145: Fluppys Masche

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Wachtmeister
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145: Fluppys Masche

Beitragvon Wachtmeister » Mi 30. Aug 2017, 13:28

Erstsendung: 06.02.1983
Produktionssender: Sender Freies Berlin

Erstsendung der restaurierten Fassung: 28.08.2017 (RBB)


Inhalt:
Als Fluppy - wie immer mit seiner Masche - einen Überfall auf den Juwelierladen Malcher startet, kann er nur noch den Rest der Juwelenbeute in seine Taschen stopfen. Der Laden ist bereits durchwühlt worden, der Tresor offen, der Juwelier liegt mit blutendem Kopf auf dem Fußboden. Mit knapper Not gelingt es ihm, mit seinem Raub an Kunden und Passanten vorbei aus dem Laden auf die Straße zu stürzen, und dort im Menschengewühl zu verschwinden.

Als Kommissar Walther und Assistent Hassert am Tatort eintreffen, sind Polizeiarzt und Spurensicherung bereits am Werk. Der Juwelier ist tot. Walther und Hassert haben einen neuen Fall zu lösen. Die ersten Ermittlungen ergeben, daß Juwelier Malcher kurz vor dem Überfall hier im Laden seine junge Geliebte empfangen hat. Und weiter, daß neben anderen wertvollen Juwelen auch ein kostbarer Familienschmuck aus dem Tresor verschwunden ist. Wie aus den liegengebliebenen Papieren hervorgeht, gehörte der Schmuck einem Ehepaar Wrangel, das in erheblichen, finanziellen Schwierigkeiten steckte und deshalb das Familienerbe von Juwelier Malcher beleihen ließ.

Wieder einmal - wie schon so oft - stehen Walther und Hassert vor der Aufgabe, den Angehörigen eines Ermordeten die schmerzliche Tatsache beizubringen. Der Besuch bei Frau Malcher ist kurz, und für die Ermittlungen nicht eben hilfreich. Nach den bisherigen Ergebnissen konzentrieren sich die Verdachtsmomente immer dichter auf den Ehemann Wrangel. Walther läßt ihn festnehmen. Auch Fluppy ist inzwischen gefaßt und in Gewahrsam genommen worden. Kommissar Walther und Assistent Hassert haben noch eine harte Nuß zu knacken, um diesen Fall zu einem gerechten Ende zu bringen.


Besetzung:
Kommissar Walther - Volker Brandt
Assistent Hasserl - Ulrich Faulhaber
Yasmin Wrangel - Sabine Sinjen
Herr Wrangel - Peter Aust
Fluppy - Stefan Behrens
Herr Malcher - Friedrich Siemers
Frau Malcher - Dagmar Altrichter
Vera - Anita Lochner
Wichmann - Horst Schön
Diebold - Rainer Pigulla
Frau Homberg - Käte Haack

Stab:
Regie - Wolfgang Luderer
Buch - Joachim Nottke
Buch - Karlheinz Knuth
Kamera - Hans Hessel

Zur Folgenseite im Fundus:
http://www.tatort-fundus.de/web/index.php?id=1136
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Wachtmeister
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Re: 145: Fluppys Masche

Beitragvon Wachtmeister » Mi 30. Aug 2017, 13:38

Den Kommissar Zufall, der am Flughafen, immerhin gut vorbereitet, zum Einsatz kam, und die bisweilen papierenen Dialoge verzeihe ich diesmal gern.
Es ist ein schön verwickelter Fall mit einigen Überraschungen. Von der bisherigen Konzeption der SFB-Tatorte ist geblieben, daß das Mordkommissariat mit einem anderen Dezernat zusammenarbeitet. Ansonsten ist ein völlig anderer Plot angelegt worden. Nur am Anfang sieht es noch so aus, als ob es wieder ein Howcatchem ist. Das ist zwar nicht ganz falsch, aber dann doch eher irreführend – was hier ein Pluspunkt ist, da auch der geübte Krimikucker etwas zu rätseln bekommt und nicht einfach vom Genre aufs Ergebnis schließen kann. Ganz anders als in den Berliner Folgen zuvor liegt diesmal nach wenigen Minuten die Leiche am Boden. Die Entwicklung zum Mord wird nicht gezeigt, sondern muß – eher krimikonventionell – von der Kripo ermittelt werden.
Als dann kurz vor Schluß klar ist, wer den Juwelier erschlagen hat
Spoiler :
kommt es zu einer verblüffend nüchternen Verhaftung.

Hasserts Rolle ist deutlich zum Vorteil aufgewertet worden. Nun ist es nicht mehr nur ein Sidecick, sondern ein Kollege, der sich tatsächlich an den Ermittlungen beteiligt.
Diesmal gibt es einen Kriminalbeamten namens Wichmann, der tatsächlich der Chef von Walther und Hassert ist. Er wird von Horst Schön gespielt. Es ein autoritär agierender Vorgesetzter, der aber nicht zum Kasper mutiert, sondern als Fachmann durchschaut, was er von der Aussage der Frau Wrangel halten soll. (Der Herr Wichmann in Katz und Mäuse wurde von Jürgen Schmidt gespielt und hatte eine andere Rolle. Das hat für Verwirrung gesorgt. – Vielleicht ist es der Bruder. ;) )
Walther fährt seine rote Alfa Romeo Giulia nicht mehr und hat nicht einmal mehr sein stets scheiterndes Liebesleben. Selbst seine Wohnung wird gewissermaßen von der Ermittlung in Beschlag genommen. Das heißt: Man wird durch keinen Privatkram abgelenkt. Diese Tatort-Folge ist ein reiner Krimi.

Man hat sich dafür wieder eine prominente Besetzung geleiset u. a. Käthe Haack, Anita Lochner, Sabine Sinjen und Stefan Behrens. Letzterer war auch für das Lokalkolorit zuständig, von dem ansonsten nicht viel zu sehen oder hören war. Es gab nur ein paar dezente Hinweise auf den Transit.

Der Film ist auch schon über 34 Jahre alt, aber das Ambiente wirkt m. E. etwas weniger vorsintflutlich als in den nur wenig älteren Berliner Folgen zuvor. Immerhin steht ein Kopierer im Büro. Der Krimi könnte dennoch nicht in die Gegenwart übertragen werden, denn "Fluppys Masche", einen Juwelier von einer Telefonzelle anzurufen, die dem Geschäft gegenüber steht, wäre heute schon mangels Telefonzellen kaum noch zu stricken. Und wenn die Location Scouts doch etwas Passendes fänden, würde es sehr putzig wirken, jemandem dabei zuzusehen, der in einer Telefonzelle einen Überfall vorbereitet, während drumherum die meisten Menschen auf ihr Smartphone starren.

Den Hintergrund wenigstens eines der Verbrechen bildet die seit Mitte der 70er Jahre immer mehr kriselnde Wirtschaft. Das wird zwar erläutert und spielt bei den Ermittlungen eine Rolle. Aber der Film bleibt ein Krimi: Es werden die Wirkungen gezeigt; fertig. Es rennen keine Kommissare über Flure oder Parkplätze und rufen sich geegenseitig das zu, was die Zuschauer von der Welt denken sollen.

Kurzum: Die Stärke dieses Krimis ist die, daß es ein Krimi ist und keine Mogelpackung. Und als solcher hat er mich gut unterhalten.

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