069: Transit ins Jenseits

Alles rund um die einzelnen Tatort-Folgen
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Deichgraf
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Re: 069: Transit ins Jenseits

Beitragvon Deichgraf » Fr 8. Okt 2010, 18:35

Tatort_Celerina hat geschrieben:Kann jemand von euch beurteilen, wie realistisch die Fluchtdarstellung war? Konnte man wirklich auf diese Weise aus der DDR fliehen? Oder wäre so ein Versuch von vornherein zum Scheitern verurteilt?


Also ich hab immer nur gedacht, so verdächtig wie die Trulla da auf dem Parkplatz stand,und wartete wie auf dem Presentierteller, das wäre niemals gut gegangen.Für die Zeitverzögerung kann se nix, klar, aber realistischer wäre gewesen, wenn Sie *husch* im richtigen Moment aus dem Gebüsch gekommen wäre.

Ganz davon ab, das die Autopanne mit den VoPos in Sichtnähe war.
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lexi4berlin
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Re: 069: Transit ins Jenseits

Beitragvon lexi4berlin » Di 19. Okt 2010, 19:43

Zum Thema "War die Flucht realistisch?"

- Die Austauschvariante wäre an sich durchaus möglich gewesen. Allerdings waren die DDR-Grenzer gut geschult, da hätte die Ähnlichkeit schon sehr hoch sein müssen. Aber auch ohne Todesfall hätte es vermutlich strafrechtliche Konsequenzen von Westseite aus gegeben - nicht sehr attraktiv für Fluchthelfer.

- Warten auf dem Parkplatz wäre zum Scheitern verurteilt gewesen. Die Parkplätze (auch die kleinen) wurden verdeckt überwacht, nicht selten sogar mit versteckter Videotechnik.

- Im Transit gab es sogar erfolgreiche Kofferraummitnahmen. Aufnahme der Flüchtlinge (Jargon der DDR-Sicherheitsorgane: "Zusteiger") erfolgte dabei aber etwa während verkehrsschwachen Zeiten auf freier Strecke in einer Senke der Transitautobahn (nicht von vorne/hinten einsehbar). Nach der Installation der Cäsium-137-Strahler an der Grenze konnten Menschen im Kofferraum allerdings per Röntgenbild festgestellt werden (ohne dass diese Kontrolle hätte bemerkt werden können).

Übrigens:
Die Sicherheitsorgane an der Grenze, sofern nicht Zoll oder PKE (Personenkontrolleinheit, Stasi) waren allenfalls GREPOS (Grenzpolizisten, von "Grenztruppen der DDR", allerdings nicht dem Innenministerium, sondern dem Ministerium für Nationale Verteidigung unterstellt), in keinem Fall aber VOPOS (Volkspolizisten).
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Tatort_Celerina
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Re: 069: Transit ins Jenseits

Beitragvon Tatort_Celerina » Mi 20. Okt 2010, 08:47

Danke dir, das war eine sehr informative Antwort auf meine Frage!

Schon irgendwie "krank", was die veranstaltet haben, um niemanden rauszulassen. Aber irgendwie war ja das ganze System da krank... *

* Sorry, das passte jetzt nicht zum Thema "Tatort", und dies hier ist kein politisches Forum, aber ich musste es einfach schreiben, nachdem ich lexi's Beitrag gelesen habe.
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Re: 069: Transit ins Jenseits

Beitragvon (Tat)ortimOsten » Do 25. Nov 2010, 18:37

Lange Zeit steht der Film bei mir im Regal und endlich habe ich ihn mir angeschaut.

Ein Tatort, in dem eine Stunde durch die Landschaft getourt wird, würde heute gesteinigt werden. Ich muss sagen, ich fand ihn wunderbar. Spannende Autofahrt auf der Transitstrecke, wird die Flucht klappen? Wann taucht die nächste Vopo-Streife auf? Wird der Treffpunkt auf dem Rastplatz (trotz Wagenknecht :D ) eingehalten? Und ich habe Westernhagen die ganze Zeit nicht erkannt. :oops:
Auch die kurzen Ermittlungen fand ich gelungen (trotz des großen Zufalls) und die Kooperation mit München toll.
Ich kenne die anderen beiden Schmidt-Fälle nicht, aber als Kommissar würde ich ihn jetzt nicht als den Schlechtesten einschätzen.

Was ich schade fand, dass der Berliner Dialekt ausgeblieben ist, was ja bei "Rattennest" in vollem Umfang vorhanden war. Aber sonst neben "Reifezegnis" der beste Tatort dieser Zeit.
Bis bald!
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Re: 069: Transit ins Jenseits

Beitragvon TV_Maniac » Sa 27. Nov 2010, 11:37

Die anderen beiden Schmidt-Tatorte kommen leider nicht an die Qualität von "Transit ins Jenseits" heran. "Feuerzauber" ist eher durchschnittlich und "Tod im U-Bahnschacht" ist ein heißer Kandidat auf den schlechtesten Tatort der 70er Jahre. Eine Folge, die ich kein zweites Mal ertragen kann, und das will was heißen... :roll:

Es gibt aber noch weitere Folgen, die unter der Regie von Günter Gräwert entstanden sind. "Rattennest" wurde bereits erwähnt, mir gefällt auch "Sterne für den Orient" sehr. Da gibt es ein Wiedersehen mit Herrn Wagenknecht (Götz Olaf Rausch; im Prinzip in der gleichen Rolle, aber anderer Name).
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Re: 069: Transit ins Jenseits

Beitragvon JB988 » So 9. Jan 2011, 00:25

Hallo allerseits,

"Transit ins Jenseits" hat sich auch bei mir definitiv einen Platz in meiner einstelligen Rangliste erobert ;) . Neben dem bereits genannten geschichtlichen Hintergrund und den Lokalitäten zeichnet sich der Film auch durch die musikalische Unermalung, einerseits von Klaus Doldinger, andererseits mit sehr vielen zeitgenössischen Musiktiteln, aus.

Hier war meine Recherche allerdings nur teilweise erfolgreich; bisher erkannt habe ich:

  • Gloria Gaynor - Reach Out, I'll Be There (Disco-Szene, in der Horst Erikas Augenfarbe erstalkt :D )
  • Asha Puthli - Space talk (Szene beim Friseur)
  • Marie Louise - Wir [unsicher] (Szene mit Horst und Erika auf dem Parkplatz, kurz vor dem Zusammentreffen mit den VoPos)
  • Smokie - Don't Play Your Rock 'n' Roll to Me (Szene in der Münchener Bar, wo Horst die Pistole "Ostmodell" erwirbt)

Kennt jemand die weiteren Interpreten und Titel der Lieder, die im Laufe des Filmes zu hören sind? Insbesondere suche ich das Lied, welches in der Szene, wo Horst am Zollamt Dreilinden tankt (kurz vor der Überfahrt in die DDR), im Hintergrund aus Martins Mercedes zu hören ist.

Aber auch die Lieder in anderen Szenen (Supermarkt, Erikas "Check" durch Martin in Willners Bar, Erika in der Badewanne, Horst und Erika direkt nach der Grenzkontrolle im Auto [zwei Lieder], Horst und Gisela kurz nach dem "Mord" im Auto) sind natürlich interessant - kann hier jemand weiterhelfen :) ?

Vielen Dank im Voraus!!
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Re: 069: Transit ins Jenseits

Beitragvon Rebus » So 9. Jan 2011, 15:45

Hi JB988,

tatsächlich auch musikalisch eine zeitgeschichtlich sehr interessante Folge :)
Hier weitere Titel:

Joe Dassin - L'été Indien (Martin in Willners Bar, 3'20")
Nino Rota - Love Theme From The Godfather (Erika in der Badewanne, Horst legt auf, 15')
Slim Whitman - I'd Climb The Highest Mountain (2. Lied nach Grenze, 27'10")
Es ist «Marie Louise» von Wir auf dem Rastplatz (33'20")
New Vaudeville Band - Winchester Cathedral (nach Mord im Auto, 55')
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Wilkie
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Re: 069: Transit ins Jenseits

Beitragvon Wilkie » Sa 15. Jan 2011, 12:36

Meine Wertung lautet natürlich auch 10 Punkte.

Dennoch hat der Film einen Haken: Die kommerzielle Fluchthilfe ohne Gewaltanwendung war nach BRD-Gesetz nicht strafbar. Wenn alles nach Plan gelaufen wäre, hätten die Fluchthelfer also legal gehandelt.

Bremer war eigentlich ein gutmütiger Mensch, er wurde auf DDR-Gebiet zwar leicht nervös, aber das ist bei dem Risiko ja auch verständlich. Als die Frau ziemlich ungehalten und wild wird, behält er noch einigermaßen die Ruhe (halt die Klappe, ein kurzer Schlag nach hinten, also nichts wirklich kriminelles). Dann kommt es zu dem unglücklichen Sturz der Frau, ein Unfall.

Später wandelt sich Bremer zu einem kaltblütigen Verbrecher, der die geflüchtete Frau erschiessen will. Das paßt nicht so ganz, zumal die Motivlage auch nicht ganz nachvollziehbar ist, denn ein Verbrechen
war ja gar nicht geschehen. Bremer hätte der Polizei seine Geschichte erzählt und das wäre auch glaubwürdig gewesen. Es gab ja eine Zeugin für die ganzen Probleme, das Warten auf dem Parkplatz, die völlig aufgelöste Frau usw. Einen Totschlag im Affekt hätte man Bremer nie nachweisen können und es war ja auch keiner. Er hatte also nichts zu fürchten, der andere Fluchthelfer schon gar nicht. Dann aber der geplante Mord an gerade der Frau, die Bremer entlasten könnte ...

Das letzte Drittel des Filmes wäre mit einer kleinen Änderung am Drehbuch glaubwürdiger gewesen: Bremer verliert die Nerven, schlägt die Frau brutal, diese stirbt. Die DDR-Flüchtende sieht alles mit an. Dann hätte der ganze Rest ideal gepaßt.
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Re: 069: Transit ins Jenseits

Beitragvon Elder Statesman » Sa 15. Jan 2011, 18:06

Ich kann Bremers Handeln durchaus nachvollziehen. Er wird ja von den Hintermännern unter Druck gesetzt, die Sache aus der Welt zu schaffen. Warum, das liegt auf der Hand: Die Fluchthilfe an sich war vielleicht im Westen nicht strafbar, aber sie ging doch mit einigen anderen Delikten einher wie zum Beispiel Urkundenfälschung. Wenn man solche Unternehmungen anhand des Strafgesetzbuchs überprüft hätte, dann wäre bestimmt einiges zusammengekommen. In diese Richtung äußerte sich ja auch der von Wilfried Klaus gespielte Jurist im Film. Insofern ist es schlüssig, dass der fiese Baltus Bremer eindringlich darauf hinweist, dass man keine Zeugen gebrauchen könne, und dieser dann - das ist dann wieder Krimilogik - zu diesem harten Mittel greift.
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Re: 069: Transit ins Jenseits

Beitragvon Beeblebrox » Fr 4. Feb 2011, 10:00

Nochmal zum Thema Schauplätze dieser Folge:
hab die Folge schon lange nicht mehr gesehen, aber ich meine, mich zu erinnern, dass das Brückenrasthaus Frankenwald über der A9, das direkt an der Grenze zur DDR/Thüringen liegt, auch ein Schauplatz war.

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