Quoten-Der Tatort im Langzeittrend

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I814U2
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Re: Quoten-Der Tatort im Langzeittrend

Beitragvon I814U2 » Fr 25. Apr 2014, 09:06

KiGaZw hat geschrieben:Kindergartenzwergerl
Das gefällt mir.
sintostyle hat geschrieben:Wenn du dort arbeitest kannst du es doch ändern? !

Ich muss da jetzt mal ein bisschen ausholen und aus dem Nähkästchen plaudern:
Quotenmanipulation (die viele Zuschauer, aber auch medienkritische Journalisten wohl unterstellen) wäre, wenn sie nachgewiesen würde, für die Werbeträger und den ermittelnden Dienstleister ein ziemliches Desaster, denn das erfüllte den Tatbestand des Betruges. Der Werbekunde bezahlt den Sender für die Reichweite (= Anzahl der Rezipienten). Die GfK hat den Ruf eines seriösen Unternehmens und eine hohe Akzeptanz bei der Werbewirtschaft, immerhin schieben ihr die angeschlossenen Sender rund 18 Millionen jährlich rüber. Das Ergebnis einer Manipulation wäre nicht nur ein irreversibler Vertrauensverlust. Ich kenne mich da juristisch nicht aus, aber es ginge um horrende Summen an Schadensersatzforderungen. Der Kunde verlässt sich also auf die Angaben seiner Geschäftspartner, und so sollte es im Sinne einer vertrauensvollen Zusammenarbeit auch sein. Natürlich sind auch die ÖR Anstalten in ziemlichem Umfang von ihren Marketingpartnern abhängig. Bis vor kurzem lief ein Brauereispot unmittelbar vor dem Tatort, bis das Presenting-Verbot in Kraft trat. Auch da wurde nach Quote abgerechnet, auch wenn es bei Krombacher so direkt keiner zugegeben hat. In Interviews war immer die Rede von einem Sponsoring-Vertrag.
Umgekehrt werben Tatort-Ikonen für Toyota, also eine Hand wäscht die andere in diesem Joint Venture. Man kann gut finden, dass sich Prahl und Liefers mit Hilfe ihrer Popularität die Taschen voll machen, oder auch nicht. Seid versichert, der Automobilkonzern bezahlt ihnen für ihre Dienste wesentlich mehr als der WDR. Auch das hat wieder mit dem Rating der Münster-Tatorte zu tun.
(Sintostyle, ich habe deine Aversion gegenüber Anglizismen mitbekommen - das lässt sich bei uns leider überhaupt nicht mehr vermeiden. Ich find´s auch total affig, wenn ein CD (sozusagen der Chef im Ring) sich über (vermeintlich) fehlende Kreativität mit folgenden Worten beschwert: "Das ist mir jetzt nicht concise genug").
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Re: Quoten-Der Tatort im Langzeittrend

Beitragvon Carrera124 » Fr 25. Apr 2014, 09:39

I814U2 hat geschrieben:Ich muss da jetzt mal ein bisschen ausholen und aus dem Nähkästchen plaudern:
Quotenmanipulation (die viele Zuschauer, aber auch medienkritische Journalisten wohl unterstellen) wäre, wenn sie nachgewiesen würde, für die Werbeträger und den ermittelnden Dienstleister ein ziemliches Desaster, denn das erfüllte den Tatbestand des Betruges. Der Werbekunde bezahlt den Sender für die Reichweite (= Anzahl der Rezipienten). Die GfK hat den Ruf eines seriösen Unternehmens und eine hohe Akzeptanz bei der Werbewirtschaft, immerhin schieben ihr die angeschlossenen Sender rund 18 Millionen jährlich rüber. Das Ergebnis einer Manipulation wäre nicht nur ein irreversibler Vertrauensverlust.

Von "Manipulation" würde ich jetzt erstmal nicht sprechen. Aber wenn ich die (spärlichen) Informationen zu einem Bild zusammensetze, scheint mir das Quotenermittlungssystem doch erhebliche Unschärfen zuzulassen. Ich wiederhole meine bislang unbeantworteten Fragen von Seite 2:

Carrera124 hat geschrieben:Wenn ich das im verlinkten Text genannte Beispiel lese, gibt es auch andere Szenarien die nicht ermittelt werden können. Beispiel:
Beim Einschalten des Fernsehers muss an der "Quotenbox" auch angeben, wer zuschaut (durch Drücken der oben genannten Tasten). Die Quotenbox registriert im 1-Sek-Takt, welcher Sender geguckt wird und speichert diese Informationen. Kommt beispielsweise während der Vater einen Krimi guckt der Sohn hinzu, wird einfach die entsprechende Taste an der "Quotenbox" gedrückt, und der Krimi hat von der Sekunde an einen Zuschauer mehr.

Was ist, wenn der hinzugekommene Sohn "seine" Taste nicht drückt, weil er gerade keine Lust dazu hat?
Was ist, wenn Sohnemann tagsüber guckt und die Taste von Vattern drückt, der das garnicht mitkriegt weil er erst abends heimkommt?


Gerade weil es um Millionenbeträge geht, finde ich es erstaunlich dass das System zur Quotenermittlung vergleichsweise archaisch anmutet und Raum für solche Unschärfen bietet.
Möglicherweise tue ich dem System auch Unrecht und es ist (mittlerweile) gut abgesichert gegen solche Szenarien. Letztlich hat die Quotenermittlung aber immer noch den Nimbus des Geheimnisvollen: die Informationen dazu sind spärlich, kaum jemand scheint jemanden zu kennen der teilnimmt, etc. Dafür, dass das System den Anspruch erhebt, die TV-Sehgewohnheiten von 80 Millionen BRD-Einwohnern zu repräsentiertieren und jede Menge Entscheidungen und Arbeitsplätze daran hängen, finde ich es insgesamt ziemlich intransparent. 5000 von 80 Millionen, d.h. 1 Teilnehmer repräsentiert ca. 16.000 Einwohner (unter der Annahme, dass nicht irgendwelche nicht-linearen Gewichtungen vorgenommen werden).
Kunst kommt von können, nicht von wollen. Sonst würde es Wunst heißen.
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sintostyle
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Re: Quoten-Der Tatort im Langzeittrend

Beitragvon sintostyle » Fr 25. Apr 2014, 11:21

Naja unabhängig von der Ermittlung der Quoten, die ich auch für archaisch halte, sollte man als Gebührenzahler doch die Offentlich-Rechtlichen immer wieder darauf aufmerksam machen, dass sich ihr Programm nicht nach den Quoten richten darf. Ich freu mich wirklich über Sender wie arte, oder die Spartensender von ARD und ZDF.
Ich habe viel von meinem Geld für Alkohol, Weiber und schnelle Autos ausgegeben.... Den Rest habe ich einfach verprasst! (George Best)
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Re: Quoten-Der Tatort im Langzeittrend

Beitragvon Dani1981 » Mo 14. Sep 2015, 17:14

Danke für die Statisktik. Aber bis Mitte 1995 gab es noch kein Privatfernsehen. Durch Sender wie RTL, Sat1, Pro7, Kabel 1, Vox und RTL2 wurden die Quoten natürlich schlechter. Haben sich aber im laufe der zeit nicht stark verändert.
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Re: Quoten-Der Tatort im Langzeittrend

Beitragvon I814U2 » Fr 18. Sep 2015, 14:02

SAT 1 und RTL begannen ihren Sendebetrieb (werbefinanziertes Privatfernsehen) bereits im Januar 1984. Das Programm war noch nicht flächendeckend zu empfangen. 1988 kam Pro7 dazu, nur in entlegenen Gegenden, z.B. in Niederbayern oder im Zonenrandgebiet war das Programm der Privatsender nicht über Antenne empfangbar; Kabelfernsehen gab es auch nur in den Ballungsgebieten. Anfang der 90er Jahre kamen VOX, Kabel1 und der Rest dazu.

vgl hierzu: https://de.wikipedia.org/wiki/Privatfernsehen

Also ist der Quotenrückgang in den 80er Jahren durchaus auf das Aufkommen der Privatsender zurückzuführen - geändertes Freizeitverhalten durch Personal Computer spielt hingegen noch keine Rolle, denn die digitale Revolution nahm in den 80er Jahren in der grafischen Industrie ihren Anfang und erfasste erst mit Multimedia-Anwendungen und Internet (etwa ab 1995) breite Bevölkerungsschichten.
Zudem hatte die Marke "Tatort" durch überdurchschnittlich viele unbedeutende Produktionen ein Imageproblem bekommen und verlor viele Fans der ersten Stunde.

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