363: Nachtdienst

Alles rund um die einzelnen Polizeiruf-Folgen
(Tat)ortimOsten
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363: Nachtdienst

Beitragvon (Tat)ortimOsten » So 7. Mai 2017, 17:15

Bayerischer Rundfunk
München

Fernsehfilm Deutschland 2017

Erstsendung: 07. Mai 2017

Figuren:
Hans von Meuffels - Matthias Brandt
Elisabeth Strauß - Elisabeth Schwarz
Marija Abramovich - Marina Galic
Sebastian Kroll - Philipp Moog
Tscharlie Meier - Florian Karlheim
Claus Grübner - Ernst Jacobi
Janni - Mika Ullritz
Frau Braun - Monika Groll
Johannes Stresow - Christian Mey
Gerlach - Andreas Borcherding

Musik: Richard Ruzicka
Kamera: Klaus Eichhammer
Buch: Ariela Bogenberger und Astrid Ströher
Regie: Rainer Kaufmann

Kriminalhauptkommissar Hanns von Meuffels zieht es in den wohlverdienten Feierabend. Da taucht die sehr verwirrte 80-jährige Elisabeth Strauß im Kommissariat auf und berichtet von einem Mord, den sie angeblich beobachtet hat. Hanns von Meuffels nimmt die Ermittlungen auf, die ihn in ein Münchner Altenheim mit überforderten Pflegern und vielen betreuungsintensiven Patienten führen. Die Suche nach der Wahrheit erweist sich für Meuffels als sehr schwieriges Unterfangen. Es ist der Beginn einer Nacht, die er so schnell nicht mehr vergessen wird.
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Purzelito
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Re: 363: Nachtdienst

Beitragvon Purzelito » So 7. Mai 2017, 20:48

Was für eine zutiefst deprimierende, aber vermutlich in Teilen wahre Sicht auf die herrschenden Zustände in Alteneinrichtungen!

Obwohl hier Fälle zur Unterbringung im Altenwohnheim, Altenpflegeheim und Gerontopsychiatrie zusammen gewürfelt wurden, entstand doch ein freudloses Bild über die heute übliche Abschiebung und Verwahrung von hilfebedürftigen Menschen am Ende ihres Lebens. Das wünscht sich niemand und doch muss sich ein jeder beizeiten darüber Gedanken machen, wie es bei Krankheit im Alter weitergehen soll, sei es für Angehörige oder für sich selbst.

Mit einem gut gefüllten Geldbeutel kann man sich vielleicht eine optisch angenehmere Umgebung leisten, doch wage ich zu bezweifeln, ob damit die Einsamkeit, die innere Leere, die Verzweiflung oder gar das Sterben erleichtert werden kann.

Matthias Brandt als von Meuffels wird mir fehlen. Zwei Fälle aus München soll es noch geben. Ich konnte mich zunächst nicht mit ihm anfreunden, aber einige seiner Fälle sind echte Meilensteine. Wie kann man nur in dieser Weise für sich die Mordszene nachstellen, sowohl als Ermittler im Film als auch als Schauspieler! Grossartig!
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Deichgraf
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Re: 363: Nachtdienst

Beitragvon Deichgraf » Mo 8. Mai 2017, 12:40

Purzelito hat geschrieben:Was für eine zutiefst deprimierende, aber vermutlich in Teilen wahre Sicht auf die herrschenden Zustände in Alteneinrichtungen!


Wahrscheinlich sieht es in Echt noch viel viel schlimmer aus....

Ich habe zum Schluss noch gehofft, das er zu Marija sagt sie können gehen, der Ex-SEK Mann hatte ja die Schuld auf sich genommen, Zeugen gab es keine mehr und ein Mord mehr oder weniger wäre bei dem auch nicht mehr aufgefallen, zumal das auch eher Notwehr wie Mord war. (Wieso durfte der überhaupt ne Knarre bei sich haben, scheint ja sehr locker zu zu gehen dort im Heim)

Meuffels spielt seht gut, keine Frage aber dennoch macht er immer wieder dumme Fehler, wie auch in der letzte Folge schon, dem Chef so naiv zu vertrauen, nun auch schon wieder, z.B. die Frau Strauß so hart anzupacken und immer wieder zu verhören, (ist meine Einzige Zeugin ) na und, selbst wenn die in einem Lichten Moment alles gesagt hätte, hätte die Aussage vor keinem Gericht der Welt bestand gehabt.
Tja und dann der Größte Fehler, dem Ex-SEK kein Gehör schenken bei seinem Anliegen, und dann auch noch unbedingt der Gerechtigkeit wegen die Marija verhaften, obwohl der SEK Mann die Tat gestanden hat. Als Meuffels die Waffe sah, hätten bei Ihm alle Alarmglocken läuten müssen, die 23 Leichen gehen meiner Meinung nach also auf Meuffels Konto und das hätte die letzte Folge sein müssen, weil mit dem Manko kann Eigentlich keiner weiter Polizist bleiben......

Jetzt schreib ich noch was, was nicht jedem gefallen wird, der Ex-SEK Mann hat aber in meinen Auge keine Morde an sich begangen, sondern die Menschen erlöst von Ihren Leiden, sozusagen erweiterte Sterbehilfe.
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Ranocchio
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Re: 363: Nachtdienst

Beitragvon Ranocchio » Mo 8. Mai 2017, 14:28

Deichgraf hat geschrieben:Jetzt schreib ich noch was, was nicht jedem gefallen wird, der Ex-SEK Mann hat aber in meinen Auge keine Morde an sich begangen, sondern die Menschen erlöst von Ihren Leiden, sozusagen erweiterte Sterbehilfe.
Eine sehr gewagte These. Juristisch waren es Morde, daran gibt es nichts zu deuten. Selbst ob dies aus ethischen Grüßen legitim war, ist m.E. keine echte Diskussion. Wir reden hier über Menschen, die zwar umfangreiche Unterstützung benötigen, aber auch noch in der Lage sind, viele Dinge selbst zu erledigen.

Bei Elisabeth Strauß hat sich sogar eine neue, engere Beziehung zu ihrer Tochter angebahnt. Dies wurde brutal zerstört.

Und ich glaube, dass auch alte Menschen trotz der erkennbaren Krankheitsbilder Freude empfinden und genießen können - selbst wenn sie Minuten später schon wieder alles vergessen haben.

Für uns "Normale" mag das anstrengend sein. Es gibt uns aber nicht das Recht über Leben und Tod zu entscheiden.

Und dies als "Erlösung" zu bezeichnen, ist eine ganz gefährlich Bezeichnung. Dies würde ja auch die eigenmächtige Sterbehilfe gutheißen (Stichwort "Todesengel").

Ich hoffe, Du wolltest mit Deiner These nur provozieren, um auf eine Botschaft des Polizeirufs aufmerksam zu machen. Ansonsten schau Dir mal an, in welchem Zusammenhang und von wem das von Dir Gutgeheißene angewendet wurde.
Zuletzt geändert von Ranocchio am Mo 8. Mai 2017, 14:57, insgesamt 1-mal geändert.
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Purzelito
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Re: 363: Nachtdienst

Beitragvon Purzelito » Mo 8. Mai 2017, 14:43

Deichgraf hat geschrieben:Jetzt schreib ich noch was, was nicht jedem gefallen wird, der Ex-SEK Mann hat aber in meinen Auge keine Morde an sich begangen, sondern die Menschen erlöst von Ihren Leiden, sozusagen erweiterte Sterbehilfe.

Dann hat er aber etwas Entscheidendes dabei vergessen: er hätte sie fragen müssen, ob sie damit einverstanden sind. Und selbst dann ist dieser Akt hierzulande verboten. Mit gutem Grund wie Ranocchio andeutet.
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Re: 363: Nachtdienst

Beitragvon Estland-Ute » Mo 8. Mai 2017, 17:33

Deichgraf hat geschrieben:
Purzelito hat geschrieben:Was für eine zutiefst deprimierende, aber vermutlich in Teilen wahre Sicht auf die herrschenden Zustände in Alteneinrichtungen!


Wahrscheinlich sieht es in Echt noch viel viel schlimmer aus....


Ja das tut es. So große Räume, so viele persönliche Dinge und auch noch so viele Pfleger sind eher die Ausnahme. Die alten Menschen (war kürzlich auch im Spiegel online) werden systematisch nicht nur nachts, wenn sie mal auffällig werden, sondern rund um die Uhr medikamentös ruhiggestellt.

Erlebe ich leider bei meiner Oma in einem "guten" Heim und ein Freund hat das an einer nahen Angehörigen in zwei verschiedenen Heimen mit durchstehen müssen. Es ist ein Alptraum angesichts der extremen Beträge, die an diese Heime bezahlt werden müssen - und nicht nur aus Sicht der Alten, sondern auch aus Sicht der völlig überlasteten und unterbezahlten Pfleger. Ich frage mich da oft, wohin diese Gelder wirklich fließen.
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Herr_Bu
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Re: 363: Nachtdienst

Beitragvon Herr_Bu » Mo 8. Mai 2017, 17:44

Hallo,
ich fand die Folge wie die meisten Polizeirufe mit von Meuffels wieder sehr stark, auch wenn sie einen aufgrund der Thematik insgesamt und aufgrund des Massenmordes (ja, es waren Morde - da gibt es für mich keine Diskussion!) am Ende nicht unberührt lassen konnte.
Wie schon weiter oben von Deichgraf erwähnt, hat sich von Meuffels bei seinem hartnäckigen Dranbleiben am Fall wohl tatsächlich etwas verrannt und nicht immer die im Nachhinein richtigen Schlüsse gezogen. Aber es war auf alle Fälle konsequent und richtig, trotz des falschen Geständnisses Grübnes die richtige Täterin zu verhaften. Letztlich hat ein Gericht über die Schuld zu entscheiden, ich vermute, dass das Urteil möglicherweise nicht zu hart ausfüllen dürfte.
Einige Details haben mir sehr gut gefallen und geben eine für die Folgen mit von Meuffels typische Athmosphäre, wenn er beispielsweise im Auto Frau Strauß vom Mäzenatentum Pannonica de Koenigswarters gegenüber Thelonious Monk und der Jazzszene aufgrund deren Begeisterung für "Round Midnight" erzählt. In welchem Krimi gibt es sonst so etwas? Ich finde dies einfach ein tolles Detail.
Schließlich war mit Ernst Jacobi einmal wieder ein ehemaliger Tatort-Ermittler zu sehen, auch wenn er als Kommissar Pflüger eine Eintagsfliege blieb. Es wäre aber schön, wenn die Programmmacher das zum Anlass nehmen, die Steine mal wieder sprechen zu lassen und die Tatortfolge 15 (endlich) einmal wieder senden...
Auf alle Fälle bin ich sehr betrübt darüber, dass Brandt in absehbarer Zeit den von Meuffels aufgibt.
Von mir 7/10 Punkte.
Grüße Herr_Bu
Fabian Hinrichs: „Die Öffentlich-Rechtlichen sollten sich in ihren Programmentscheidungen nach einem anderen, einem wirklichen Qualitätsprinzip richten. Man sollte die Leute zur Mündigkeit erziehen, da bin ich wirklich Adorno-Schüler."
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Deichgraf
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Re: 363: Nachtdienst

Beitragvon Deichgraf » Mo 8. Mai 2017, 20:13

Natürlich waren das Morde auch von mir ein klares ja .
Beati Pauperes Spiritu
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Re: 363: Nachtdienst

Beitragvon TATORT-Freund » Mo 22. Mai 2017, 20:15

War in der Tat ein herausragender Film. Mit riiiichtig richtig bedrückender Alltagsschilderung einer solchen Nachtschicht in nem Altenheim. Würde mich nicht wundern, wenns in der Wirklichkeit noch trister und hoffnungsloser zugeht.

Großes Kompliment an die Schauspieler.
Zum Einen an die "Alten", dier hier Mut zur Häßlichkeit, Verletzlichkeit und Schwäche zeigen.

Zum Anderen an die überforderten und desillusionierten Pflegekräfte und hier vor allem an den wie immer hervorragenden Philipp Moog, der hier ausschaut und agiert, als hätte er nie was Anderes gemacht als Nachtschichten in Altersheimen zu schieben.

Gaaanz ganz bitterer, bedrückender Fall und gleichzeitig Vorschau wie es Einigen von uns in ein paar Jährchen auch ergehen könnte. :o
Der Parkstudent
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Re: 363: Nachtdienst

Beitragvon Der Parkstudent » Di 23. Mai 2017, 18:32

Ich war vor 10 Jahren Zivi in einem Altersheim und habe den Eindruck, dass man hier ein Bisschen zu dick aufgetragen hat. Zumindest in meinem Altersheim ging es nicht so schlimm zu.

Abgesehen davon fand ich die Folge nicht allzu spannend. Nur das Ende, das hatte es in sich! So viele Tote hat man nicht in jedem Krimi.

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