1043: Die Faust

Alles rund um die einzelnen Tatort-Folgen
Benutzeravatar
Roter Affe
Beiträge: 594
Registriert: Mi 16. Jul 2008, 11:15
Wohnort: Bratwurstcity

Re: 1043: Die Faust

Beitragvon Roter Affe » Mo 15. Jan 2018, 12:55

Moin ich fühlte mich fast perfekt unterhalten.

Was mir nicht klar war ist wer schoß auf den Prof. in der Uni?

Nebenbei fiel mir ein Foto bei Eisner im Büro mit Trauerflor auf, starb da mal einer in seinem Team?
Grüßla aus dem Tatortreifen Franken!

Roter Affe
Testbild
Beiträge: 98
Registriert: Mo 14. Jan 2013, 10:08

Re: 1043: Die Faust

Beitragvon Testbild » Mo 15. Jan 2018, 13:12

Schmiere hat geschrieben:Ehrlich gesagt war die Blutspur für mich der einzige Punktabzug. Denn mal zu Ende gedacht hätte die Spur durch den Hausflur über den Weg vor dem Haus bis zum Parkplatz des Lieferwagens gehen müssen. Bei einem Täter, der so peinlich darauf bedacht ist, möglichst wenig Spuren am Tatort zu hinterlassen macht das wenig Sinn. Und wieso greift er hier nicht auch zur Pistole? Natürlich. Das Zuschlagen mit dem Brecheisen ist hier dramatischer und gibt die beeindruckenderen Bilder. Und ebenso dramatisch dann die Blutspur. Nötig hätte dieser Tatort so eine Orgie aber nicht gehabt.


Oh ja, das stimmt. Die Blutspur hätte auch aus dem Haus herausgehen müssen.

Die Art und Weise dieses Mordes war aber dramaturgisch erforderlich, da der falschen Natalia das Gesicht bis zur Unkenntlichkeit zertrümmert wurde und deshalb die Verwechslung mit der richtigen Natalia erst möglich war. In diesem Zusammenhang ist es auch wesentlich, daß die richtige (und verkleidete) Natalia den Ermittlern ein Foto von der richtigen (unverkleideten) Natalie gibt, um ihren eigenen Tod vorzutäuschen.

Mal angenommen, sie hätte ihnen ein Foto des tatsächlichen Opfers gegeben..... Diese wäre von der wissenschaftlichen Mitarbeiterin an der Uni nicht erkannt worden und auch keine Verbindung zu den anderen beiden Opfern hergestellt worden. Die Auflösung wäre vielleicht nie gefunden worden.
Testbild
Beiträge: 98
Registriert: Mo 14. Jan 2013, 10:08

Re: 1043: Die Faust

Beitragvon Testbild » Mo 15. Jan 2018, 13:14

Roter Affe hat geschrieben:Was mir nicht klar war ist wer schoß auf den Prof. in der Uni?

Nebenbei fiel mir ein Foto bei Eisner im Büro mit Trauerflor auf, starb da mal einer in seinem Team?


1. Natalia - Sie hat's zugegeben, als sie ihm sagte "daneben geschossen" zu haben (ich denke, absichtlich)
2. Da war doch einer in den letzten Folgen gestorben.... Die Folge mit den Polizeischülern.... Ich hab den Titel vergessen.....
Benutzeravatar
Purzelito
Beiträge: 241
Registriert: Fr 25. Nov 2016, 21:54

Re: 1043: Die Faust

Beitragvon Purzelito » Mo 15. Jan 2018, 14:04

Testbild hat geschrieben:
Roter Affe hat geschrieben:Nebenbei fiel mir ein Foto bei Eisner im Büro mit Trauerflor auf, starb da mal einer in seinem Team?


Da war doch einer in den letzten Folgen gestorben.... Die Folge mit den Polizeischülern.... Ich hab den Titel vergessen.....

In der vorletzten Tatortfolge "Wehrlos" wurde Peter Kralicek, Chef der Wiener Polizeischule, ermordet.
Ich habe das Bild allerdings nicht gesehen und kann nicht sagen, ob das ein Bezug auf Kralicek war.
Kassiber
Beiträge: 44
Registriert: Do 11. Apr 2013, 14:15

Re: 1043: Die Faust

Beitragvon Kassiber » Mo 15. Jan 2018, 15:07

Testbild hat geschrieben:1. Natalia - Sie hat's zugegeben, als sie ihm sagte "daneben geschossen" zu haben (ich denke, absichtlich)
Warum sollte sie dieses Risiko eingehen, wenn sie sich zu diesem Zeitpunkt (falls die Chronologie stimmt) doch eigentlich noch ob der Verwechslung save fühlen musste. M.E. konnte sie nicht wissen, dass der Prof. mittlerweile von der Schwangerschaft des (falschen) Opfers erfahren hatte und sich darauf einen Reim machen konnte.
Verleihnix
Beiträge: 20
Registriert: Fr 2. Dez 2016, 21:39

Re: 1043: Die Faust

Beitragvon Verleihnix » Mo 15. Jan 2018, 15:09

Die Story war eine ziemliche "Räuberpistole". Da bin ich ganz bei den von KiGaZw genannten Punkten.

Erstaunlich finde ich, dass mir dieselbe Story in einer anderen Inszenierung leicht auf den Geist hätte gehen können.

Die Österreicher haben es jedoch perfekt "gewuppt". Kein Klamauk, keine Tristesse, keine Nebengleise, um die 90 Minuten zu füllen.

Der Täter hat schon bemerkenswert viel unternommen, um den Serienkiller zu inszenieren - bis hin zur Vergewaltigung der Leichen. Dabei war doch sein Risiko bei einer möglichen Entlarvung nicht so sehr bedrohlich. Es ist nach meinem Dafürhalten sogar fraglich, ob sich da weitreichende Konsequenzen für ihn ergeben hätten.

Was mich verwundert hat (neben der bereits erwähnten fehlenden Blutspuren) ist, dass der Täter nicht erkannt hat, dass er die Falsche erwischt hat. Man muss doch irgendwie merken, wen man vergewaltigt. Ich könnte das jetzt noch weiter vertiefen, so in Richtung Vergewaltigung bei zerschmettertem Gesicht - aber auf dem Sektor fehlt mir ohnehin jegliches Vorstellungsvermögen.

Der Mann im weißen Anzug war wirklich gruselig (ein bisschen wie Star Wars). Die Szene, als er bei seiner Familie zu Hause war (und ich mal wieder als einziger immer noch nicht wusste, wer der Täter ist), fand ich auch spannend gemacht - als ob er seine Familie noch einmal ansieht, als wäre es das letzte Mal.

Für mich die beste TO-Erstausstrahlung seit einigen Wochen.
Benutzeravatar
Tatort_Celerina
Beiträge: 1167
Registriert: Mo 29. Dez 2008, 09:22
Wohnort: Köln

Re: 1043: Die Faust

Beitragvon Tatort_Celerina » Mo 15. Jan 2018, 16:54

SherlockH85 hat geschrieben:Auch großartig: Die Profiler-Omi, die in knapp 2 Minuten einige andere Tatort-Teams veräppelt hat.
Kannst du das für mich aufschlüsseln?
Mein 983. Tatort:
Tatort Kiel
Borowski und das Land zwischen den Meeren
mit Kommissar Borowski
heletz
Beiträge: 223
Registriert: So 6. Sep 2009, 18:53

Re: 1043: Die Faust

Beitragvon heletz » Mo 15. Jan 2018, 19:20

Und wieder einmal hat Österreich gezeigt, wie ein spannender unterhaltsamer tatort geht!

Perfekt ausbalanciert mit köstlich-komischen Szenen, damit die Spannung nicht unerträglich wird (Beispiel: Als die Cobra, das österreichische Pendant zum deutschen SEK, eingesetzt wird, hört der Verdächtige ein "Hände hoch!" nimmt dabei die Decke, die er gerade in Händen hat, mit hoch und ist im nächsten Moment wie bei einem Magier verschwunden. Im Garten, in den er flieht, ist natürlich von der tollen Cobra keiner und wenn der Moritz und die Bibi nicht wären, wäre er weg. Tätowiert ist er, als ob er eine Decke um hätte.

Oder der herrliche Dialog zwischen Bibi und Moritz. Gerdarezu loriotisch, als der Moritz feststellt, die Bibi könnte sich auf den zweiten Chefposten bewerben „Dann bist du weg. Also auch von mir“, jammert er. Der Kollege, mit dem sie dann wohl arbeiten würde, sei aber fröhlicher als er, sagt Bibi. Moritz darauf bissig: "Ich bin auch fröhlich." Fellner: "Jetzt auch?" Eisner noch bissiger: "Ja sicher."

Am Schluß das typisch Wienerische offene Ende.

Das war der beste Tatort dieses Jahres bisher!

9 von 10 Punkten.
Cer
Beiträge: 291
Registriert: Mo 27. Apr 2009, 05:46

Re: 1043: Die Faust

Beitragvon Cer » Mo 15. Jan 2018, 19:45

SherlockH85 hat geschrieben:Was andere Tatorte zu wenig an Story haben, hatte dieser etwas zu viel. In den ersten 45 Minuten auf 10 Punkte-Kurs, danach wurde es politisch und dadurch sehr verworren. Dennoch: einer der besten Tatorte der letzten Monate und eine klare Steigerung gegenüber dem letzten Wiener Tatort "Virus".

Trotz verworrener Story und dem für mich uninteressanten Thema war es spannend und kurzweilig, aufgelockert mit witzigen Szenen. Ich sage nur: "Simsalabim". Auch großartig: Die Profiler-Omi, die in knapp 2 Minuten einige andere Tatort-Teams veräppelt hat. Gut waren auch die Szenen im Parkhaus und in der Wohnung (Tötung der Mitbewohnerin). Mišel Matičević war gut gecastet (auch wenn man dadurch früh wusste, wer der Täter ist), da er es hinbekommen hat, einen Fake-Akzent zu sprechen, der nicht lächerlich klingt. Danke dafür!

Zusammenfassung: Trotz der Storyschwächen war alles dabei: Humor, Grusel, Spannung. Danke, insgesamt war das eine runde Sache - da sehe ich auch über die überfrachtete Story hinweg! Die Regie war top - sehr schöne Bilder und auch die Musik wurde dosiert eingesetzt, ohne nervig zu sein.

Mit Bibi-Bonus ergibt das 9,4 Punkte - bei jedem anderen Team hätte ich für die Story höchstens 5 Punkte gegeben, das muss ich zugeben :lol:
(Aufschlüsselung der Wertung: Story 8/10; Spannung/Humor 10/10; Ermittler 10/10; Darsteller 9/10; Umsetzung 10/10).


Malaika hat geschrieben:Volle Punktzahl für das Wiener Dreamteam Neuhauser/Krassnitzer! Endlich mal wieder ein spannender Tatort ohne ermüdendes Privatgedöns und langweiliges, experimentelles Rumgegurke. Spannend, geradeaus, nachvollziehbar, Musik war passend, kein Kameragewackel. So muss ein Tatort sein. Die Weaner können's halt.


Inhaltlich volle zustimmung - macht für mich insgesamt 7,7 P.
Benutzeravatar
Wachtmeister
Beiträge: 423
Registriert: Di 27. Sep 2011, 00:30

Re: 1043: Die Faust

Beitragvon Wachtmeister » Mo 15. Jan 2018, 22:00

Gleich zu Beginn fallen zwei Dinge positiv auf: Erstens schwarzer Humor und ein etwas bizarres Verhältnis zum Tod, was zum Wiener Lokalkolorit gehört; zweitens ein Manfred Schimpf, der zwar seine Eigenheiten hat, aber kein Volltrottel ist – eine gute Weiterenwicklung der Figur. Am Ende weiß man, daß der Film überhaupt ohne Trottel auskommt – vorbildlich.
Als Alternative zu den Nebensträngen aus dem gestörten Privatleben von Kommissaren (die nur noch in Krimiparodien zu ertragen sind) wird ein polizeiinternes Personalproblem geboten, das leichte Auswirkungen auf die Ermittlungen hat und
Spoiler :
sich am Ende als Scheinproblem erweist – zwischendurch aber sicher
so manchem Fan aus Sorge um die Zukunft des Traumpaars unter den Tatortermittlern den Schweiß auf der Stirn hat perlen lassen. Solange das nicht zur Masche wird, ist es amüsant.

Zu den Wiener Tatorten gehört oft ein Bezug zu den Umwälzungen in Osteuropa und den Folgen für Mittel- und Westeuropa. Diesmal sind es die "Farbrevolutionen". Das Thema, daß bei Umstürzen und Revolutionen in der Welt Geheimdienste der Weltmächte mitmischen ist (auch außerhalb der Krimi-Welt) nicht neu, wird hier nicht plump behandelt.
Spoiler :
Von vieren ist einer tatsächlich Verbindungsmann der CIA und ermordet drei Menschen, einen davon irrtümlich, zwei, weil ihre geplante Buchveröffentlichung ihn auffliegen lassen könnte. Der dritten Person fällt er am Ende selbst zum Opfer, teils aus Rache, teils aus Furcht, selbst von ihm ermordet zu werden.

Der Täter ist bald nach dem ersten Auftritt erkennbar – einfach weil es sonst niemanden gibt, der es hätte sein können. Das Ablenkungsmanöver
Spoiler :
mit den Schüssen in der Bibliothek
kann daran nichts ändern. Es ist aber kein Spannungskiller, denn die Motivation und seine Festnahme sind noch unklar.

In der zweiten Hälfte geht m. E. streckenweise die Inszenierung etwas aus dem Leim, was wohl am Schnitt liegt. Alles wirkt etwas konfus, verwirrt aber nicht. In der letzten Viertelstunde wird es dann wieder stringenter.
Optisch ist der Film gelungen. Es werden nicht die üblichen Wien-Bilder gezeigt. Auffällig sind das Kommissariat und Kantine düster gehalten, die Polizeiarbeit konzentrierter erscheinen läßt.
Sehr gelungen sind die Verkleidungsszenen der Nataliya: Die Verwandlung mit Brille und Perücke ist sehr deutlich und wird gut ins Bild gesetzt.

Dem Buch ist es zu verdanken, daß die Figuren, auch der kleineren Rollen, keine eindimensionalen Typen waren und ihre eigenen Absichten und Motive äußern können. Die Schaupieler überzeugen durch gute Ensemblearbeit. Niemand ragt heraus. Aus diesem Rahmen fällt sehr passenderweise der kurze Auftritt der Profilerin Cerwenka. Der gibt dem Fall, in der Mitte des Films plaziert, nicht nur eine Wende in der Ermittlungsrichtung, sondern ist zugleich eine Krimisatire. (Man stelle sich vor, Faber in Dortmund würde plötzlich sagen: "Ich zieh euch nur auf.") Satirisch ist bereits der Einsatz der Cobra-Einheit gewesen: Zuerst wird scheinbar den Beschwerden von uns (Hobby-)Kritikern recht gegeben, wenn sich Krimi-Ermittler unprofessionell in Gefahr begeben, in diesem Fall aber wird dann der Einsatz der Sondertruppe zum Witz. Diese Szenen sind auch ein Hinweis für die Zuschauer: Es ist ein Film! Auch wenn das Thema aus der Realität stammt. Aber ein Film (oder auch ein Roman) kann eben die Bedeutung großer politischer Konflikte für das Leben einzelner beteiligter Menschen zeigen.

"Solide" möchte ich den Film nicht nennen, weil mir das in diesem Fall wie eine Abwertung vorkommt. "Professionell" trifft es besser. Man hat sich am Thema nicht überhoben, obwohl man hochgegriffen hat. Und man hat nicht offen moralisiert, obwohl ein moralischer Blick auf politische Aktivitäten, auf politische Ideale und ihre Korrumpierung geworfen wird.

Und dann gab es noch Szenen in der Polizeikantine – auf sowas steh ich. Nur daß ich den Appetit auf ein Wiener Schnitzel, den die Kamera in mir weckt, nicht befriedigen konnte ...

Zurück zu „Die Folgen“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Tatort_Celerina und 20 Gäste