1056: Alles was Sie sagen

Alles rund um die einzelnen Tatort-Folgen
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Carlo Menzinger
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Re: 1056: Alles was Sie sagen

Beitragvon Carlo Menzinger » Mo 23. Apr 2018, 08:55

clubmed hat geschrieben:Ich mag zwar das Team nicht und dachte anfangs o weh nicht schon wieder das Flüchtlingsthema.

Ich find's ja eher schon wieder lustig, dass sich manche tatsächlich über so etwas aufregen können.

wer hat denn jetzt die Schwester erschossen? Die Drogendealer?

Das hatte ich mich nach dem Film gestern auch kurz gefragt. Aber es kann ja eigentlich nur dieser Rehberg gewesen sein. Am Anfang hiess es ja auch, dass es sich um das Kaliber einer Dienstwaffe gehandelt hatte. Soweit ich auch mitgekriegt hatte, waren die anderen Polizisten ja dort in dem Gebäude, weil sie der Schwester gefolgt sind. Vielleicht war Rehberg ja auch mit dorthin gefahren. Ich frag mich nur, was die anderen Polizisten da gemacht hatten, außer wie aufgescheuchte Hühner im Keller herumzuspringen. Wären es die Drogendealer gewesen, hätte man diese doch sicherlich geschnappt oder zumindest gesehen.
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Re: 1056: Alles was Sie sagen

Beitragvon Wachtmeister » Mo 23. Apr 2018, 11:34

Purzelito hat geschrieben:Was mich gewundert hat: Wieso kann Rehberg als Lüneburger Polizeipräsident oder Dienststellenleiter im eigenen Laden interne Ermittlungen führen? Und warum ist er vor Ort im Sishaladen in Einsatzuniform zu sehen?

Es waren keine internen Ermittlungen. Falke fragte ja gleich nach, als was er jetzt befragt würde. Rehberg ordnet es als eine Befragung ein, damit er am andern Morgen der Presse etwas mitteilen könne. Was er wirklich will, wird im Verlauf klar.
Eine Einsatzuniform habe ich nicht erkannt. Er ist in dem Laden, um
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sein Bestechungsgeld zu kassieren.
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Re: 1056: Alles was Sie sagen

Beitragvon Wachtmeister » Mo 23. Apr 2018, 11:45

Alles was sie sagen ist kein Krimi für Zuschauer, die selten Krimis schauen, sondern für solche, die die Versatzstücke aus dem Krimi-Baukasten leid sind, die im betont unauffällig früh Plazierten den Täter gleich erkennen oder schon anhand der Besetzungsliste wissen: Der war's!
Gerdy Zint ist diesmal
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kein (Klein-)Ganove, nicht einmal der Maulwurf in der Lüneburger Polizei.

Es ist klar der beste Falke-Tatort. Regisseur und Autoren hatten offensichtlich das Tatort-Publikum im Blick. Dazu haben sie einen eleganten Trick angewandt: Der Lüneburger Polizeichef als interner Ermittler erscheint als Vertreter des Publikums im Film, weil er herausfinden will, was da los war. Daß er gegen unser Ermittlerduo ermittelt, macht die Sache prickelnd. Jörn Knebel spielt die Rolle konsequent ohne jede Übertreibung.

Falke und Grosz repräsentieren auf der dramaturgischen Ebene
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das Autorenduo, das sich etwas ausgedacht hat. Das ist die andere Seite des Tricks, was erst am Ende aufgedeckt wird.

Als Zuschauer sehen und hören wir, was die beiden in getrennten Vernehmungen Rehberg erzählen, und wir bekommen es vorgespielt. Hier hat dann das wiederhohlte Overacting Möhrings eine Funkion, denn
Spoiler :
es ist eigentlich das Spiel Falkes.

Zugleich wird der Film durch den Wechsel von Gesprächs- und Spielszenen abwechslungsreich.

Die verschiedenen Versionen, die durchgespielt werden, machten es sicherlich für die Schauspieler interessant. Als Zuschauer durchschaut man es vollends erst am Schluß. Ein Drops mit Füllung. Solche schauspielerischen Herausforderungen sind für Krimi-Zuschauer interessanter als die Versuche, die Rollen der Ermittler mit einer krausen Biographie aufzuwerten. In dieser Folge wurde sogar Grosz' traumatische Belastungsstörung abgehakt.
Selbst Grozs Verwicklung in den Fall über eine alte Liebschaft
Spoiler :
ist nur vorgetäuscht.
Man kann ein gutes Drehbuch eben doch vom Plot her schreiben.

Die Idee der Falke-Krimis ist in diesem Fall ausgereift, weil alles Überflüssiges abgestreift wurde. Das Duo begibt sich als Bundespolisten an irgendeinen Ort in Norddeutschland, sodaß andere als die Kulissen der üblichen Krimistädte zu sehen sind.
Dieses Konzept ermöglicht den Filmen einen ganz anderen Einstieg als üblich, wo die Mordkommission zu einem Leichenfund gerufen wird.
Da die beiden von der Bundespolizei hier die Hauptpersonen sind, fällt auch das Klischee unter den Tisch, daß von "da oben" arrogante Trottel kommen, die einen Ermittlungserfolg verhindern – es sei denn, man spielt damit wie hier, als Junker sich beschwert, er wolle sich den Fall nicht kaputt machen lassen.
Spoiler :
Am Ende hat er seinen Erfolg.

In dieser Folge gehört es zum Konzept, die Klisches, die bei den Krimi-Fans Langeweile oder Empörung verursachen umzudrehen.

Zeitkolorit ist durchaus vorhanden in Gestalt des libanesischen Drogenrings. Und die Verhöre demonstrieren, was von den berüchtigten "alternativen Fakten" zu halten ist.

Es bleibt allerdings ein Frage, die für einen Krimi wesentlich ist, offen:
Spoiler :
Wer ist der Mörder? Wer erschoß Alima Khaled? Bei der Verhaftung nach dem vereitelten Mordversuch wurde nur der Verdacht geäußert, daß der Mann wohl Alima erschossen habe.
Aus der Waffe Möhrings, die Rehberg anfangs als Tatwaffe behauptete, blieb im Laufe der Vernehmungen nur noch das Kaliber, welches auch das von Polizeiwaffen ist. Es könnte jemand von der Polizei sein, muß aber nicht.

Trotzdem ist der Film gelungen. Die Idee wurde filmisch perfekt umgesetzt. Krimi-Klischees wurden nicht bedient, sondern man hat sich ihrer bedient. Am Ende fällt der doppelte Boden für Rehberg und die Zuschauer mit der Hauptebene zusammen – ist eine schöne Pointe.

Weitermachen!
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Re: 1056: Alles was Sie sagen

Beitragvon Wachtmeister » Mo 23. Apr 2018, 12:03

Carlo Menzinger hat geschrieben:
clubmed hat geschrieben:wer hat denn jetzt die Schwester erschossen? Die Drogendealer?

Das hatte ich mich nach dem Film gestern auch kurz gefragt. Aber es kann ja eigentlich nur dieser Rehberg gewesen sein. Am Anfang hiess es ja auch, dass es sich um das Kaliber einer Dienstwaffe gehandelt hatte. Soweit ich auch mitgekriegt hatte, waren die anderen Polizisten ja dort in dem Gebäude, weil sie der Schwester gefolgt sind. Vielleicht war Rehberg ja auch mit dorthin gefahren. Ich frag mich nur, was die anderen Polizisten da gemacht hatten, außer wie aufgescheuchte Hühner im Keller herumzuspringen. Wären es die Drogendealer gewesen, hätte man diese doch sicherlich geschnappt oder zumindest gesehen.
Es ist der einzige wesentliche Mangel in diesem Film.
Spoiler :
Für Rehberg als unmittelbaren Täter spricht m. E. nicht viel. Soll er getrennt von der Einsatztruppe allein durch das verfallene Gebäude geistern? Aber er hat wie die libanesische Gang ein Motiv. Denn Kalded ist Zeuge der Bestechung. Wie der Drogenpate kann er seine Leute dorthin schicken, um Abbas Khaled festnehmen zu lassen. Und er hat das Recht dazu, weil der Flüchtling zur Fahndung ausgeschrieben ist. Das Kaliber der Schußwaffe ist ein relativ geringes Argument – Falke bleibt deswegen im Verhör auch gelassen. Ob eine bestimmte Waffe die jeweilige Tatwaffe ist, muß gesondert untersucht werden. Das Kaliber ist auch nicht auf Polizeiwaffen beschränkt. Und selbst wenn es so wäre, können Kriminelle in den Besitz solcher Pistolen gelangen – in diesem Fall auch mit Hilfe Rehbergs.
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Re: 1056: Alles was Sie sagen

Beitragvon Carlo Menzinger » Mo 23. Apr 2018, 13:18

Wachtmeister hat geschrieben:Für Rehberg als unmittelbaren Täter spricht m. E. nicht viel. Soll er getrennt von der Einsatztruppe allein durch das verfallene Gebäude geistern?

Warum nicht? Falk und Grosz sind ja auch getrennt durch die Räume gegangen. Stutzig hat mich eher gemacht, warum die anderen Polizisten in einer größeren Gruppe hinter dem Gitter aufgetaucht sind und irgendwie ziemlich unorganisiert und verwirrt gewirkt haben. Was wollten sie genau dort und dann auch noch alle zusammen auf einem Haufen? Sah ein bisschen unprofessionell aus.

Aber er hat wie die libanesische Gang ein Motiv. Denn Kalded ist Zeuge der Bestechung. Wie der Drogenpate kann er seine Leute dorthin schicken, um Abbas Khaled festnehmen zu lassen. Und er hat das Recht dazu, weil der Flüchtling zur Fahndung ausgeschrieben ist.

OK, Rehberg hatte ja auch den Kontakt zu der Gang, z.B. um sie zu Falkes Hotel zu schicken, da er den Flüchtling dort versteckt hielt. Aber wäre es jemand aus der Gang gewesen, die auf die Schwester geschossen hätten, dann dürfte die Gefahr, dort von den anderen Polizisten entdeckt zu werden ziemlich groß sein. Wenn Rehberg von seinen Kollegen dort angetroffen wird, ist das nicht so auffällig.

Das Kaliber der Schußwaffe ist ein relativ geringes Argument – Falke bleibt deswegen im Verhör auch gelassen. Ob eine bestimmte Waffe die jeweilige Tatwaffe ist, muß gesondert untersucht werden. Das Kaliber ist auch nicht auf Polizeiwaffen beschränkt. Und selbst wenn es so wäre, können Kriminelle in den Besitz solcher Pistolen gelangen – in diesem Fall auch mit Hilfe Rehbergs.

Ja, das ist klar. Das wäre dann auch bei weiterer Untersuchung herausgekommen.
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Re: 1056: Alles was Sie sagen

Beitragvon Purzelito » Mo 23. Apr 2018, 14:08

Ich finde, für Rehberg als Täter spricht alles.

Die Polizeitruppe unter der Leitung von Kommissar Junker, die sich im UG des Gebäudes befand, hatte einen Einsatz. Wer sie ausgesandt hatte, konnte Grosz nicht mehr erfragen, bevor die Schüsse im OG fielen. Beide Parteien wussten voneinander nicht, warum sie anwesend waren. Die Polizeitruppe schien "normal" bewaffnet zu sein.

Im OG gab es nur einen einzelnen Schützen, der mit einer Laserwaffe ausgerüstet war. Der Schuss sollte eindeutig Khaled treffen, nicht seine Schwester.

Ich denke, Rehberg hat unbemerkt am Einsatzort auf seine Chance gewartet, um während dieses von ihm initiierten Einsatzes Khaled aus dem Weg zu räumen. Falke und Grosz sind leider dazwischen gekommen.

Von diesem Zeitpunkt an mussten Falke und Grosz bereits davon ausgehen, dass es einen Maulwurf gibt, und dafür kamen nur Junker und Rehberg in Frage.
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Re: 1056: Alles was Sie sagen

Beitragvon Wachtmeister » Mo 23. Apr 2018, 21:33

Purzelito hat geschrieben:Ich finde, für Rehberg als Täter spricht alles.

Einiges, aber nicht alles.
Purzelito hat geschrieben:Die Polizeitruppe unter der Leitung von Kommissar Junker, die sich im UG des Gebäudes befand, hatte einen Einsatz. Wer sie ausgesandt hatte, konnte Grosz nicht mehr erfragen, bevor die Schüsse im OG fielen. Beide Parteien wussten voneinander nicht, warum sie anwesend waren. Die Polizeitruppe schien "normal" bewaffnet zu sein.

Ja, die Truppe hatte, wie nach und nach klar wurde, den Auftrag, Khaled festzunehmen.
Purzelito hat geschrieben:Im OG gab es nur einen einzelnen Schützen, der mit einer Laserwaffe ausgerüstet war.

Das irritiert mich am meisten. Gibt es überhaupt für Handfeuerwaffen (Polizeipistolen) Laseraufsätze als Zielhilfe? Wenn nein, ist auch das für Falke bei der Befragung ein Grund mehr, den Anschuldigungen gelassen entgegen zu sehen. Und er kann vermuten, daß Rehberg dahinter steckt, weil der ihn beschuldigen will, Khaled erschossen zu haben.
Purzelito hat geschrieben:Der Schuss sollte eindeutig Khaled treffen, nicht seine Schwester.

Ja, die Schwester war für Rehberg und den Libanesenclan uninteressant.
Purzelito hat geschrieben:Ich denke, Rehberg hat unbemerkt am Einsatzort auf seine Chance gewartet, um während dieses von ihm initiierten Einsatzes Khaled aus dem Weg zu räumen. Falke und Grosz sind leider dazwischen gekommen.

Möglich ist es, aber nicht zwingend.
Möglich ist auch, daß die Anwesenheit von Falke und Grosz von Rehberg einkalkuliert war – wenn der denn der Täter gewesen sein sollte. Die beiden können Verwirrung stiften, weil Junker und seine Truppe nicht mit ihnen rechnen. Und man kann versuchen, ihnen die Tat in die Schuhe zu schieben.
Purzelito hat geschrieben:Von diesem Zeitpunkt an mussten Falke und Grosz bereits davon ausgehen, dass es einen Maulwurf gibt, und dafür kamen nur Junker und Rehberg in Frage.

Die Zuschauer sollen aber noch Olaf Spieß für den Maulwurf halten.

Die Indizien, die für Rehberg sprechen, können aber nicht die Möglichkeit ausräumen, daß es der Killer war, der im Motel festgenommen wurde.
Daß diese Sache nicht aufgeklärt wurde, ist unbefriedigend am sonst sehr guten Film.
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Re: 1056: Alles was Sie sagen

Beitragvon witchy_woman » Di 24. Apr 2018, 07:21

Ich fand den Film absolut spannend und ganz klasse inszeniert, durch die "Verhörsituation" und die vielen Rückblenden, teils aus unterschiedlichen Blickwinkeln, wurde es bis zum Schluß nicht langweilig. Sehr schön die letzte Situation mit dem Duzangebot.

Ich denke, daß Rehberg nicht selbst am Tatort war, sondern den Mord bei den libyschen Gangstern beauftragt hat. Er hat diese ja auch während des Verhörs informiert ("dieser Bundespolizist hat ihn"). Die sind dann automatisch zu dem Motel gefahren.
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Re: 1056: Alles was Sie sagen

Beitragvon Schäferhund » Di 24. Apr 2018, 20:43

Wachtmeister hat geschrieben:
Purzelito hat geschrieben:Was mich gewundert hat: Wieso kann Rehberg als Lüneburger Polizeipräsident oder Dienststellenleiter im eigenen Laden interne Ermittlungen führen? Und warum ist er vor Ort im Sishaladen in Einsatzuniform zu sehen?

Es waren keine internen Ermittlungen. Falke fragte ja gleich nach, als was er jetzt befragt würde. Rehberg ordnet es als eine Befragung ein, damit er am andern Morgen der Presse etwas mitteilen könne. Was er wirklich will, wird im Verlauf klar.
Eine Einsatzuniform habe ich nicht erkannt. Er ist in dem Laden, um
Spoiler :
sein Bestechungsgeld zu kassieren.

Das kann ich bestätigen, habe gerade nochmal in der Mediathek nachgesehen. Bei ca. 01:23:20 sieht man, dass Rehberg zivile Kleidung trägt. Als Kriminalrat hat er im Übrigen auch gar keine Uniform, die er anziehen könnte. Nebenbei bemerkt: "Chef" der Lüneburger Polizei kann er mit diesem Dienstgrad gar nicht sein, höchstens Leiter des Zentralen Kriminaldienstes oder eines seiner Fachkommissariate.

Einen Kostümfehler haben wir an anderer Stelle: Olaf Spieß wird mehrfach als Polizeihauptmeister bezeichnet, trägt aber die Uniform eines Polizeioberkommissars. Letzeres würde aber besser passen: wegen seiner gehobenen Stellung innerhalb der Polizei (er scheint den Einsatz- und Streifendienst zu organisieren) und weil er zusammen mit Grosz die Polizeiausbildung gemacht hat, und Grosz ebenfalls Oberkommissarin ist.

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