1041: Mord ex Machina

Alles rund um die einzelnen Tatort-Folgen
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Purzelito
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Re: 1041: Mord ex Machina

Beitragvon Purzelito » Mo 1. Jan 2018, 22:29

Nach "Söhne und Väter" war das für mich auch eine durchaus sehenswerte Stellbrink-Folge. Man hätte wirklich eher am Image des Kommissars feilen sollen, denn mittlerweile hat die Figur an Relevanz gewonnen.

Neben dem Computer- und Hackerschnickschnack bot sich eine solide Dreiecksgeschichte - Jeanne d'Arc und die beiden Musketiere - die wie meist an Liebe und Eifersucht scheitert. Ein Hackerstreich gerät zum Desaster und trennt die drei.

Was in der Vergangenheit fusst, wird in ästhetischen Bildern im Jetzt weitererzählt. Coole Farben, Erlkönige voller Elektronik, hippe Büros, leckere Smoothies, ein manipulierter und manipulierender Toyboy, eine Hackerin im Lisbeth-Salander-Look und eine Million Euro.

Das eigentlich Sehenswerte daran war für mich Stellbrink selbst. Dialoge und Mimik (vor allem die Szene mit dem Fake Chat im Datingportal) fand ich ausgefeilt und unterhaltsam. Spannend war's nicht gerade.

Die vielen kleinen Gefahren der digitalen Welt, die noch gezeigt wurden ... geschenkt. Oma und Opa wissen eh nicht, wovon die Rede ist und die Jungen wird es eher amüsiert haben.
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Purzelito
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Re: 1041: Mord ex Machina

Beitragvon Purzelito » Mo 1. Jan 2018, 22:39

Carlo Menzinger hat geschrieben:Äh, mir war langweilig und ich konnte mich nicht konzentrieren. Kann mir nochmal jemand die Lösung in 1-2 Sätzen sagen? Wer hatte jetzt den Feuerbach umgebracht und warum? Es war doch der Rousseau, oder? Aber weswegen nochmal?

Hallo Carlo Menzinger, es ging um die Folgen des Hackerstreichs in Nancy Anfang der 2000er Jahre, bei dem es Tote und Verletzte gegeben hatte, als alle Ampeln auf grün geschaltet waren.
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Re: 1041: Mord ex Machina

Beitragvon Carlo Menzinger » Mo 1. Jan 2018, 23:29

Purzelito hat geschrieben:
Carlo Menzinger hat geschrieben:Äh, mir war langweilig und ich konnte mich nicht konzentrieren. Kann mir nochmal jemand die Lösung in 1-2 Sätzen sagen? Wer hatte jetzt den Feuerbach umgebracht und warum? Es war doch der Rousseau, oder? Aber weswegen nochmal?

Hallo Carlo Menzinger, es ging um die Folgen des Hackerstreichs in Nancy Anfang der 2000er Jahre, bei dem es Tote und Verletzte gegeben hatte, als alle Ampeln auf grün geschaltet waren.

Ah, danke. Das hilft meinem Gedächtnis wieder auf die Sprünge und ich kann so langsam nachvollziehen, um was es ging. Aber hatte mit diesem Hackerstreich die Hackerin oder der Psychopath (Fichte) etwas damit zu tun? Oder Rousseau? Woher wusste Feuerbach denn davon, um Rousseau unter Druck zu setzen?
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Carlo Menzinger
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Re: 1041: Mord ex Machina

Beitragvon Carlo Menzinger » Mo 1. Jan 2018, 23:33

Purzelito hat geschrieben:Neben dem Computer- und Hackerschnickschnack bot sich eine solide Dreiecksgeschichte - Jeanne d'Arc und die beiden Musketiere - die wie meist an Liebe und Eifersucht scheitert. Ein Hackerstreich gerät zum Desaster und trennt die drei.

Ah, stimmt, die drei, das waren neben Jeanne Dark auch Feuerbach und Rousseau?

leckere Smoothies

Hast Du schonmal so einen Grünkohl-Spinat-Smoothie gerochen? Da würden Dir dann aber andere Worte als "lecker" einfallen". Mir läuft es jetzt noch beim Schreiben dieser Zeilen eklig eiskalt den Rücken runter...
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Re: 1041: Mord ex Machina

Beitragvon heletz » Di 2. Jan 2018, 06:55

Sehen wir uns die Hauptthesen der im Film vorkommenden Philosophen einmal an!

Jean-Jacques Rousseau: Sah die Kehrseite des Fortschritts nicht als zweitrangig an, sondern postulierte, gerade die Perfektibilität des Mernschen habe diese Folgen als das Gegenteil der guten Absichten hervorgebracht.

Paul Johann Anselm von Feuerbach: Wichtig ist sein Werk „Anti-Hobbes, oder über die Grenzen der bürgerlichen Gewalt und das Zwangsrecht der Unterthanen gegen ihre Oberherren (Gießen 1798)“
Seine (heute allgemein anerkannte) Hauptforderung lautete „Nulla poena sine lege scripta“. Dies bedeutet:
- Gesetze müssen allgemein bekannt
- Tatbestände müssen klar formuliert
- die Unrechtsfolgen (Strafrahmen) müssen von vornherein feststehen.

(Man denke an die letzte Szene, als Rousseau dann doch nicht davonkommt)
Auch psychologische Studien über das Seelenleben der Täter verfaßte er.

Johann Gottlieb Fichte: Vertreter des Deutschen Idealismus, seine bekannteste These ist die vom „Absoluten Ich“ („Das Ich setzt sich selbst ...“).
Behauptete, die praktische Vernunft sei der theoretischen übergeordnet. Daher kommt nach seiner Überzeugung der praktischen Vernunft absolute Freiheit zu. Das Selbstbewußtsein des absoluten Ich könne nur unter den Bedingungen des Sittengesetzes existieren.

Endlich Blaise Pascal: In der Apologie des Christentums sieht er zwei Hauptwege. Die Titel „Erster Teil: Elend des Menschen ohne Gott. Zweiter Teil. Glückseligkeit des Menschen mit Gott“, zeigen deutlich, daß der Mensch ohne sittlich-religiöse Bindung keine Glückseligkeit erlangen kann. Nach seiner Überzeugung ist der Glaube an Gott nicht nur richtig, sondern erfolgt auch durch die Vernunft (Aufklärung!). Er vertrat die Einheit allen Seins, während in seiner Epoche schon die Trennung von Glauben und Wissen gefordert wurde.

Noch war ich nicht dort, aber ich nehme an, der Ort der Tötung ist die Völklinger Hütte, wodurch auf das Verbindende der alten mit der neuen Technik verwiesen werden soll.

Die Janusköpfigkeit von Jeanne d’Arc/Jeanne Dark finde ich sehr gelungen!

Das Motiv des Mordes ist dann doch nur schlicht Eifersucht.

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Re: 1041: Mord ex Machina

Beitragvon heletz » Di 2. Jan 2018, 11:23

Carlo Menzinger hat geschrieben:...

Hast Du schonmal so einen Grünkohl-Spinat-Smoothie gerochen? Da würden Dir dann aber andere Worte als "lecker" einfallen". Mir läuft es jetzt noch beim Schreiben dieser Zeilen eklig eiskalt den Rücken runter...


Den sehe ich weniger aus geschmacklicher Perspektive, sondern eher als Anspielung auf Rousseaus «retour à la nature».

Als Stellbrink das zweite Mal in der Firma erscheint, bestellt er sich sogar eigens einen, stellt ihn jedoch ohne daran zu nippen ab und nimmt ihn auch nicht wieder auf.

Soll wohl heißen: Mit Technikfeindlichkeit allein geht's auch nicht.

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Re: 1041: Mord ex Machina

Beitragvon Deichgraf » Di 2. Jan 2018, 14:13

Hm die ARD hätte diesen lieber als letzten Striesow verkaufen sollen, wg Epilepsie, Sterbehilfe und zum Schluss löscht er noch sein Profil, schmeißt das Handy über den Balkon in die Saar.
Gut die bösen Fakten weiß nur Natascha, aber ein Polizist der so Angreifbar ist, ich weiß nicht.

Desweiteren macht einem der Tatort fast Angst, wenn das die Zukunft ist, möchte ich doch Lieber 30 Jahre vorher gelebt haben......
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Re: 1041: Mord ex Machina

Beitragvon heletz » Di 2. Jan 2018, 14:23

Deichgraf hat geschrieben:...

Gut die bösen Fakten weiß nur Natascha, aber ein Polizist der so Angreifbar ist, ich weiß nicht.
......


So angreifbar ist er gar nicht, da übertreibt das Drehbuch schamlos.

Wegen der Stringenz der Geschichte lasse ich das aber durchgehen.

Jetzt ist mir auch wieder der Satz von Blaise Pascal eingefallen, den er zitiert:

Wenn alle Menschen wüßten, was die einen über die anderen reden, so gäbe es keine vier Freunde auf Erden.


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Re: 1041: Mord ex Machina

Beitragvon (Tat)ortimOsten » Di 2. Jan 2018, 15:52

Purzelito hat geschrieben:
Carlo Menzinger hat geschrieben:Äh, mir war langweilig und ich konnte mich nicht konzentrieren. Kann mir nochmal jemand die Lösung in 1-2 Sätzen sagen? Wer hatte jetzt den Feuerbach umgebracht und warum? Es war doch der Rousseau, oder? Aber weswegen nochmal?

Hallo Carlo Menzinger, es ging um die Folgen des Hackerstreichs in Nancy Anfang der 2000er Jahre, bei dem es Tote und Verletzte gegeben hatte, als alle Ampeln auf grün geschaltet waren.


Das ist ein von zwei Motiven, die ich auf dem Zettel hatte. Ich präfereiere aber eher zu der Tatsache, dass Rousseaus Firma gehackt wurde und Feuerbach diese Tatsache möglichen Kunden verraten wollte. Gerade in einem solch sensiblen Bereich, wie bei autopilotisierten Fahrzeugen, schreckt das einige ab.

Wobei ich mich frage, welche Regierung im Film gemeint war, die solche Fahrzeuge bestellt. Vor allem, weil Fälle von Cyberkriminalität nicht weniger werden. Dieses Grundthema wirkt auch für den "Technikstandort" Saarland (ich will niemanden zu nah treten) etwas weit hergeholt.

"Mord ex Machina" ist ein ordentlicher Tatort, nix Weltbewegendes, der vor allem bei den Beziehungen zwischen den drei Musketiere + Toyboy aber rund erzählt ist. Auch Stellbrink wirkt auch ohne diesen klamaukigen Anteil früherer Folgen sehr sympatisch, ich habe ein gutes Gefühl, dass diese Epoche relativ versöhnlich endet. Seine vier Mitstreiter bleiben uninteressantes Beiwerk, bleibt zu hoffen, dass keiner von denen ab 2020 noch existiert.

Gut gemeinte, aber verdiente 6,0 Punkte.
Bis bald!
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Purzelito
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Re: 1041: Mord ex Machina

Beitragvon Purzelito » Di 2. Jan 2018, 16:52

Carlo Menzinger hat geschrieben:
Purzelito hat geschrieben:Neben dem Computer- und Hackerschnickschnack bot sich eine solide Dreiecksgeschichte - Jeanne d'Arc und die beiden Musketiere - die wie meist an Liebe und Eifersucht scheitert. Ein Hackerstreich gerät zum Desaster und trennt die drei.

Ah, stimmt, die drei, das waren neben Jeanne Dark auch Feuerbach und Rousseau?

leckere Smoothies

Hast Du schonmal so einen Grünkohl-Spinat-Smoothie gerochen? Da würden Dir dann aber andere Worte als "lecker" einfallen". Mir läuft es jetzt noch beim Schreiben dieser Zeilen eklig eiskalt den Rücken runter...

Zu deiner ersten Frage: ja.
Zu deiner zweiten Frage: nein. Ist nicht mein Ding.

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