950F mit Tapatalk
Ich habe viel von meinem Geld für Alkohol, Weiber und schnelle Autos ausgegeben.... Den Rest habe ich einfach verprasst! (George Best)
Benutzeravatar
Wachtmeister
Beiträge: 434
Registriert: Di 27. Sep 2011, 00:30

Re: 1051: Im toten Winkel

Beitragvon Wachtmeister » Mo 12. Mär 2018, 15:57

TatortMiro hat geschrieben:Kann mir jemand erklären, weshalb genau Horst Claasen seine Frau umgebracht hat? Er nahm Geld von Brix an, das dieser vermutlich vom Pflegedienst erhielt? (weil Frau Claasen kränker dargestellt wurde als sie wirklich war). Claasen wächst die ganze Sache irgendwann über den Kopf und bringt deshalb seine Frau kaltblütig um, im Anschluss versucht er sich selbst umzubringen? Ist das nicht ein wenig konstruiert?
Wie erfuhr sein Sohn Sven nach dem Tod des Vaters von den ganzen Machenschaften? Wenn ich es richtig verstanden habe hat Brix Sven Claasen auf dem Boot vom Betrug erzählt. Darauf eskalierte die Situation. Aber wie kommt es, dass sich die beiden auf dem Boot überhaupt getroffen haben und Brix freiwillig vom Betrug erzählt? Ist mir zu sehr konstruiert. Aber vielleicht habe ich bestimmte Hintergründe nicht verstanden.

Claasen war erstens finanzell am Ende – trotz der Beteiligung am Pflegebetrung – und wollte zweitens seiner Frau ein Dahinsiechen ersparen. Frau Claasen wurde nicht kränker dargestellt als sie war, aber dem Sohn wurde der wahre Zustand verschwiegen. Horst Claasen hat seine Frau nicht kaltblütig umgebracht, sondern eher aus Verzweiflung.
Sven Claasen erfuhr von Carsten Kühne, der ihn kontaktiert hatte, von den Machenschaften. Kühne hat ein schlechtes Gewissen bekommen, als er realisiert hatte, was er mit seiner Korruptheit anrichtet. Er wollte ja aus dem System aussteigen.
Benutzeravatar
Wachtmeister
Beiträge: 434
Registriert: Di 27. Sep 2011, 00:30

Re: 1051: Im toten Winkel

Beitragvon Wachtmeister » Mo 12. Mär 2018, 16:23

Testbild hat geschrieben:Dennoch fand ich einiges hanebüchen. Woher sollte Frau Jansen wissen, wo sich Kühne mit der Pflegedienstchefin trifft? Und warum fährt sie extra dorthin? Weil sie glaubt, Kühne milde stimmen zu können wenn sie ihm vor dem Lokal auflauert? Komischer Gedanke.
Sie hat mit Kühne telefoniert und wollte ihn umstimmen, indem sie sich prostituiert.
Testbild hat geschrieben:Und Claassen junior? Lauert der auch dem Kühne auf? Der konnte doch eigentlich wenig Ahnung davon haben, wo sich Kühne herumtreibt. Der konnte doch nicht einmal wissen, wie Kühne überhaupt aussieht. Verwirrend.
Sven wurde von Kühne kontaktiert, nachdem der ein schlechtes Gewissen bekommen hatte.
Zwischendurch wurde im Büro die Auswertung der Telefonverbindungen bekannt gemacht.
Testbild hat geschrieben:Claassen senior machte auf mich in der Klinik - gerade dem Tod von der Schippe gesprungen - einen deutlich fideleren Eindruck, als in der Anfangssequenz. Kann aber eine rein subjektive Wahrnehmung sein. Dennoch: Eigentlich unmöglich, daß er es schafft, sich in wenigen Minuten mit den Versorgungsschläuchen zu strangulieren. Zumal es sich hierbei i.d.R. um lose Steckverbindungen handelt.
In der Anfangssequenz hatte er die Tötung seiner Frau noch vor sich. Er war eben nicht kaltblütig.
Inwieweit ein Suizid in solch einer Krankenhaussituation möglich ist, kann ich nicht beurteilen. Bei Inszenierungen in Krimis wird aber vermieden, genaue Anleitungen zu geben, um Nachahmeeffekte zu vermeiden.
Testbild hat geschrieben:Ob Claassen senior selbst beim Betrugsspiel mitmacht, konnte ich nicht ganz verstehen. Ich meine, daß in seinem Fall bzw. dem seiner Frau ohne deren Mitwirkung betrogen wurde.
Das wurde einmal im Büro erwähnt. Jedenfalls wurden Leistungen abgerechnet, die nicht erbracht wurden. Das zeigte sich in der Befragung der Pflegekraft. Die erzählte, daß Frau Claasen gut mit dem Rollstuhl zurecht käme, obwohl der erst am Abend vor ihrem Tod angelierfert wurde. Das Betrugsmodell wurde auch erklärt: Der Pflegedienst rechnet nicht erbrachte Leistungen ab und teilt sich mit den Pflegefamilien den Gewinn.
Testbild hat geschrieben:Warum sollte Lessmann eigentlich bestochen werden? Um nicht gegen den Pflegedienst zu klagen? Macht für mich auch keinen Sinn, nachdem die Polizei schon eine Durchsuchung gemacht hat, Ob Lessmann noch eine Strafanzeige stellt ist dann auch wurscht. Sollte er in einer Zivilsache klagen - z.B. auf Schmerzensgeld - wäre kaum mit polizeilichen Ermittlungen gegen den Pflegedienst zu rechnen, das wäre dann wohl eher eine Sache des Haftpflichtversicherers. Die 100.000 EUR hätte sich die Pawlowa also sparen können.
Ja, Lessmann sollte ruhig gestellt werden. Daß er die Polizei darüber informierte, ist erstens nicht wurscht, weil es um eine Straftat geht. Daß dieses Verbrechen im Zusammenhang mit einem Betrugssystem steht, ist für die Anklage von großer Bedeutung, weil es sich um einen konreten Beweis mit einem Zeugen geht. Das einzige, was mich an der Inszenierung dieser Sache gestört hat, war der unachtsame Umgang mit dem Umschlag. Denn der trägt die Fingerabdrücke der Pavlowa.
Testbild hat geschrieben:Das Thema war natürlich schon beklemmend, aber eigentlich nix Neues. Und auch nix, womit sich der Tatort beschäftigen müsste.
Das verstehe, wer will. Womit „muß“ sich denn der Tatort beschäftigen?
Benutzeravatar
Tatort_Celerina
Beiträge: 1180
Registriert: Mo 29. Dez 2008, 09:22
Wohnort: Köln

Re: 1051: Im toten Winkel

Beitragvon Tatort_Celerina » Mo 12. Mär 2018, 16:55

Ein großartiger Tatort! Das Thema wurde in Form von drei vollig unterschiedlichen Fällen verdeutlicht. In allen drei Fällen kann man sich mit den pflegenden Angehörigen sehr stark identfizieren. Ich kenne aus meiner engsten Familie diese Besuche des medizinischen Dienst. So etwas ist sehr hart. Ich weiß, was es heißt, Angehörige zu pflegen; ...was es bedeutet, das Gefühl zu haben, alleine mit dieser Bürde zu sein; ...wie man von ständiger Sorge und dem Gefühl, nicht genug zu tun, auf alles verzichten muss. Und ja, ich kann sogar sehr gut nachempfinden, warum der erschreckende Ausruf "Wann stirbst du endlich?" gekommen ist. Verzweiflung, Hilflosigkeit, Kraftlosigkeit... und all das wurde hier absolut realistisch dargestellt, von hervorragenden Schauspielerinnen und Schauspielern verkörpert. Der Tatort hat m.E. nicht nur den Auftrag, einen Mordfall und die damit verbundenen Ermittlungen zu schildern, sondern auch Themen anzusprechen, die auf den ersten Blick gar nicht zu einem Krimi passen. Auf etwas aufmerksam zu machen, bedeutet nicht, dass man eine Dokumentation sieht.

Doch auch der Krimi-Anteil war sehr gut gemacht. Man konnte sich bis zuletzt nicht sicher sein, wer der Mörder war. Es war spannend, zum Miträtseln und dabei eben auch ergreifend, realistisch und berührend geschildert.

Es wurde auf Schockeffekte verzichtet, ebenso auf reißerische Musik. Die Szenen der "Hölle zuhause" wurden ungeschminkt und "ungekürzt" gezeigt, sie sprachen für sich. Für mich war es ingesamt ganz große Tatort-Kunst!!!

Danke dafür!!!
Mein 989. Tatort:
Tatort Nürnberg
Ich töte niemand
mit Kommissar Voss und Kommissarin Ringelhahn
Benutzeravatar
Roter Affe
Beiträge: 614
Registriert: Mi 16. Jul 2008, 11:15
Wohnort: Bratwurstcity

Re: 1051: Im toten Winkel

Beitragvon Roter Affe » Mo 12. Mär 2018, 19:54

witchy_woman hat geschrieben:Irgendwie werde ich nach der ganzen Zeit mit Helen/Camilla Renschke nicht warm.

Ich wurde bisher nur in einer Folge mit Helen warm. :lol:
Grüßla aus dem Tatortreifen Franken!

Roter Affe
Benutzeravatar
Tatort_Celerina
Beiträge: 1180
Registriert: Mo 29. Dez 2008, 09:22
Wohnort: Köln

Re: 1051: Im toten Winkel

Beitragvon Tatort_Celerina » Mo 12. Mär 2018, 21:15

Roter Affe hat geschrieben:Ich wurde bisher nur in einer Folge mit Helen warm. :lol:
In welcher? :D
Mein 989. Tatort:
Tatort Nürnberg
Ich töte niemand
mit Kommissar Voss und Kommissarin Ringelhahn
KarinElisabeth
Beiträge: 20
Registriert: So 3. Dez 2017, 22:04

Re: 1051: Im toten Winkel

Beitragvon KarinElisabeth » Mo 12. Mär 2018, 22:23

Sehr gute Umsetzung eines traurigen, jeden betreffenden Themas im Rahme des Tatort, würde 10 Punkte geben.

Purzelitos Stellungsnahme lässt mich ratlos zurück.
Benutzeravatar
Roter Affe
Beiträge: 614
Registriert: Mi 16. Jul 2008, 11:15
Wohnort: Bratwurstcity

Re: 1051: Im toten Winkel

Beitragvon Roter Affe » Mo 12. Mär 2018, 22:55

Tatort_Celerina hat geschrieben:
Roter Affe hat geschrieben:Ich wurde bisher nur in einer Folge mit Helen warm. :lol:
In welcher? :D

Ich glaube die erste Lürsen Folge. :o
Grüßla aus dem Tatortreifen Franken!

Roter Affe
TatortMiro
Beiträge: 70
Registriert: So 17. Okt 2010, 21:17

Re: 1051: Im toten Winkel

Beitragvon TatortMiro » Do 15. Mär 2018, 11:43

@Roter Affe Vermutlich wegen der Badewannen-Szene :)

Zurück zu „Die Folgen“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 5 Gäste