1035: Auge um Auge

Alles rund um die einzelnen Tatort-Folgen
Knipperdolling
Moderator
Beiträge: 472
Registriert: Fr 17. Jun 2005, 21:52

Re: 1035: Auge um Auge

Beitragvon Knipperdolling » Mi 15. Nov 2017, 09:07

Große Güte, Ihr empfindet diesen läppischen Nebenstrang als Pro-Flüchtlings-Propaganda? Da hat die AfD ja wirklich ganze Arbeit geleistet inzwischen.

Meine einzige Kritik daran wäre, dass das ziemlich brechstangenmäßig in den Film eingebaut ist, wohl um dem Anspruch, aktuelle Diskussionen abzubilden, und da Dresden sich ja als eine Art Hauptstadt der besorgten Bürger etabliert hat, soll es hier wohl auch für ein wenig Lokalkolorit sorgen. Das ist natürlich nicht gerade elegant gelöst.

Dass es aber hier schon zu Abwehrreaktionen führt, nur weil a) Menschen gezeigt werden, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren, und b) eine Geflüchtete gezeigt wird, die nicht den Klischee-Vorstellungen von Pegida entspricht, ist aber nun wirklich haarsträubend.

Ich finde es ja viel bedenklicher, dass offenbar niemand mehr ein Thema wie Flüchtlinge in einen TATORT aufnehmen mag, ohne irgendwelche Relativierungen einzubauen; besonders bizarr am letzten Flüchtlings-TATORT aus Frankfurt ("Land in dieser Zeit") zu sehen, wo völlig ohne Not noch ein sogenannter Asylbetrüger eingebaut wurde, der mit der Handlung gar nichts zu tun hatte und keinerlei Rolle in der Geschichte hatte. Furchtbar, wie sehr das Geschrei von rechts da inzwischen in die Mitte der Gesellschaft und damit auch der Filmschaffenden eingesickert ist.

Zu "Auge um Auge" selbst: Ich war für Dresdner Verhältnisse angenehm überrascht. Ich fand die ersten beiden Beiträge des neuen Teams extrem missraten, nach nun zwei recht ordentlichen Folgen schöpfe ich Hoffnung, dass es doch noch was damit werden könnte. Kein Highlight sicherlich, dafür war alles zu brav, zu vorhersehbar, zu gewöhnlich. Aber doch ein solider Krimi klassischer Bauweise mit relevanter Hintergrundgeschichte, halbwegs ordentlich umgesetzt. Zwischen all den "ungewöhnlichen" Filmen der jüngeren Zeit sind solche Standardbeiträge nach meinem Empfinden schon deshalb nötig, damit die anderen noch etwas haben, um sich davon abzusetzen.

Was immerhin solide 7 Punkte ergibt für:
Knipperdolling
Bollmann

Re: 1035: Auge um Auge

Beitragvon Bollmann » Mi 15. Nov 2017, 09:28

SaschaD1974 hat geschrieben:
Bollmann hat geschrieben:[..] verhöhnt der sächsische [..] GEZ-"Demokratieabgabe" [..]

Sie haben "Lügenkresse" und "Merkelmussweg" vergessen.


Die Frage ist doch, für wen macht der MDR sein Programm, wie lautet der Auftrag?
Wer es nicht weiß, kann es hier noch einmal nachlesen:
Der MDR hat in seinen Sendungen einen objektiven und umfassenden Überblick über das internationale, nationale und länderbezogene Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben. Sein Programm soll der Information und Bildung sowie der Beratung und Unterhaltung dienen und hat dem kulturellen Auftrag des Rundfunks zu entsprechen. Er dient der freien individuellen und öffentlichen Meinungsbildung.

http://www.mdr.de/unternehmen/artikel103092.html

Sich von einer politischen Richtung vereinnahmen zu lassen und die andere im vorauseilenden Gehorsam rauszuschneiden, weil sie eventuell nicht gar so böse dargestellt wird, widerspricht diesem Auftrag.
Wenn sie die nichtgenehmen Wähler ausschließen wollen, dann doch bitte so konsequent, dass sie nicht weiterhin deren Geld entgegennehmen. Denn das dürfte doch "braun" kontaminiert sein. Oder stinkt Geld dann doch nicht?

Mehr möchte ich dazu nicht schreiben, sondern mich wieder der filmischen Umsetzung widmen.
SaschaD1974

Re: 1035: Auge um Auge

Beitragvon SaschaD1974 » Mi 15. Nov 2017, 09:36

Bollmann hat geschrieben:Die Frage ist doch, für wen macht der MDR sein Programm, wie lautet der Auftrag?

Aha, das ist also die Frage? Und deshalb faseln Sie hier von "Staatssender" und "GEZ-Demokratieabgabe"? Klar, das klingt total plausibel.

Nachtigall, ick hör Dir trapsen...
Bollmann

Re: 1035: Auge um Auge

Beitragvon Bollmann » Mi 15. Nov 2017, 09:45

Knipperdolling hat geschrieben:Dass es aber hier schon zu Abwehrreaktionen führt, nur weil a) Menschen gezeigt werden, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren, und b) eine Geflüchtete gezeigt wird, die nicht den Klischee-Vorstellungen von Pegida entspricht, ist aber nun wirklich haarsträubend.

Knipperdolling



Darum gehts doch nur am Rande. Die grobklotzige Eindimensionalität macht diese Tatortfolge wie schon ihre Vorgänger so grottenschlecht. Die klischeehaften Abziehbilder: der trottelige Computerneerd, der unfähige (weil männlich und alt - zumindest wird es so vermittelt) "Leiter", welcher sich von seinen beiden Mitarbeiterinnen immerzu vorführen und belehren lässt, die neunmalklugen ständig konfus und ohne mit irgendjemandem ihr Handeln abzusprechen durch die Gegend laufenden und fahrenden Komissarinnen ...
Das ist alles so billig und platt. Da entwickelt sich nichts.

Wenn in anderen vergleichbaren Formaten in den ersten Folgen das Verhältnis der "Neuen" untereinander noch angespannt war, dann haben die sich spätestens in der 3. Folge zusammengerauft. Das war logisch und hat den Focus dann auf die eigentliche Fallabarbeitung gelenkt.
Der unendliche Zickenkrieg im Dresdner Tatort geht einfach nur auf die Nerven und ich werden diesen zukünftig wieder meiden.
Bollmann

Re: 1035: Auge um Auge

Beitragvon Bollmann » Mi 15. Nov 2017, 09:59

SaschaD1974 hat geschrieben:
Bollmann hat geschrieben:Die Frage ist doch, für wen macht der MDR sein Programm, wie lautet der Auftrag?

Aha, das ist also die Frage? Und deshalb faseln Sie hier von "Staatssender" und "GEZ-Demokratieabgabe"? Klar, das klingt total plausibel.

Nachtigall, ick hör Dir trapsen...


Ich weiß nicht was sie unter "faseln" verstehen, aber vielleicht hängt das mit der trapsenden Nachtigall zusammen, die sie zu hören glauben.


Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) ist die Landesrundfunkanstalt für das Land Sachsen-Anhalt sowie für die Freistaaten Sachsen und Thüringen (Hörfunk, Fernsehen und Telemedien). Er ist Mitglied der ARD und hat die Rechtsform einer Anstalt des öffentlichen Rechts.
Auch wenn derzeit in unseren Medien das Wort "Staatssender" immer nur im Zusammenhang mit China, Syrien oder Russland negativ wertend vorkommt, bleiben unsere öffentl./rechtlichen Sender ebenso "Staatssender", denn sie verfolgen auch einen politischen Auftrag.

Den Begriff "Demokratieabgabe" für den GEZ-Beitrag prägte der WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn
http://www.focus.de/kultur/medien/tid-28787/gesellschaftlicher-konsens-wdr-chefredakteur-verteidigt-rundfunkbeitrag-als-demokratieabgabe_aid_889483.html
Knipperdolling
Moderator
Beiträge: 472
Registriert: Fr 17. Jun 2005, 21:52

Re: 1035: Auge um Auge

Beitragvon Knipperdolling » Mi 15. Nov 2017, 10:52

So unsympathisch und falsch ich die Ausführungen von Bollmann finde - persönliche Beleidigungen haben hier dennoch nichts verloren. Ich habe entsprechend gelöscht. Hier wird jetzt bitte auch nicht die Debatte um "Staatsfernsehen" etc. weitergeführt, sondern über "Auge um Auge" diskutiert, die ja nun mit Rechtspopulismus und Flüchtlingen wirklich nur sehr am Rande zu tun hat.
Bollmann

Re: 1035: Auge um Auge

Beitragvon Bollmann » Mi 15. Nov 2017, 11:04

Werter Knipperdolling,

könnten sie mir bitte freundlichweise mitteilen, welche meiner Ausführungen sie "unsympathisch und falsch" finden?
Ich glaubte bisher, dass es hier um die persönlichen Empfindungen zu den einzelnen Tatortfolgen geht. Wie können diese "falsch" sein?
Knipperdolling
Moderator
Beiträge: 472
Registriert: Fr 17. Jun 2005, 21:52

Re: 1035: Auge um Auge

Beitragvon Knipperdolling » Mi 15. Nov 2017, 12:43

Bollmann hat geschrieben:Werter Knipperdolling,

könnten sie mir bitte freundlichweise mitteilen, welche meiner Ausführungen sie "unsympathisch und falsch" finden?
Ich glaubte bisher, dass es hier um die persönlichen Empfindungen zu den einzelnen Tatortfolgen geht. Wie können diese "falsch" sein?


Ich habe eigentlich wenig Lust, auf Ihre Provokationen hier näher einzugehen, und hatte das Wesentliche oben dazu bereits geschrieben, aber gut:

Bollmann hat geschrieben:Z.B. die Szene mit dem verschenkten Polizeicomputer (incl. Festplatte) in der natürlich eine selbstbewusste, nicht-Kopftuch-tragende, perfekt englischsprechende Syrerin DEN Flüchtling darstellen muss, der sorgarnichts mit der Realität der Überzahl der hier angekommenenden Menschen zu tun hat. Das kann nur als Verhöhnung der Zuschauer gedacht sein.


Das halte ich z. B. für unsympathisch und falsch. Selbstverständlich ist das weder zur Verhöhnung der Zuschauer gedacht, noch soll die Dame DEN Flüchtling darstellen, das fantasieren Sie da nur hinein. Im Film ist die Rolle völlig klar: Sie ist EIN Flüchtling, wie es sie nun mal durchaus auch nicht so selten gibt, und die Funktion im Film ist hier überhaupt nicht die Flüchtlingsdebatte an sich, sondern die Charakterisierung der Kommissarin als gesellschaftlich engagiert (bzw. als vor ihren eigenen Problemen weglaufend, indem sie sich engagiert, wie die Kollegin unterstellt).

Bollmann hat geschrieben:Wenn dann doch bitte konsequent und den Polizei-Computer an einem zottelbärtigen Tschetschenen oder ein ewig 17-jährigen "Unbegleiteten" verschenken, um den Irrsinn dieser (im Krimi für die Verschenkerin folgenlosen) Aktion darzustellen!


Das halte ich nicht nur für höchst unsympathisch, sondern auch für blanke rechte Propaganda.

Bollmann hat geschrieben:Die Eindimensionalität zieht sich durch die gesamte Serie der Dresden-Tatorte:
Polizei-Männerdarsteller= dumm, rückständig, tolpatschig, politisch rechts, besorgte Bürger
Polizei-Frauendarsteller= taff, fortschrittlich, clever, politisch links, FlüchtlingsaktivistInnen


Das wiederum halte ich für schlicht falsch; die beiden relevanten Polizei-Männer dieser Folge wurden ja sehr unterschiedlich gezeichnet, und so sehr ich Schnabel anfangs auch abziehbildmäßig fand, war er diesmal durchaus feiner und differenzierter gezeichnet. Beispiel: nicht nur die Schlussszene, sondern auch schon während der Ermittlungen: Er möchte zwar nicht, dass der Versicherungsmensch verdächtig ist, wischt es aber auch nicht einfach weg, sondern recherchiert dann selbst und gesteht letztlich seine Fehleinschätzung ein.
SaschaD1974

Re: 1035: Auge um Auge

Beitragvon SaschaD1974 » Mi 15. Nov 2017, 12:50

Knipperdolling hat geschrieben:[...]und so sehr ich Schnabel anfangs auch abziehbildmäßig fand, war er diesmal durchaus feiner und differenzierter gezeichnet. Beispiel: nicht nur die Schlussszene, sondern auch schon während der Ermittlungen: Er möchte zwar nicht, dass der Versicherungsmensch verdächtig ist, wischt es aber auch nicht einfach weg, sondern recherchiert dann selbst und gesteht letztlich seine Fehleinschätzung ein.

Ich hatte sowieso schon den Eindruck, dass er sich (relativ) subtil an den Herrn Enders oder wie er jetzt hieß "ankumpelt", um auf diese Weise eine Vertrautheit zu erzeugen und mehr aus ihm herauszubekommen als mit direkter Fragerei...

Gruß,
Sascha
Bollmann

Re: 1035: Auge um Auge

Beitragvon Bollmann » Mi 15. Nov 2017, 13:35

Knipperdolling hat geschrieben:
...
Das halte ich nicht nur für höchst unsympathisch, sondern auch für blanke rechte Propaganda.
...



Danke. Jetzt weiß ich, wie ich demnächst den Tatort "richtig" gucken muss, um ihn zu verstehen und hier eine "richtige" sympathische" Wertung abgeben zu können.

Es tut mir aufrichtig Leid, dass sie eine ihre Ansicht konträre Meinung als provakativ empfinden mussten.

Nur eine letzte Frage zum Verständnis. Sie empfinden es also korrekt, wenn eine "gesellschaftlich engagierte" Polizistin einen Polizeicomputer (Behördeneigentum) samt (funktionierender) Originalfestplatte an eine völlig fremde Person verschenkt und damit ein im reellen Leben schweres Dienstvergehen begeht?

Zurück zu „Die Folgen“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 4 Gäste