1036: Gott ist auch nur ein Mensch

Alles rund um die einzelnen Tatort-Folgen
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Carlo Menzinger
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Re: 1036: Gott ist auch nur ein Mensch

Beitragvon Carlo Menzinger » So 19. Nov 2017, 22:36

Der Rückblick zu der Kommune, in welcher Vadder Thiel mit seinem Sohn (Frankie-Girl) öfters zu Besuch war, erinnert mich an die Folge, in der Vaddern etwas mit der Klemm hatte (Thiel überrascht die beiden, als er bei Klemm privat wegen einem Haftbefehl oder einer Hausdurchsuchung vorbeischaut, und sein Vater auch dort anwesend ist). So ergibt das alles mehr Sinn und einen Zusammenhang, wenn die sich schon früher kannten und über den Weg gelaufen sind. Eigentlich eine nette Nebengeschichte.
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Bulldogge
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Re: 1036: Gott ist auch nur ein Mensch

Beitragvon Bulldogge » Mo 20. Nov 2017, 01:29

Ich fand die Sache mit der Kommune trotzdem nicht ganz stimmig. Frankie ist doch um einiges älter als die Tochter der Kuratorin. Auf den alten Bildern und auch in den Erzählungen wurden sie aber als in etwa Gleichaltrige dargestellt.
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Deichgraf
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Re: 1036: Gott ist auch nur ein Mensch

Beitragvon Deichgraf » Mo 20. Nov 2017, 01:35

Naja ein paar Lustige Sachen waren ja schon dabei, als Börne z.B meinte zu Alberich Gott meinte wohl Größe wäre wohl nicht so wichtig oder so, oder wo Thiel bei der in Deckung Sache der Klemm die Kippe samt Feuerzeug aus dem Mund schlägt, und noch einiges mehr. :lol:

Mit der Kunst konnte ich nix anfangen.

War aber gute solide Münsteraner Kost.
Beati Pauperes Spiritu
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Deichgraf
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Re: 1036: Gott ist auch nur ein Mensch

Beitragvon Deichgraf » Mo 20. Nov 2017, 01:42

Bulldogge hat geschrieben:Ich fand die Sache mit der Kommune trotzdem nicht ganz stimmig. Frankie ist doch um einiges älter als die Tochter der Kuratorin. Auf den alten Bildern und auch in den Erzählungen wurden sie aber als in etwa Gleichaltrige dargestellt.


Jepp das passte überhaupt nicht, Thiel ist (real und auch Optisch) Älter wie sie, 16 Jahre um genau zu sein, da hätte die Produktions Firma des Tatorts wirklich eine ältere Schauspielerin aussuchen sollen.
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flor61
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Re: 1036: Gott ist auch nur ein Mensch

Beitragvon flor61 » Mo 20. Nov 2017, 07:52

Ich fand diesen TO so spannend, daß ich eingepennt bin.

Aus meiner Sicht ein Fehlwurf.

OT-EIN(@Carlo Menzinger: Den DD-TO habe ich aufgenommen aber noch nicht komplett durch. Aber aus meiner Sicht war war die Nikolaus/Christkind-Aussage die zentrale Aussage und hat unsere Gesellschaftsspaltung auf den Punkt gebracht)OT-AUS
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Wachtmeister
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Re: 1036: Gott ist auch nur ein Mensch

Beitragvon Wachtmeister » Mo 20. Nov 2017, 23:43

Das Erste, was mir positiv auffiel, war, daß Aleksandar Jovanović endlich einmal nicht der brutale Killer aus Osteuropa ist, als den man ihn schon häufig gesehen hat. Noch mehr hat es mir Vergnügen bereitet, daß mit diesem Klischee, das er oft verkörperte, gespielt wird. Und das ist nicht das einzige parodistische Moment.
Nicht nur das Spiel von Jovanović ist hervorragend, sondern auch die Rolle, die letztlich im Zentrum des Films steht. An ihr kann man erkennen, daß es den Autoren nicht nur um Klamauk und Comedy-Szenen zwischen Boerne und Thiel ging. Unter der spaßigen, skurrilen und abstrusen Oberfläche ist der Film auch eine Satire auf den Kunstbetrieb. Es werden zwar Künstler bzw. solche, die dafür gehalten werden gezeigt, aber spießiges Kunst-Bashing ist gerade nicht die Absicht.
Ein Indiz dafür, daß der Kunstbetrieb das gesellschaftliche Thema dieser Folge ist, kann man in der Rolle der Nika Wenger, der "Ex-Kuratorin", sehen. Bei ihrem Namen soll man sicher an Nike Wagner denken, wenngleich diese mit Münster nichts zu tun hat. Die ältere Frau Wenger will mangels eigener Substanz durch Künstler in der Öffentlichkeit glänzen. (Schönste Szene bei 43:50: "Was für ein plumper Unflat!".)
Zugleich gehören die Skulpturen zum Münsteraner Lokalkolorit, weshalb man auf die üblichen Fahrten durch die Postkartenlandschaft des Prinzipalmarktes verzichten konnte.
Mit "Kunst" wird auch gerne gegen Tatort-Folgen polemisiert, die nicht nach Schema F gebaut sind. Christowski mit seinem Koffer greift das auf und liefert damit eine ironische Selbstbespiegelung der Tatort-Macher und halten zugleich den Tatort-Zuschauern den Spiegel vor. Solche Selbstironie kommt einige Male vor, bereits in der Befragung Christowskis: "Kennen Sie die am häufigsten gestellte Frage von Kommissaren?"
G.O.D. hält Boerne einen Spiegel vor und zieht dessen Streben nach Unsterblichkeit ins Lächerliche. Seine eigene künstlerische Identität besteht eigentlich nur darin, daß er für ein großer Künstler gehalten wird. Er selbst äußert sich in Zitaten und will die Ideen anderer benutzen, sogar die des Mörders. Die Figur ist aber doppelbödig, denn sie kritisiert den Geltungsdrang von Möchtegern-Künstlern.

Der Täter ist allerdings schon für klar. Nur das Motiv war für die Zuschauer aufzuklären. Im Zusammenhang dieses Films kann man in dem Roland Wenger auch eine Parodie auf Psychopathenmörder anderer Krimis sehen. Dennoch nimmt das die Spannung heraus.

Krimi, Krimiparodie und Selbstironie sind mit dem Kunstthema gut durchwoben, also nicht einfach nebeneinander gestellt. Das ist neben Jovanović als G.O.D.
Wie heißt es so schlimm im Marketing-Deutsch: Die Münsteraner haben sich auf ihre Kernkompetenz konzentriert. Und darin waren sie diesmal gut. Es ist einer der besseren Münster-Tatorte.
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Purzelito
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Re: 1036: Gott ist auch nur ein Mensch

Beitragvon Purzelito » Di 21. Nov 2017, 18:00

Wachtmeister hat geschrieben:Ein Indiz dafür, daß der Kunstbetrieb das gesellschaftliche Thema dieser Folge ist, kann man in der Rolle der Nika Wenger, der "Ex-Kuratorin", sehen. Bei ihrem Namen soll man sicher an Nike Wagner denken, wenngleich diese mit Münster nichts zu tun hat.

Mit "Kunst" wird auch gerne gegen Tatort-Folgen polemisiert, die nicht nach Schema F gebaut sind. Christowski mit seinem Koffer greift das auf und liefert damit eine ironische Selbstbespiegelung der Tatort-Macher und halten zugleich den Tatort-Zuschauern den Spiegel vor.

Die Figuren der beiden Wenger-Frauen halte ich eher für eine Anspielung auf die Kuratorinnen Dr. Marianne Wagner (Kuratorin für Gegenwartskunst am LWL-Museum für Kunst und Kultur) und Kuratorin Britta Peters. Sie bildeten mit Prof. Kasper König ("Kasperkönig") die Spitze des Organisationsteams der Skulptur Projekte 2017 und sollten wohl alle drei ihr Fett weg kriegen.

Die Idee, den Konzept- und Aktionskünstler Christian Jankowski als Jan Christowski mit dem Koffer auftreten zu lassen, fand ich grandios. In der letzten Szene offenbart er den Zuschauern den Tatort als Videoinstallation im Koffer, hebt den Tatort gleichsam aus der (Film-) Realität auf eine andere Ebene.

Selbst wenn es dem Zuschauer nicht möglich ist, die lokalen Zusammenhänge herzustellen, ist der Tatort in sich doch stimmig. Ähnlich wie in der Murot-Folge "Wer bin ich" kann sich jeder sein Teil denken, ohne Interna zu kennen.
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Re: 1036: Gott ist auch nur ein Mensch

Beitragvon witchy_woman » Di 21. Nov 2017, 20:35

Das war eine solide Folge aus Münster, ohne den üblichen "Klamauk", dafür schöne Dialoge zwischen Thiel und seiner Jugendfreundin (tolle Schauspielerin!) sowie zwischen Boerne und G.O.D. (wunderbares Spiel!-der Schauspieler war mir bisher nicht bekannt, fand ihn aber sehr charismatisch).
Der Seitenhieb auf die Kunstszene war gelungen und am allerbesten war die Schlußeinstellung mit dem mysteriösen Koffer. Für mich eine kugelrunde Sache!
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Re: 1036: Gott ist auch nur ein Mensch

Beitragvon Tatortjoe » Di 21. Nov 2017, 21:14

Mmh, der komödiantische Teil kam zu kurz und der Kriminalfall selbst war schon nach fünf Minuten klar. Die Satire auf den Kunstbetrieb fand ich klischeehaft.

Dat war nicht so dolle
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Re: 1036: Gott ist auch nur ein Mensch

Beitragvon Connortobi » Mi 22. Nov 2017, 18:56

Wachtmeister hat geschrieben:Nicht nur das Spiel von Jovanović ist hervorragend, sondern auch die Rolle, die letztlich im Zentrum des Films steht. An ihr kann man erkennen, daß es den Autoren nicht nur um Klamauk und Comedy-Szenen zwischen Boerne und Thiel ging. Unter der spaßigen, skurrilen und abstrusen Oberfläche ist der Film auch eine Satire auf den Kunstbetrieb. Es werden zwar Künstler bzw. solche, die dafür gehalten werden gezeigt, aber spießiges Kunst-Bashing ist gerade nicht die Absicht.

Mit "Kunst" wird auch gerne gegen Tatort-Folgen polemisiert, die nicht nach Schema F gebaut sind. Christowski mit seinem Koffer greift das auf und liefert damit eine ironische Selbstbespiegelung der Tatort-Macher und halten zugleich den Tatort-Zuschauern den Spiegel vor. Solche Selbstironie kommt einige Male vor, bereits in der Befragung Christowskis: "Kennen Sie die am häufigsten gestellte Frage von Kommissaren?"
G.O.D. hält Boerne einen Spiegel vor und zieht dessen Streben nach Unsterblichkeit ins Lächerliche. Seine eigene künstlerische Identität besteht eigentlich nur darin, daß er für ein großer Künstler gehalten wird. Er selbst äußert sich in Zitaten und will die Ideen anderer benutzen, sogar die des Mörders. Die Figur ist aber doppelbödig, denn sie kritisiert den Geltungsdrang von Möchtegern-Künstlern.


In dem (gekürzten) Statement ist alles drin, was ich auch angemerkt hätte. Obwohl der Tatort damit für mich einer der deutlich besseren Münsteraner ist, gibt es eben leider die von vielen so geliebte Brachial-Klamauk-Richtung; aus dieser Falle kommt Münster nicht mehr so richtig raus, aber Sonntag war ein Schritt in diese Richtung. Da gibt es dann eben kurz eingestreute Gags, die nicht plattgewalzt daherkommen.

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