069: Transit ins Jenseits

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Quileute
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Re: 069: Transit ins Jenseits

Beitragvon Quileute » Mi 12. Jul 2017, 20:29

:oops: mir ist das nicht aufgefallen :? (war vielleicht einen Tick zu unaufmerksam, was das betrifft)
Dafür gab es in dieser interessanten Folge auch wirklich viel zu sehen. Die schöne Landschaft an der Transitstrecke und die ständige Angst erwischt zu werden bildeten einen spannenden Kontrast. Die alten Autos, die Telefonzellen, der damalige Münchner Flughafen ... der Alltag im West-Berlin der 70er.
Eigentlich wollte ich ja nur mal gucken, ob man diese alten Folgen im Livestream sehen kann und bin "hängen geblieben".
... alle 57 Tatort-Folgen mit Kopper gesehen
Carrera124
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Re: 069: Transit ins Jenseits

Beitragvon Carrera124 » Di 22. Aug 2017, 15:40

Ich muss zugeben, dass ich die Handlung nicht komplett verstanden habe. Wer war denn nun die Frau, die aus dem Osten rüberwollte? Gehörte sie zum Bekanntenkreis von Poll/Bremer, oder war sie einfach nur eine "Kundin", die gegen Cash in den Westen rüberwollte?

Und warum verhalten sich Poll/Bremer ihr gegenüber so freundlich-unterwürfig, während Bremer sich gegenüber Erika wie der letzte Dreck verhält?

Und warum will Bremer dann Gisela ermorden? Was bringt ihm das?
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TV_Maniac
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Re: 069: Transit ins Jenseits

Beitragvon TV_Maniac » Di 22. Aug 2017, 17:35

Gisela hat sich bei Poll/Bremer, eigentlich wohl bei Raffeiner (Gerd Baltus), die Fluchthilfe aus der DDR erkauft. Für ihre Masche benötigen sie eine ähnlich aussehende Frau. Diese wird von Bremer organisiert. Wäre alles plangemäß abgelaufen, hätte Gisela nachher bei Bremer im Admiral gesessen und Erika bei Poll im Kofferaum des /8 gelegen (der über ausreichend Platz verfügt, ich fahre einen ;) ). Die beiden Frauen wären sich also nicht begegnet. Wie Bremer das später Erika klargemacht hätte, die ja zumindest zum Teil aus Mitleid/Liebe gehandelt hat, weiß man nicht.

Bremer ist so freundlich zu Gisela, weil sie ja Kundin der Schleuser ist. Als Erika im Auto erkennt, in welche Sache sie sich durch die Lügen von Bremer hat hineinziehen lassen, dreht sie durch. Ihr Tod auf dem Rastplatz ist ein Unfall. Gisela ist Zeugin des Unfalls und die Schleuserbande muss befürchten, dass sie gegenüber den Westbehörden aussagt. Daher soll sie umgebracht werden.
Carrera124
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Re: 069: Transit ins Jenseits

Beitragvon Carrera124 » Di 22. Aug 2017, 17:46

TV_Maniac hat geschrieben:Gisela hat sich bei Poll/Bremer, eigentlich wohl bei Raffeiner (Gerd Baltus), die Fluchthilfe aus der DDR erkauft. Für ihre Masche benötigen sie eine ähnlich aussehende Frau. Diese wird von Bremer organisiert. Wäre alles plangemäß abgelaufen, hätte Gisela nachher bei Bremer im Admiral gesessen und Erika bei Poll im Kofferaum des /8 gelegen (der über ausreichend Platz verfügt, ich fahre einen ;) ).

Das war mir soweit klar.

TV_Maniac hat geschrieben:Bremer ist so freundlich zu Gisela, weil sie ja Kundin der Schleuser ist.

Das verstehe ich nun nicht.
Die Schleuser haben ja - soweit ich das verstanden habe - nicht aus idealistischen, sondern rein aus geschäftlichen Gründen ihre Fluchthilfe-Business aufgebaut. Es geht also rein ums Geld. Außer vielleicht persönlicher Sympathie gäbe es also keinen besonderen Grund, übertrieben freundlich zur Kundin zu sein.
Dem entgegen steht Erika, die für das Gelingen des Plans von essentieller Bedeutung ist. Anstatt sie zu besänftigen, stößt sie Bremer zusätzlich vor den Kopf und provoziert sie dadurch erst recht. Für mich völlig unlogisch und unverständlich.

TV_Maniac hat geschrieben:Gisela ist Zeugin des Unfalls und die Schleuserbande muss befürchten, dass sie gegenüber den Westbehörden aussagt. Daher soll sie umgebracht werden.

Prinzipiell klar, aber warum bringt sie Bremer dann überhaupt in den Westen zu Poll? Dass Gisela eine gefährliche Zeugin ist, gilt ja eigentlich ab der Sekunde des Vorfalls.
Entweder hätte er sie dann doch gleich in der DDR stehenlassen sollen -> Aussage bei Westbehörden schwierig und gefährlich.
Oder sie halt auch gleich sofort beseitigen.
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Re: 069: Transit ins Jenseits

Beitragvon Tatort_Celerina » Di 22. Aug 2017, 18:47

Carrera124 hat geschrieben:Das verstehe ich nun nicht.
Die Schleuser haben ja - soweit ich das verstanden habe - nicht aus idealistischen, sondern rein aus geschäftlichen Gründen ihre Fluchthilfe-Business aufgebaut. Es geht also rein ums Geld. Außer vielleicht persönlicher Sympathie gäbe es also keinen besonderen Grund, übertrieben freundlich zur Kundin zu sein.
Der Bäcker, der mir meine Brötchen verkauft, handelt auch aus rein geschäftlichen Gründen. Trotzdem ist er freundlich zu mir! Vielleicht sind die "Schleuser" freundliche Menschen und sind - auch ohne Grund - einfach freundlich zu ihrer Kundin.
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Wer jetzt allein ist
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Re: 069: Transit ins Jenseits

Beitragvon Carrera124 » Di 22. Aug 2017, 20:03

Aber warum NUR zu den Kunden und NICHT zur (unfreiwilligen) Komplizin?
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Re: 069: Transit ins Jenseits

Beitragvon Purzelito » Di 22. Aug 2017, 21:26

Diesen Tatort habe ich mir eigentlich nur wegen Götz George angetan. Normalerweise habe ich für diese alten Kamellen nichts übrig, was ich hier mal wieder bestätigt bekam. Die 70er Jahre sind mir noch sehr nah. Zeit der Ponton-Autos, Pilotenbrillen, Münzfernsprecher, Telex, Maxiröcke und kindlich-arglosen Gemüter. Damals fand man wohl auch nichts dabei, dass im TV des öfteren Frauen was an die Mappe bekamen.

Die Story selbst kann man vom Zeitgeist und der politischen Lage her heute kaum noch jemandem vermitteln, der es nicht selbst erlebt hat. Der Film nimmt sich sehr viel Zeit für die Transitstrecke und die Grenzkontrollen, transportiert aber auch bestens das Gefühl und die Befindlichkeiten der damaligen Zeit. Ich selbst durfte das auf Reisen per Auto und Interzonenzug in die DDR erleben. Auch wenn man unbescholten war, konnte man sich angesichts von MP-bewehrten Soldaten, Wachbrücken und Wachtürmen, fahrbaren Spiegeln zum Unterleuchten etc. einer gewissen Nervösität und Mulmigkeit nicht erwehren.

Fluchthelfer-Trio heckt mit doppeltem Lottchen auf der Transitstrecke einen Plan aus, Imponderabilien bringen diesen zu Fall, man hofft, mit kindlicher List davonzukommen, indem man die DDR-Gisela quasi als Fluchtopfer an der deutsch-deutschen Grenze erschiesst. Naja. Übrigens: die Diskussion im Büro über Fluchthelfer und Moral ist damals so zynisch und scheinheilig wie heute. Sie wird im Film so didaktisch vorgetragen wie in einem Seminar.

Gut war das Crossover mit Veigl. Das sollte die ARD angesichts der Vielzahl der Kommissare heuzutage des öfteren erwägen.
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Purzelito
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Re: 069: Transit ins Jenseits

Beitragvon Purzelito » Di 22. Aug 2017, 21:27

Carrera124 hat geschrieben:Aber warum NUR zu den Kunden und NICHT zur (unfreiwilligen) Komplizin?

Ich habe es so empfunden, dass er sich bei Erika mehr herausgenommen hat, weil die beiden sich gut kannten und eigentlich laut Plan ein Liebespaar waren. Bremer fungierte da als Loverboy. Als Erika erkannte, dass sie nur benutzt worden war, hatte er ihr gegenüber an Gefühlen nichts mehr zu verlieren und konnte die Maske fallen lassen. Er hätte sie nach Abschluss der Flucht ja sowieso wieder loswerden müssen, um sich an die nächste Doppelgängerkandidatin heranzumachen.

Gisela gegenüber musste er beschwichtigend auftreten, weil sie unsicher wurde, als Erika begann, den Fluchtplan zu erläutern. Die beiden Frauen wären sich laut Plan nie begegnet, wenn die Wagenknechts nicht dazwischen gekommen wären. Gisela war drauf und dran, in der DDR bleiben zu wollen. Nach dem Unfall brauchte Bremer Gisela zwingend zur Ausreise.
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Deichgraf
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Re: 069: Transit ins Jenseits

Beitragvon Deichgraf » Mi 23. Aug 2017, 02:06

Purzelito hat geschrieben:Gut war das Crossover mit Veigl. Das sollte die ARD angesichts der Vielzahl der Kommissare heuzutage des öfteren erwägen.


Fände ich auch toll, aber da das meist Sendeanstalt übergreifend ist, ist das wieder zuviel Bürokratie, und damit ein no go.

Letztmalig war das doch mit Ehrlicher/Kain und den Kölner im tausch, die 1000er Folge war beides NDR deswegen Problemlos.

Um wieder den Bogen zum Transit zu bekommen, ich liebe diese Folge, gehört zu meinen All Time Top Ten.
Beati Pauperes Spiritu

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