1035: Auge um Auge

Alles rund um die einzelnen Tatort-Folgen
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Joerg57
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Re: 1035: Auge um Auge

Beitragvon Joerg57 » Mi 15. Nov 2017, 13:49

Bollmann hat geschrieben:[...] Der unendliche Zickenkrieg im Dresdner Tatort [...]

Also, ich fand, dass es gerade den in dieser Folge mal eben nicht so gab! Das hat mir gefallen. Auch, dass Karin Hanczewski hier mal nicht die ganze Zeit so 'verbiestert' gucken musste wie sonst. Gut, so spannend, dass ich mir die Nägel abgekaut hätte, war es auch nicht. Aber doch solide. Und ein paar humorige Sprüche waren auch dabei. "Ich mach jetzt Schluss" ohne weitere Erläuterung womit genau z. B. fand ich witzig. Armer Ole... :mrgreen:
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Joerg57
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Re: 1035: Auge um Auge

Beitragvon Joerg57 » Mi 15. Nov 2017, 14:06

Knipperdolling hat geschrieben:[...] ist EIN Flüchtling, wie es sie nun mal durchaus auch nicht so selten gibt [...]

Syrische Flüchtlinge die fließend Englisch sprechen und perfekt am Computer sind, gibt es z. B. auch in unserer Firma. Von daher hatte ich die Szene gar nicht als etwas besonderes wahrgenommen - im Gegenteil... :)
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Carrera124
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Re: 1035: Auge um Auge

Beitragvon Carrera124 » Mi 15. Nov 2017, 14:11

Knipperdolling hat geschrieben:Im Film ist die Rolle völlig klar: Sie ist EIN Flüchtling, wie es sie nun mal durchaus auch nicht so selten gibt, und die Funktion im Film ist hier überhaupt nicht die Flüchtlingsdebatte an sich, sondern die Charakterisierung der Kommissarin als gesellschaftlich engagiert

Um diese Darstellung der Kommissarin zu erreichen, hätte man aber auch Waisenkinder, Obdachlose oder eine sonstige gesellschaftliche Randgruppe verwenden können. Bei der getroffenen Auswahl - und vor allem der zugehörigen Darstellung - muss sich hingegen auch der dümmste Verantwortliche im klaren sein, was er damit (mal wieder) auslöst.

Des weiteren stellt sich die Frage, warum es der Tatort häufig mit der Realität nicht so genau nimmt, aber ausgerechnet das Flüchtingsthema dort angeblich real abgebildet werden soll? Das passt doch hinten und vorne nicht zusammen.

Ich konnte den Film zu keinem Zeitpunkt wirklich ernst nehmen. Das wäre nicht weiter schlimm gewesen, wenn wenigstens ansatzweise so etwas wie Spannung vorhanden gewesen wäre. Leider glänzte selbige durch völlige Abwesenheit. Man fragt sich schon, wie lange Spitzenmimen wie Brambach und Höfels sich solch unterdurchschnittliche Drehbücher und bräsige Inszenierungen noch antun wollen. Es sei denn sie brauchen das Geld, aber ihrem Ruf sind solche mauen Folgen sicher nicht förderlich.
Kunst kommt von können, nicht von wollen. Sonst würde es Wunst heißen.
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Re: 1035: Auge um Auge

Beitragvon Bollmann » Mi 15. Nov 2017, 14:32

Carrera124 hat geschrieben:Man fragt sich schon, wie lange Spitzenmimen wie Brambach und Höfels sich solch unterdurchschnittliche Drehbücher und bräsige Inszenierungen noch antun wollen. Es sei denn sie brauchen das Geld, aber ihrem Ruf sind solche mauen Folgen sicher nicht förderlich.


Das kam mir auch schon in den Sinn. Außerhalb der Tatort Filme sehe ich Brambach und Höfels eigentlich sehr gern. Besonders im ZDF-Zweiteiler "Das Programm" hat sie mich sehr überzeugt.
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Purzelito
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Re: 1035: Auge um Auge

Beitragvon Purzelito » Mi 15. Nov 2017, 14:48

Warum nur wird ein neues Mitglied im Forum auf diese Art und Weise angegangen? Es wäre schön, wenn man Bollmann seine eigene Meinung liesse, auch, wenn man sie als „falsch“ empfindet.

Es ist doch gleichgültig, ob die Syrerin EINEN Flüchtling oder DEN Flüchtling darstellt. Mit der Figur wird die Problematik angesprochen. Und mit der Flüchtlingshilfe der Kommissarin wird die Moral bedient. Dass es dann ein geklauter Polizeicomputer sein muss, lässt sich mit nichts mehr erklären.

Genauso ist es mit DER oder EINER Versicherung oder DEM oder EINEM Versicherungsvertreter. Das eine wie das andere war in diesem TO dermassen grob plakativ, dass es weh tat. Das ganze Versicherungsbashing mit irgendwelchen aus dem Ärmel geschüttelten Prozentzahlen (Auszahlung BU etc.) und Behauptungen war unerträglich. Ich habe es an anderer Stelle schon erläutert. Noch viel mehr weh tut es, wenn das Netz einen Tag nach dem Tatort fragt, ob man seiner Versicherung noch trauen kann.

Es wird schon irgendwie mit zweierlei Mass gemessen. Das junge Erfurter Team hängt man hin für ein paar Energydrinkdosen im Kühlschrank und den Dresdnern lässt man solche Attitüden durchgehen? Koppschüttel !
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Re: 1035: Auge um Auge

Beitragvon Deichgraf » Mi 15. Nov 2017, 15:47

Carrera124 hat geschrieben:Um diese Darstellung der Kommissarin zu erreichen, hätte man aber auch Waisenkinder, Obdachlose........


Obdachlose zuhause bei Henni gab es schon letzte oder vorletzte Folge. ;)
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Re: 1035: Auge um Auge

Beitragvon Knipperdolling » Mi 15. Nov 2017, 17:25

Bollmann hat geschrieben:Nur eine letzte Frage zum Verständnis. Sie empfinden es also korrekt, wenn eine "gesellschaftlich engagierte" Polizistin einen Polizeicomputer (Behördeneigentum) samt (funktionierender) Originalfestplatte an eine völlig fremde Person verschenkt und damit ein im reellen Leben schweres Dienstvergehen begeht?


Ob ich das korrekt empfinde - dazu habe ich überhaupt nichts geschrieben.
Ich verstehe aber diesen Vorwurf an den Film ebenso wenig wie den auch hier geäußerten, dass die Damen beim Fahren an ihrem Handy rumfummeln. Das ist sicherlich beides juristisch nicht rechtens, aber auch juristisch nicht rechtes Verhalten soll in der Realität ja durchaus vorkommen. Auch von Seiten der Polizei.
In der Filmhandlung finde ich den Vorgang halbwegs plausibel, heißt: Man kann sich vorstellen, dass es das gibt. Und nur darauf kommt es doch an. Bewerten mag das jeder für sich.
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Re: 1035: Auge um Auge

Beitragvon Knipperdolling » Mi 15. Nov 2017, 17:40

Carrera124 hat geschrieben:Um diese Darstellung der Kommissarin zu erreichen, hätte man aber auch Waisenkinder, Obdachlose oder eine sonstige gesellschaftliche Randgruppe verwenden können. Bei der getroffenen Auswahl - und vor allem der zugehörigen Darstellung - muss sich hingegen auch der dümmste Verantwortliche im klaren sein, was er damit (mal wieder) auslöst.



Ja, sicher. Man hätte hundert andere Umsetzungen wählen können. Sie haben sich aber für das Thema entschieden, das derzeit besonders intensiv diskutiert wird. Und Dresden steht "dank" Pegida besonders für diese Debatte. Daher finde ich das durchaus nachvollziehbar. Außerdem ist das ja schon ein Thema, das der Film ganz offensichtlich aufwerfen will: Warum richtet sich der gesellschaftliche Protest speziell in Dresden gegen die Schwachen und nicht gegen diejenigen, die mit miesen Geschäftspraktiken zur Profitsteigerung die Leute tatsächlich ausplündern? Das ist, zugegeben, zwar nicht gerade subtil vorgebracht, aber wenn die Filmemacher sich nun mal dieses Thema ausgesucht haben, ist es doch zumindest recht plausibel, das so umzusetzen. Vergleichbare Moralschablonen gab es doch schon immer in der TATORT-Historie, im Prinzip ist z. B. die gesamte Schimanski-Reihe darauf aufgebaut. Nur weil Flüchtlinge gerade in bestimmten Kreisen so ein hochgepushtes Rotes-Tuch-Thema sind, löst das hier dann gleich solche Reaktionen aus. Ich vermute, dass die Filmemacher das durchaus auch beabsichtigt haben.

Carrera124 hat geschrieben:Des weiteren stellt sich die Frage, warum es der Tatort häufig mit der Realität nicht so genau nimmt, aber ausgerechnet das Flüchtingsthema dort angeblich real abgebildet werden soll? Das passt doch hinten und vorne nicht zusammen.


Falls das in meine Richtung geht: Verstehe ich nicht. Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Der Film will, wie die meisten TATORTe, einfach eine fiktionale Geschichte erzählen, die sich der normalverständige Zuschauer als möglich vorstellen kann (Ausnahmen wie der Frankfurter Geisterspuk neulich mal außen vor). Und das ist hier doch durchaus gegeben.
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Re: 1035: Auge um Auge

Beitragvon Knipperdolling » Mi 15. Nov 2017, 17:54

Purzelito hat geschrieben:Warum nur wird ein neues Mitglied im Forum auf diese Art und Weise angegangen? Es wäre schön, wenn man Bollmann seine eigene Meinung liesse, auch, wenn man sie als „falsch“ empfindet.


Sie wird ihm doch gelassen. Aber wer sich in einem Diskussionsforum äußert, der wird schon damit leben müssen, dass andere diskutieren. Aber das können die Das-wird-man-ja-wohl-noch-mal-sagen-dürfen-Sager traditionell ja nicht so gut, nämlich damit umgehen, dass andere dann auch mal was sagen. Damit werden Sie hier aber leben müssen.

Purzelito hat geschrieben:Es ist doch gleichgültig, ob die Syrerin EINEN Flüchtling oder DEN Flüchtling darstellt. Mit der Figur wird die Problematik angesprochen. Und mit der Flüchtlingshilfe der Kommissarin wird die Moral bedient. Dass es dann ein geklauter Polizeicomputer sein muss, lässt sich mit nichts mehr erklären.


Zum ersten Aspekt hatte ich im Post drüber schon was gesagt. Klar, natürlich soll da Moral bedient werden. Warum auch nicht? Und warum der Computer? Finde ich nicht verwunderlich: Auf der einen Seite "nicht so genau nehmen", wenn man damit was Gutes tun kann, außerdem pragmatisches "braucht ja niemand mehr, steht nur rum", was ja auch zweimal betont wurde. Ergibt zusammen die Charakterisierung der Kommissarin - ist ja nun ein unter TATORT-Kommissaren weit verbreitetes Muster. Auf der anderen Seite eben der Chef, der es einerseits genau nehmen will und dem der Zweck der Hilfe schon nicht so recht passt und der zudem auch noch persönlich betroffen ist, weil er keine Lust hat, sich mit dem neuen System auseinanderzusetzen und halt seine alte Kiste wiederhaben will. Ergibt ebenfalls eine Charakterisierung. Und die lässt man dann halt aufeinandertreffen. Ich will damit nicht sagen, dass ich das einen besonders gelungenen dramturgischen Kniff halte, aber der Zweck ist doch ganz klar, und in der Handlung bzw. der gewollten Charakterisierung des Teams ergibt das auch durchaus Sinn.

Aber ich will hier gar nicht groß den Film verteidigen - ich fand ihn ja auch nur OK, keineswegs herausragend gelungen. Normale TATORT-Krimikost eben. Mich wundern eher die heftigen Reaktionen hier, bzw. woran sie sich entzünden. (Ach was, eigentlich wundenr sie mich natürlich nicht, ich finde sie nur falsch.)
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Re: 1035: Auge um Auge

Beitragvon Carrera124 » Mi 15. Nov 2017, 17:59

Knipperdolling hat geschrieben: Verstehe ich nicht. Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

Hab ich doch erklärt. Was ist daran nicht zu verstehen?
Kunst kommt von können, nicht von wollen. Sonst würde es Wunst heißen.

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