1035: Auge um Auge

Alles rund um die einzelnen Tatort-Folgen
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Bollmann
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Re: 1035: Auge um Auge

Beitragvon Bollmann » So 19. Nov 2017, 01:01

Carlo Menzinger hat geschrieben:
...Vorstellungen, wie Flüchtlinge denn gefälligst dargestellt werden sollen?


Es gibt weder "den Flüchtling" noch "die Flüchtlinge" als homogene Einheit und das weder im positiven noch negativen Sinne. Aber sowohl die Rechten als auch die Linken behaupten das trotzdem immerzu.
Auf der Strecke bleibt dabei der Mensch, der sich weder der einen Richtung noch der anderen zugehörig fühlt, aber sobald er sich nicht im Sinne der einen oder anderen äußert, sofort in die gegnerische Ecke gedrängt wird.

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Carlo Menzinger
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Re: 1035: Auge um Auge

Beitragvon Carlo Menzinger » So 19. Nov 2017, 10:11

Bollmann hat geschrieben:
Carlo Menzinger hat geschrieben:
...Vorstellungen, wie Flüchtlinge denn gefälligst dargestellt werden sollen?


Es gibt weder "den Flüchtling" noch "die Flüchtlinge" als homogene Einheit und das weder im positiven noch negativen Sinne. Aber sowohl die Rechten als auch die Linken behaupten das trotzdem immerzu.
Auf der Strecke bleibt dabei der Mensch, der sich weder der einen Richtung noch der anderen zugehörig fühlt, aber sobald er sich nicht im Sinne der einen oder anderen äußert, sofort in die gegnerische Ecke gedrängt wird.

Mit der Verallgemeinerung zu "den Flüchtlingen" hast Du natürlich recht. Deshalb frage ich mich aber, warum Du dann das geschrieben hast:

Z.B. die Szene mit dem verschenkten Polizeicomputer (incl. Festplatte) in der natürlich eine selbstbewusste, nicht-Kopftuch-tragende, perfekt englischsprechende Syrerin DEN Flüchtling darstellen muss, der sorgarnichts mit der Realität der Überzahl der hier angekommenenden Menschen zu tun hat. Das kann nur als Verhöhnung der Zuschauer gedacht sein.
Wenn dann doch bitte konsequent und den Polizei-Computer an einem zottelbärtigen Tschetschenen oder ein ewig 17-jährigen "Unbegleiteten" verschenken, um den Irrsinn dieser (im Krimi für die Verschenkerin folgenlosen) Aktion darzustellen!

Genau daran haben sich ja einige Foristen hier aufgeregt. Warum soll es nicht auch solche Flüchtlinge geben? Warum sollten sie so negativ dargestellt werden, wie Du forderst?
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Bollmann
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Re: 1035: Auge um Auge

Beitragvon Bollmann » So 19. Nov 2017, 10:24

Carlo Menzinger hat geschrieben:Genau daran haben sich ja einige Foristen hier aufgeregt. Warum soll es nicht auch solche Flüchtlinge geben? Warum sollten sie so negativ dargestellt werden, wie Du forderst?



Es gibt solche unter ihnen ganz sicher, nur repräsentieren sie nicht die übergroße Anzahl der seit dem Kontrollverlust an den Grenzen Hereingekommenen.
Wenn dann in den aktuellen TV-Produktionen immer wieder nur solche "Vorzeigeflüchtlinge" als "die Flüchtlinge" in Handlungen eingebaut werden, dann fühlt sich manch Zuschauer halt veräppelt.
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Re: 1035: Auge um Auge

Beitragvon Carlo Menzinger » So 19. Nov 2017, 10:43

Bollmann hat geschrieben:
Carlo Menzinger hat geschrieben:Genau daran haben sich ja einige Foristen hier aufgeregt. Warum soll es nicht auch solche Flüchtlinge geben? Warum sollten sie so negativ dargestellt werden, wie Du forderst?



Es gibt solche unter ihnen ganz sicher, nur repräsentieren sie nicht die übergroße Anzahl der seit dem Kontrollverlust an den Grenzen Hereingekommenen.
Wenn dann in den aktuellen TV-Produktionen immer wieder solche "Vorzeigeflüchtlinge" als "die Flüchtlinge" in Handlungen eingebaut werden, dann fühlt sich manch Zuschauer halt veräppelt.

Ich vermute mal, die übergroße Anzahl der Flüchtlinge ist normal und unauffällig, und einfach nur froh, sicher und in Frieden leben zu können. Das andere sind vielleicht eher die Ausnahmen.

Es gibt wohl einige, die sich nicht ordentlich verhalten. Es mag auch einige geben, die als gefährliche Islamisten gelten. Aber es ist bestimmt nicht die Mehrheit, die dann so in den MIttelpunkt gezerrt werden muss. Das Problem ist, wenn man "die Flüchtlinge" so darstellt, wie Du forderst, also eher negativ, dann schürt das in der Gesellschaft weitere Vorurteile und Hass. Was daraus werden kann, sieht man ja an den vielen Angriffen auf Flüchtlingsunterkünfte. So etwas wäre nur dazu geeignet, Stimmung gegen die Flüchtlingspolitik zu machen - und letztlich dann auch gegen die Flüchtlinge.

Man könnte es doch jetzt auch positiv sehen, daß es Vorzeigebeispiele gibt, wie es bestenfalls laufen könnte. Warum muss man sich davon veräppelt fühlen? Das hat doch dann mehr mit einem selbst zu tun, als mit den Flüchtlingen.
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Re: 1035: Auge um Auge

Beitragvon Bollmann » So 19. Nov 2017, 11:13

Carlo Menzinger hat geschrieben: Das Problem ist, wenn man "die Flüchtlinge" so darstellt, wie Du forderst, also eher negativ, dann schürt das in der Gesellschaft weitere Vorurteile und Hass. Was daraus werden kann, sieht man ja an den vielen Angriffen auf Flüchtlingsunterkünfte. So etwas wäre nur dazu geeignet, Stimmung gegen die Flüchtlingspolitik zu machen - und letztlich dann auch gegen die Flüchtlinge.


Wo habe ich gefordert, "die Flüchtlinge" negativ darzustellen? Ich schrieb von realistisch im Sinne der überwiegenden Mehrheit. Wenn schon allein die realistische Darstellunge im TV zu Vorurteilen und Hass oder zum Stimmung machen führen, dann sollte uns das zu denken geben.

Aber es gab ja durchaus noch andere Kritikpunkte an der Tatortfolge, drum denke ich, dass zum Thema Flüchtlingsdarstellung genug geschrieben wurde.

Mal sehn, wie zukünftig andere Tatort-Teams das Thema umsetzen werden.
Beim heutigen Münster-Tatort dürften wir von diesem Thema verschont bleiben. ;)
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Re: 1035: Auge um Auge

Beitragvon Knipperdolling » So 19. Nov 2017, 11:17

Knipperdolling hat geschrieben:So, und jetzt ist auch mal gut. Ab hier bitte wieder ausschließlich über den Film diskutieren, sofern da noch Bedarf besteht. Weitere Erörterungen allgemeinpolitischer Natur oder - wie immer - zur Moderation werden direkt gelöscht.


Ich erinnere an diese Aussage.

Ich habe in der Tat einige Postings gelöscht, die nämlich exakt das nicht befolgt haben. Nicht aus Gründen persönlicher Kränkung, wie hier gemutmaßt wurde (was eine eher lustige Vorstellung für mich ist), auch nicht, weil mir der Inhalt nicht passt. Wenn ich danach gehen würde, wäre der halbe Thread hier leer.

Aber nochmals: Wir dulden, wie seit immer, keine Debatten über die Art, wie wir das Forum führen. Dieses Forum ist ein privates Angebot, das wir bereitstellen. Wer es nutzen möchte, ist dazu eingeladen, hält sich aber bitte an die hier üblichen Regeln. Wem es nicht passt, der soll gehen. Ob ein Beitrag regelkonform ist, entscheiden wir, und darüber diskutieren wir nicht.

Im übrigen, Bollmann: Natürlich sind wir uns darüber einig, dass es DEN Flüchtling nicht gibt. In Dutzenden TATORT-Folgen sind immer wieder auch allerlei Negativbeispiele von kriminellen Migranten aller Art verhandelt worden. Aber erstens: dass einfach nur hilfesuchende, vollkommen unproblematische Flüchtlinge die Ausnahme sein sollen, während die Mehrheit sich aus finsteren Zauselbartgesellen zusammensetzt, halte ich für absoluten Unfug, nicht zuletzt aus eigener Erfahrung. Und zweitens ist es nicht die Aufgabe eines Films, in jeder Folge, in denen Flüchtlinge eine Rolle spielen, sie repräsentativ abzuhandeln. Hier stehen sie schlicht für eine gesellschaftliche Debatte, und das dient lediglich als Vehikel dafür, die Konflikte und Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Ermittlerteams darzustellen. Ich erwähnte es schon: Wie richtig der MDR damit ausnahmsweise mal lag, zeigt der Diskussionsverlauf hier. Also in dem Punkt: alles richtig gemacht.

Abschließend noch mal der Hinweis auf die Ansage im Zitat oben. Ich bin bislang geradezu altersmilde vorgegangen, aber auch meine Geduld ist endlich.

Und jetzt schauen heute Abend schön alle Münster, da werden sich die Gemütchen schon wieder beruhigen.
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Re: 1035: Auge um Auge

Beitragvon Purzelito » So 19. Nov 2017, 11:22

Carlo Menzinger hat geschrieben:Genau daran haben sich ja einige Foristen hier aufgeregt. Warum soll es nicht auch solche Flüchtlinge geben? Warum sollten sie so negativ dargestellt werden, wie Du forderst?

Carlo Menzinger, die Figur der Syrerin hatte doch nur den Zweck, Sieland dramaturgisch zur "Organisation" des Computers zu bringen. In diesem Kontext muss man sie sehen. Es ist doch durchaus möglich, dass Zuschauer sich am modelhaften Aussehen der englischsprachigen Syrerin gestossen haben. Die Figur war möglicherweise nicht dazu angetan, eine irgendwie geartete Not/Notwendigkeit/Bedürftigkeit zu vermitteln, die den Diebstahl eines Polizeicomputers gerechfertigt hätte.
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Re: 1035: Auge um Auge

Beitragvon Carlo Menzinger » So 19. Nov 2017, 11:24

Bollmann hat geschrieben:Wo habe ich gefordert, "die Flüchtlinge" negativ darzustellen? Ich schrieb von realistisch im Sinne der überwiegenden Mehrheit.

Die Darstellung der Syrerin war Dir zu positiv. Du hättest es lieber so gehabt:
zottelbärtigen Tschetschenen oder ein ewig 17-jährigen "Unbegleiteten"

Und genau das finde ich eher eine negative Darstellung. Man muß auch beachten, hier handelt es sich nicht um eine Doku, die realistisch sein muss, sondern um einen Film, um Fiktion. Man kann in so einen Film natürlich eine Aussage reinpacken. Diese muss aber nicht falsch sein. Es hängt dann auch eher davon ab, was man selbst darunter sieht oder damit anfangen kann und will. Und mir ist ein positives Denken lieber, als ein negatives, welches Vorurteile schafft.
Wenn schon allein die realistische Darstellunge im TV zu Vorurteilen und Hass oder zum Stimmung machen führen, dann sollte uns das zu denken geben.

Ja, das ist wohl so, daß Medien so etwas hervorrufen können. Zum Beispiel wenn über "soziale Medien" Fake News verbreitet werden, welche eine Teil der Bevölkerung aufstachelt und Stimmung macht. Sollte aber eigentlich bekannt sein.
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Re: 1035: Auge um Auge

Beitragvon Purzelito » So 19. Nov 2017, 11:26

Oh, Entschuldigung, hätte ich nicht mehr schreiben sollen ....
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Re: 1035: Auge um Auge

Beitragvon Carlo Menzinger » So 19. Nov 2017, 11:29

Purzelito hat geschrieben:
Carlo Menzinger hat geschrieben:Genau daran haben sich ja einige Foristen hier aufgeregt. Warum soll es nicht auch solche Flüchtlinge geben? Warum sollten sie so negativ dargestellt werden, wie Du forderst?

Carlo Menzinger, die Figur der Syrerin hatte doch nur den Zweck, Sieland dramaturgisch zur "Organisation" des Computers zu bringen. In diesem Kontext muss man sie sehen.

Ja, nicht mehr und nicht weniger.

Es ist doch durchaus möglich, dass Zuschauer sich am modelhaften Aussehen der englischsprachigen Syrerin gestossen haben. Die Figur war möglicherweise nicht dazu angetan, eine irgendwie geartete Not/Notwendigkeit/Bedürftigkeit zu vermitteln, die den Diebstahl eines Polizeicomputers gerechfertigt hätte.

Aber warum muss man sich daran stossen? Ich denke halt schon, daß damit eine Sicht der Dinge auf die Flüchtlingsproblematik mit einfliesst. Sieht man ja auch an der Aussage Bollmanns: "nicht die übergroße Anzahl der seit dem Kontrollverlust an den Grenzen Hereingekommenen".

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