1037: Böser Boden

Alles rund um die einzelnen Tatort-Folgen
witchy_woman
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Re: 1037: Böser Boden

Beitragvon witchy_woman » Mo 27. Nov 2017, 08:38

Wachtmeister hat geschrieben:Die Inszenierung ist zu "theatralisch". Und das läuft der Absicht zuwider, gesundheitsschädliche Umweltzerstörungen anzuprangern und als (indirektes) Mordmotiv zu präsentieren. Die Verknüpfung von Ausländerfeindlichkeit, Umweltverschmutzung und sozialer Frustration ist allerdings mutig und erschwert für die Zuschauer die Beantwortung der Frage "Wer war's?".
Eine weitere Schwäche der Inszenierung sind die Szenen der Versammlung und der Zusammenrottung. Das gelingt nur wenigen Regisseuren.

Falke scheint Persönlichkeitsveränderungen durchgemacht zu haben. Der Privatkram erklärt zwar Falkes geistiges Abwesenheit, ist insgesamt aber eher störend. Vor allem ist es nicht glaubwürdig, daß ein Sonderermittler in einem Mordfall sich mal eben vom Einsatzort entfernt.
Daß er über lange Zeit im Film mögliche Vergiftungen nicht wahrnehmen will, paßt nicht zu der Figur, die wir bisher als Falke sehen konnten.
Was er als Bundespolizist überhaupt mit diesem Fall zu tun hat, ist unerklärlich und paßt nicht zur Rolle, die bisher seit der Verdrängung aus Hamburg durch Tschiller gezeigt wurde.
Die etwas spröde Grosz nicht noch nicht einzuschätzen. Man mußte sich erst einmal erinnern, woher sie kommt. Die letzte Folge, in der sie zur Kollegin Falkes wird, wurde vor anderthalb Jahren gezeigt. Die Reibereien zwischen beiden drehen sich in diesem Film um Professionalität und passen deshalb in einen Krimi.

Die Bildgestaltung und die Szenerie des Films ist sehenswert, auch das Nieselwetter paßt gut dazu. Nur selten wird eine ungewöhnliche Kameraperspektive gewählt, die nur effekthascherisch wirkt.

Der Schluß ist dann populistisch-paranoid: Der Staat vertuscht Verbrechen der Großindustrie. Das ist vor allem deshalb nicht glaubwürdig, weil die Gesundheitsschäden so offen sichtbar gezeigt werden. Krebserkrankungen dagegen kommen schleichend, und ein Zusammenhang mit Ursachen ist schwieriger zu belegen.

Der Film fällt nicht aus dem Rahmen der Tatort-Reihe, er ist überhaupt kein "Experiment". Thema und Plot sind durchaus interessant. Die Ausführung läßt aber sehr zu wünschen übrig.


Dein Text gibt so ungefähr mein Empfinden wieder.
Ganz allgemein finde ich, daß hier viel zu dick aufgetragen wurde. Diese Zombies wirkten nur lächerlich, ich konnte nicht einmal Mitleid empfinden. Schade, denn ein richtig gutes Thema ist hier durch diese Darstellung quasi heruntergespielt worden. Daraus hätte man einen schönen Umweltthriller machen können, hat sich aber (wieder einmal) leider nicht getraut.

Die Person Falke diesmal als kompletter Unsympath, das war einmal anders. Allerdings liegt die letzte Folge auch schon zu lange zurück, kaum wußte ich noch, wie die neue Kollegin überhaupt ins Spiel kam. Schade, denn sie hat Profil.
Die vielen Kamerafahrten über die Landschaft waren teilweise überflüssig und wirkten wie Zeitschinderei, ebenso die private Geschichte. (Wo kommt eigentlich auf einmal der Sohn her?).
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Purzelito
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Re: 1037: Böser Boden

Beitragvon Purzelito » Mo 27. Nov 2017, 11:32

witchy_woman hat geschrieben:Ganz allgemein finde ich, daß hier viel zu dick aufgetragen wurde. Diese Zombies wirkten nur lächerlich, ich konnte nicht einmal Mitleid empfinden. Schade, denn ein richtig gutes Thema ist hier durch diese Darstellung quasi heruntergespielt worden. Daraus hätte man einen schönen Umweltthriller machen können, hat sich aber (wieder einmal) leider nicht getraut.

(Wo kommt eigentlich auf einmal der Sohn her?).

Da gebe ich dir Recht, witchy_woman, heruntergespielt und lächerlich gemacht - im höchsten Masse tendenziös. Gerade das Thema Fracking hätte man so nicht behandeln dürfen, weil es den Befürwortern einen Bärendienst erweist, indem die Kritiker und Bürgerinitiativen als krank dargestellt werden. Personifizierte Ängste kann man auch anders darstellen ohne die hippe Zombie-Variante. Die Frackingunternehmen haben schon einen Fuss in der Tür. Bisher sind die deutschen Frackjobs angeblich nicht kommerziell, doch was ist, wenn das Frackinggesetz bald neu verhandelt wird? Siegt dann wieder der Kommerz? Ist genügend über die Folgen in unserem dicht besiedelten Land diskutiert worden?

Der Tatort hat die brisanten Fragen alle aufgeworfen: Erdverwerfungen/Erdbeben, Leckagen, Entsorgung von immensen Mengen belasteten Rückflusswassers, unabsehbare Folgen für Grundwasser, Flora und Fauna im Boden, Belastung mit Giftstoffen. Insofern hätte das, wie du schon sagst, einen hochexplosiven Ökothriller abgeben können. Stattdessen vergeigt man die Chance zombiemässig.


Den Sohn hat Falke aus einer flüchtigen Beziehung. Steht zumindest so im Rollenprofil. Ich kann mich aber auch nicht erinnern, ob und wann er schon mal erwähnt wurde.
witchy_woman
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Re: 1037: Böser Boden

Beitragvon witchy_woman » Mo 27. Nov 2017, 12:22

Purzelito hat geschrieben:Da gebe ich dir Recht, witchy_woman, heruntergespielt und lächerlich gemacht - im höchsten Masse tendenziös. Gerade das Thema Fracking hätte man so nicht behandeln dürfen, weil es den Befürwortern einen Bärendienst erweist, indem die Kritiker und Bürgerinitiativen als krank dargestellt werden. Personifizierte Ängste kann man auch anders darstellen ohne die hippe Zombie-Variante. Die Frackingunternehmen haben schon einen Fuss in der Tür. Bisher sind die deutschen Frackjobs angeblich nicht kommerziell, doch was ist, wenn das Frackinggesetz bald neu verhandelt wird? Siegt dann wieder der Kommerz? Ist genügend über die Folgen in unserem dicht besiedelten Land diskutiert worden?

Der Tatort hat die brisanten Fragen alle aufgeworfen: Erdverwerfungen/Erdbeben, Leckagen, Entsorgung von immensen Mengen belasteten Rückflusswassers, unabsehbare Folgen für Grundwasser, Flora und Fauna im Boden, Belastung mit Giftstoffen. Insofern hätte das, wie du schon sagst, einen hochexplosiven Ökothriller abgeben können. Stattdessen vergeigt man die Chance zombiemässig.



Den Sohn hat Falke aus einer flüchtigen Beziehung. Steht zumindest so im Rollenprofil. Ich kann mich aber auch nicht erinnern, ob und wann er schon mal erwähnt wurde.


Das ist richtig, die ganzen von Dir erwähnten Punkte treiben zumindest mich um, seitdem ich von dieser Methode erstmals gehört habe. Unmittelbar Betroffene haben sicher noch deutlich mehr Informationsbedürfnis. Dem wird dieser "verrückte Mob" einfach nicht gerecht. Zu Deinen o. g. Fragen habe ich so meine Zweifel. Wir werden sehen, was kommt, aber ich bin da seeeeehr skeptisch!

Übrigens, zu Deinem ersten Beitrag: Falke hat die Polizistin wegen Ihrer deutlichen Stellungnahme zu der Firma kritisiert. Da kam klar zum Ausdruck, daß sie ein Teil der Unternehmensgegner ist. Das ist natürlich ihre Privatangelegenheit, aber da sie in dem Fall zu ermitteln hat war das kein neutrales Verhalten und daher nicht korrekt. Finde die Kritik von Falke daher in Ordnung, wenn sie auch sachlicher hätte ausfallen können.
Der zweite Fehler dieser Beamtin war, daß sie den Hofbesitzer offensichtlich auf den Besuch der Bundespolizei vorbereitet hatte. Das war ein klares "No-Go".
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Purzelito
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Re: 1037: Böser Boden

Beitragvon Purzelito » Mo 27. Nov 2017, 12:55

witchy_woman hat geschrieben:Übrigens, zu Deinem ersten Beitrag: Falke hat die Polizistin wegen Ihrer deutlichen Stellungnahme zu der Firma kritisiert. Da kam klar zum Ausdruck, daß sie ein Teil der Unternehmensgegner ist. Das ist natürlich ihre Privatangelegenheit, aber da sie in dem Fall zu ermitteln hat war das kein neutrales Verhalten und daher nicht korrekt. Finde die Kritik von Falke daher in Ordnung, wenn sie auch sachlicher hätte ausfallen können.
Der zweite Fehler dieser Beamtin war, daß sie den Hofbesitzer offensichtlich auf den Besuch der Bundespolizei vorbereitet hatte. Das war ein klares "No-Go".

Ja, okay, in der Sache sehe ich das ein. Carlo Menzinger hatte es auch so geschrieben. Der Ton macht die Musik. Ich hatte mich an der Art und Weise gestossen, wie Falke den Obermacker raushängen liess und die Dorfpolizisten behandelte, Hamburger Kodderschnauze hin oder her. Da nahm er wohl seinen eigenen privaten Frust mit zum Dienst. Zum Glück hat ihm später die Grosz die Meinung gegeigt.
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Re: 1037: Böser Boden

Beitragvon Connortobi » Mo 27. Nov 2017, 12:59

witchy_woman hat geschrieben:Übrigens, zu Deinem ersten Beitrag: Falke hat die Polizistin wegen Ihrer deutlichen Stellungnahme zu der Firma kritisiert. Da kam klar zum Ausdruck, daß sie ein Teil der Unternehmensgegner ist. Das ist natürlich ihre Privatangelegenheit, aber da sie in dem Fall zu ermitteln hat war das kein neutrales Verhalten und daher nicht korrekt. Finde die Kritik von Falke daher in Ordnung, wenn sie auch sachlicher hätte ausfallen können.
Der zweite Fehler dieser Beamtin war, daß sie den Hofbesitzer offensichtlich auf den Besuch der Bundespolizei vorbereitet hatte. Das war ein klares "No-Go".


Dann ist sie auch noch bei der Versammlung, als der Öko-N*** seinen Freund schlägt, und greift nicht ein, ebenso ist sie am Ende bei dem Mob, der das Gelände stürmen will. Beides sieht Grosz und geht sie deshalb an.
Störend ist die nicht stimmige Charakterzeichnung. Falke staucht sie wegen der Privatsachen zusammen, fährt aber selber in einer Mordermittlung mal eben nach Hamburg, damit AnneMayKantereit einen Song über Vater-Sohn zum Besten geben können. Der Sohn dealt mit Drogen, was anscheinend auch kein großes Problem ist, der ganze Erzählstrang ist komplett überflüssig für den Film (und verlagert Ort und Handlung mal eben komplett, wo man doch ein stimmiges Horror-Dorf haben wollte).
(Ob die Dorfbewohner mit dem fertigen Produkt zufrieden sind?)

Sicher darf man die Folge nicht zu sehr unter Realismus-Aspekten analysieren (wieso errichten die in dem Haus ihre Zentrale? was soll der psychisch kranke Waldschrat? warum ermittelt die Bundespolizei aus Hamburg dort?), aber vieles wäre mit einem Nebensatz erklärbar gewesen, wird aber unterlassen. Den Versuch gab es in den alten Folgen ja noch (Inselmord). Figurenzeichnung war einfach schlecht, nur Frau Grosz kam plausibel rüber.

Eher schwach, aber vielleicht wird es in der nächsten Folge ja wieder, dann gerne gegen internationale organisierte Kriminalität, mit einem Milch trinkenden, schnoddrig-vernünftigen Falke, Grosz kann so bleiben, wie sie gestern war.
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Re: 1037: Böser Boden

Beitragvon Bulldogge » Mo 27. Nov 2017, 13:48

Purzelito hat geschrieben:Den Sohn hat Falke aus einer flüchtigen Beziehung. Steht zumindest so im Rollenprofil. Ich kann mich aber auch nicht erinnern, ob und wann er schon mal erwähnt wurde.


Ich meine Falke hätte schon in einer früheren Folge mit seinem Sohn telefoniert und wollte sich mit ihm treffen. Der Sohn ist dann jedoch nicht zum vereinbarten Treffpunkt erschienen und ließ seinen Vater dort sitzen. Oder verwechsele ich diese Szene jetzt mit Stellbrink?
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Re: 1037: Böser Boden

Beitragvon Purzelito » Mo 27. Nov 2017, 14:14

Bulldogge hat geschrieben:
Purzelito hat geschrieben:Den Sohn hat Falke aus einer flüchtigen Beziehung. Steht zumindest so im Rollenprofil. Ich kann mich aber auch nicht erinnern, ob und wann er schon mal erwähnt wurde.


Ich meine Falke hätte schon in einer früheren Folge mit seinem Sohn telefoniert und wollte sich mit ihm treffen. Der Sohn ist dann jedoch nicht zum vereinbarten Treffpunkt erschienen und ließ seinen Vater dort sitzen. Oder verwechsele ich diese Szene jetzt mit Stellbrink?

Ich weiss es nicht genau. Stellbrink hatte auch so eine Szene, das stimmt.
Daran kann man sehen, wie überflüssig solche Nebenstränge sind, wenn sich nach Jahren niemand genau erinnern kann.
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Re: 1037: Böser Boden

Beitragvon Knipperdolling » Mo 27. Nov 2017, 18:24

Bulldogge hat geschrieben:Ich meine Falke hätte schon in einer früheren Folge mit seinem Sohn telefoniert und wollte sich mit ihm treffen. Der Sohn ist dann jedoch nicht zum vereinbarten Treffpunkt erschienen und ließ seinen Vater dort sitzen. Oder verwechsele ich diese Szene jetzt mit Stellbrink?


Doch, doch, das war Falke. (Fast meine ich mich ja zu erinnern, dass der sogar auch schon mal gezeigt wurde, aber da würde ich jetzt nicht drauf wetten.)
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Re: 1037: Böser Boden

Beitragvon (Tat)ortimOsten » Mo 27. Nov 2017, 20:28

Knipperdolling hat geschrieben:
Bulldogge hat geschrieben:Ich meine Falke hätte schon in einer früheren Folge mit seinem Sohn telefoniert und wollte sich mit ihm treffen. Der Sohn ist dann jedoch nicht zum vereinbarten Treffpunkt erschienen und ließ seinen Vater dort sitzen. Oder verwechsele ich diese Szene jetzt mit Stellbrink?


Doch, doch, das war Falke. (Fast meine ich mich ja zu erinnern, dass der sogar auch schon mal gezeigt wurde, aber da würde ich jetzt nicht drauf wetten.)


Das mit dem geplatzten Treffen ist in der letzten Falke-Folge "Zorn Gottes" geschehen. Und ich glaube zu Lorenz- und Katz-Zeiten hat Falke bereits ein Foto gezeigt. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, was an dem Sohn-Nebenstrang so nervig ist. Er ist über Folgen hinweg eingeführt worden und wird auch in der nächsten Folge in drei Wochen zu sehen sein. Da sah die Nummer bei Ballauf viel blöder aus.

Ich bin nur erstaunt, wie schnell die Zeit vergeht, wenn ich mir Levin Liam in der, ich wiederhole mich, großartigen Bremer Folge "Die Wiederkehr" anschaue.
Bis bald!
Turicum04
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Re: 1037: Böser Boden

Beitragvon Turicum04 » Mo 27. Nov 2017, 21:43

Die ARD hat somit das tiefe Niveau von RTL erreicht. Glückwunsch! Ich gehe davon aus, dass man die junge Generation mit diesem Cyber- bzw. Migrationsschmarren erreichen will!

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