346: Krokodilwächter

Alles rund um die einzelnen Tatort-Folgen
Waltzing Matilda
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346: Krokodilwächter

Beitragvon Waltzing Matilda » Mi 10. Jan 2018, 15:07

Sender Freies Berlin
Berlin

Fernsehfilm Deutschland 1996

Erstsendung: 10. November 1996

Personen:
Ernst Roiter - Winfried Glatzeder
Michael Zorowski - Robinson Reichel
Dima Kaschpirowskij - Dirk Martens
Viktor - Stefan Jürgens
Sascha Gorbunow - Hermann Lause
Irina - Nadeshda Brennicke
Nadja - Theresa Hübchen
Wittkowski - Karl Kranzkowski
Olek Barschowski - Michael Kind
Lischka - Rüdiger Matzeit
Kramer - Thomas Ahrens
Kramnik - Wolfram Teufel
u. a.

Buch: Andreas Pflüger
Regie: Berno Kürten

In einem Postauto explodiert eine Briefbombe. Ein Postangestellter wird getötet. Hauptkommissar Roiter und sein Kollege Zorowski übernehmen die Ermittlungen. Doch zunächst tappen sie im Dunkeln. Solange das Labor die Überreste des Päckchens nicht analysiert hat, können sie nichts tun.

Dann geschieht ein weiterer Mord, der auf den ersten Blick mit der Explosion in dem Postwagen nichts zu tun zu haben scheint: Die Leiche der jungen Russin Irina wird im Stadtforst gefunden, und die Polizisten stoßen auf die Spur eines Mafia-Rings. Junge Frauen werden aus Rußland illegal nach Berlin eingeschleust. Gleich nach der Ankunft im goldenen Westen werden sie an Bordelle ?vermietet?. Die Mafia kassiert einen Prozentsatz der Einnahmen von den Bordellbesitzern. Das Ganze funktioniert nach dem Prinzip eines alten russischen Sprichwortes: Du kriegst das Fleisch, aber ich die Knochen...

Irinas Schwester Nadja ist in höchster Gefahr, denn sie war Zeugin des Mordes an Irina und konnte im letzten Augenblick fliehen. Jetzt versteckt sie sich vor der Mafia; sie weiß, daß auch sie in tödlicher Gefahr ist. Als Roiter und Zorowski endlich Licht in den Fall gebracht haben, stellen sie fest, daß die Briefbombe und Irinas Ermordung in direktem Zusammenhang stehen. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt...

Zur Folgenseite im Fundus: http://www.tatort-fundus.de/web/folgen/chrono/1990-bis-1999/1996/346-krokodilwaechter.html
Waltzing Matilda
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Re: 346: Krokodilwächter

Beitragvon Waltzing Matilda » Mi 10. Jan 2018, 15:22

Ich hoffe, ich hab die Einleitung in diesen Thread halbwegs sauber hingekriegt.

"Kopper" war zwar nicht der erste Mafia-Tatort, aber meiner Meinung nach der beste - jedenfalls gibt uns die vergiftschrankte 90er-Folge "Krokodilwächter" ein schönes Beispiel für einen weitaus weniger gelungenen Mafia-Film. Während bei "Kopper" die meisten Mafiosi eher namenlose Nebenrollen spielten (von Sandro mal abgesehen) und trotzdem die Mafia-Bedrohung für alle Beteiligten immer präsent war, geht es in "Krokodilwächter" nur um ein stumpfes Gemetzel zwischen den einzelnen Gangstern, die hier einer russischen Mafia angehören, wobei die Russen eigentlich alle von deutschen Schauspielern gespielt werden und so richtig russische Stimmung nicht aufkommen mag.

Was ich nicht verstanden habe: Was hatte der Mord am Anfang mit dem Rest des Films zu tun? Wurde der überhaupt aufgeklärt? Oder war das nur eine Beschäftigung für die Kommissare, damit sie in der ersten halben Stunde etwas zu tun haben, bevor das Mafia-Gemetzel in die Pötte kommt? Die Ermittler haben mich auch eher enttäuscht. Zorowski war eigentlich noch o.k. (bei dem Thema hatte ich einen klischeehafteren Auftritt von ihm befürchtet). Aber Roiter... der kommt da mit solchen Sprüchen an wie "Ich hab gehört, Sie haben hier Russinnen?" und wundert sich, dass er sich selbst damit sogleich als Polizist entlarvt; und anschließend kann er nicht mal einen Mord verhindern.

Spoiler :
Das Ende war noch einmal ein Tiefpunkt, jedenfalls der albernste Showdown, den ich je im Tatort gesehen habe: Die Gangster ballern mit Maschinengewehren auf die Kommissare, ohne dass diese einen Kratzer abbekommen - und dann genügt ein Schuss des Kommissars, um den Gangster zur Strecke zu bringen. Und der andere wird von einem Mädel abgeknallt, dass sich von hinten angeschlichen hat. Allerdings muss ich gestehen, dass mich die "Wiederauferstehung" dieses anderen Gangsters durchaus überrascht hat, das hatte ich tatsächlich nicht vorhergesehen.


Es schienen mir einige Parallelen zu "Der Pate" eingebaut worden zu sein:
- Das Zitat "Er liegt bei den Fischen." findet sich auch im ersten Teil von "Der Pate".
- Beide Filme beginnen mit einer Hochzeit in Mafia-Kreisen, wobei der Bräutigam bei der Familie der Braut jeweils in Ungnade fällt.

Streckenweise fand ich den Film tatsächlich etwas spannend, aber sinnlos brutale Action allein macht noch keinen spannenden Mafia-Tatort aus. Aber dass der sperrvermerkte Film noch immer im Giftschrank schlummert, ist mittlerweile eigentlich nicht mehr gerechtfertigt - denn sonst müssten auch die Tschiller-Folgen, die nach einem ähnlichen, nur noch viel brutaleren Muster gestrickt sind, dort schlummern. Stattdessen kann man die Tschiller-Folgen aber alle schon auf DVD kaufen.

Generell finde ich, dass man sich ruhig mal wieder trauen könnte, die alten Roiter-Folgen im Fernsehen zu zeigen - allein schon deshalb, weil ich die meisten noch gar nicht gesehen habe.
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Re: 346: Krokodilwächter

Beitragvon Francois » Mi 10. Jan 2018, 16:01

IIRC: Der Postbote Lischka hat ein "Übergewicht" transportiert, das an Oleks Puff adressiert war. Zwischenzeitlich stirbt ja Irina und Roiter und Zorro haben einen (weiteren) Fall, der (natürlich) zusammenhängt, wie sich später rausstellt. Der Mord an Lischka wird nicht aufgeklärt.
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Re: 346: Krokodilwächter

Beitragvon Waltzing Matilda » Mi 10. Jan 2018, 16:22

Vielen Dank für die Antwort. Während ich den Film schaute, hatte ich bei der ganzen Mafia-Schlacht den Postboten irgendwann völlig vergessen. Im Nachhinein fiel er mir dann wieder ein.

Generell spielten die Kommissare und ihre Ermittlungen ja eher eine untergeordnete Rolle in dieser Folge. Das Nennenswerteste war wohl, dass Roiter in einem Zelt übernachtete, weil er irgendeine Wette verloren hatte, die nach meiner Erinnerung nicht näher thematisiert wurde, und Zorowski hielt am Ende noch einen langen und irgendwie komischen Monolog.

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